22.02.2009
Eine weitere Sommernachts-Sexkomödie

Vicky Cristina Barcelona


Vicky Cristina Barcelona: Penélope Cruz Zwei US-amerikanische Freundinnen besuchen für einen Sommer Barcelona. Mit einem spanischen Maler nehmen sie bei einer Vernissage einen folgenschweren Blickkontakt auf. Juan Antonio (Javier Bardem) spricht sie an - und sogleich unverblümt aus, was er mit ihnen anstrebt: Liebe zu dritt. Die eine Freundin (Scarlett Johansson) ist begeistert und wird später sogar bei dem Maler als seine Muse einziehen, die andere (Rebecca Hall) ist entsetzt, wird sich aber auch in den Maler verlieben. Das Liebeschaos komplettiert Juan Antonios dazustoßende heißblütige Ex-Ehefrau Maria Elena (Penélope Cruz, Oscar als beste Nebendarstellerin).
Nach zwei wenig geglückten Filmen („Scoop – der Knüller“ und „Cassandras Traum“) ist Woody Allen wieder in seinem Element. Die Visite Barcelonas und seine Sonne haben ihm gut getan.

Woody Allen ist auf Europa-„Tournee“ in Spanien gelandet. Das liegt an der spanischen Filmförderung, die Allen großzügig entgegen kam. Von Europa-„Tournee“ Woody Allens ist deswegen zu sprechen, weil er 39 der jetzt 43 unter seiner Regie entstandenen Filme in den USA gedreht hatte – bis er 2005 nach London zog. Hier drehte er in den folgenden drei Jahren „Match Point“ – zu Recht von den Kritikern gefeiert und an den Kinokassen erfolgreich – und zwei Filme, die weniger löblich ausfielen: „Scoop – der Knüller“ und „Cassandras Traum“. „Vicky Cristina Barcelona“ ist nun in Spanien gedreht worden, im Lande des Regie-Kollegen Pedro Almodóvar und mit zwei von dessen favorisierten Schauspielern, Bardem und Cruz. Herausgekommen ist ein Film, der Almodóvar gefallen dürfte, von dem spanischen Regisseur selber stammen könnte: Es geht um die ungestüme Liebe. Allens nächster Film nach „Vicky Cristina Barcelona“, „Whatever Works“, entstand 2008 allerdings wieder in New York und kommt 2009 hoffentlich in die deutschen Kinos – bei Allens Filmen ist das leider nicht mehr sicher –, bevor ein für 2010 angekündigter, noch namenloser Film in London gedreht werden soll.

Vicky Cristina Barcelona: Javier Bardem, Rebecca Hall„Vicky Cristina Barcelona“ ist gewissermaßen eine weitere Sommernachts-Sexkomödie nach Woody Allens Film mit jenem Titel aus dem Jahr 1982. Diesmal lässt der Regisseur und Drehbuchautor Allen kein Klischee aus, wenn er sich zwei US-Touristinnen in Spanien oder sich die Leidenschaft eines spanischen Latin Lovers vorstellt. Kein Klischee wird ausgelassen – was negativ klingt, macht den Reiz von „Vicky Cristina Barcelona“ aus, macht den Film amüsant. Es gibt eine Szene, die besteht nur aus Wein, Weib und Gesang. Von dem schönen Abend fasziniert, ist Vicky (Rebecca Hall) hin und weg. Was von ihr ursprünglich abgelehnt war, passiert: Juan Antonio (Javier Bardem) hat sie rumgekriegt, es kommt zum Sex. Dabei hat sie einen Verlobten in New York und plante, nur Aufpasserin für Cristina (Scarlett Johansson) zu sein. Diese, ohne irgendwelche Bedenken, hatte zugesagt, mit Juan mitzukommen für die Liebe, gerne auch zu zweit. Während sich Vicky zurückzieht und in ihren Gefühlen durcheinandergeraten ist, zieht es Cristina zu Juan. Doch es kommt ganz anders: Seine temperamentvolle Ex-Frau Maria Elena (Penélope Cruz), die in der Psychiatrie war, weil sie Juan umbringen wollte, kehrt zu ihm zurück, und es beginnt in dem Künstlerhaus eine wilde Ménage-à-trois, denn auch Cristina und Maria Elena beginnen sich zu lieben.

Vicky Cristina Barcelona: Scarlett JohanssonIn der flirrenden Sommerhitze entspannt sich ein stimmungsvoller Beziehungsreigen, bei dem die Frage nach der richtigen Lebenseinstellung in den Vordergrund rückt: Freie romantische Liebe mit heißblütigen Spaniern (Cristina) oder bodenständiges Leben mit dem reichen amerikanischen Langweiler (Vicky) – Letzterer stellt eine ironische Spitze Allens gegen seine Heimatstadt New York dar. Von der Upper Class scheint Allen die Nase voll zu haben, zeigte schon „Match Point“.

Ist „Vicky Cristina Barcelona“ eine Altherren-Phantasie Woody Allens? (Immerhin, drei Frauen lieben einen Mann, einen Künstler.) Ja, ist sie durchaus, aber auch sie ist mit viel Ironie garniert – zur Freude des Zuschauers.  

Michael Dlugosch / Wertung: * * * * (4 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Concorde Film

 
Filmdaten 
 
Vicky Cristina Barcelona   
 
USA / Spanien 2008
Regie und Drehbuch: Woody Allen;
Darsteller: Rebecca Hall (Vicky), Scarlett Johansson (Cristina), Javier Bardem (Juan Antonio Gonzalo), Penélope Cruz (Maria Elena), Chris Messina (Doug), Patricia Clarkson (Judy Nash), Kevin Dunn (Mark Nash) u.a.; Produktion: Letty Aronson, Stephen Tenenbaum, Gareth Wiley; Kamera: Javier Aguirresarobe; Länge: 96 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; ein Film im Verleih von Concorde Film; deutscher Kinostart: 4. Dezember 2008



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Zitat

"Feigheit macht jede Staatsform zur Diktatur."

Regisseur Wolfgang Staudte

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