29.09.2011
Berlin zeigt seine dunkle Seite

Urban Explorer


"Urban Explorer" lädt zu einer abenteuerlichen Führung ein, die dem Zuschauer den Untergrund von Berlin vorstellt. Dass dieser kleine Rundgang nicht reibungslos abläuft, dürfte selbstverständlich sein.

Urban Explorer Vier Touristen von jeweils unterschiedlichen Kontinenten und ihr deutscher Tourguide Dante (Max Riemelt) treffen sich, um das "andere" Berlin zu erkunden. Unter der Stadt soll sich der so genannte "Fahrerbunker", nicht "Führerbunker", befinden, der Wandmalereien aus dem Dritten Reich beinhaltet. Die Gruseltour wird kompliziert, als Dante, dessen Pseudonym schon auf das drohende Inferno hinweist, sich durch einen Unfall schwer verletzt und medizinische Hilfe benötigt. Diese Unterstützung bekommt er scheinbar von Armin (Klaus Stiglmeier), einem ehemaligen Grenzwächter, der die Wiedervereinigung nicht wahrhaben will. In Armins Unterschlupf kommt es schließlich zur Konfrontation.

Der Film hält sich nicht lange mit unwichtigem Vorgeplänkel auf, sondern geht sofort in den Untergrund von Berlin. Die verwinkelten Gemäuer wirken kalt und ungemütlich, trotzdem ist es interessant, die verschiedenen Räumlichkeiten zu begutachten. Die Führung gestaltet sich äußerst abwechslungsreich und schafft einen stimmungsvollen Einstieg. Gerade für Berliner ist diese Art der Dokumentation interessant und macht Lust auf eine reale Erkundungstour.

Es folgt der Konflikt mit dem ehemaligen Grenzwächter, der schnell deutlich macht, dass er der Gruppe alles andere als wohl gesonnen ist. Mallory (Nathalie Kelley) und Mickey (Nick Eversman), die sich nach den "Natural Born Killers" benennen, bekommen das am eigenen Leib zu spüren, während sie auf die Hilfe der anderen beiden Gruppenmitglieder warten – die allerdings nicht kommen wird.

Urban Explorer: Klaus Stiglmeier als Armin Der schauspielerisch stark gespielte Armin jagt mit viel Sadismus seine Beute durch das Berliner Labyrinth. Dabei werden die Personen und die Umgebung in einer unsteten und unterkühlten Stimmung durch verwackelte und unscharfe Einstellungen passend festgehalten. Leider kommt es zu oft zu Szenen, die unrealistisch wirken und den Zuschauer wiederholt aus seiner Trance reißen, die durch die atmosphärische Bild- und Tonkomposition von Regisseur Andy Fetscher aufgebaut wurde. Dass der deutsche Antagonist angeschossen und am Boden liegend mit einer schweren Eisenstange malträtiert wird, scheint im weiteren Verlauf kein nennenswertes Handicap für ihn darzustellen. Offensichtlich unverwundbar rafft er einen nach dem anderen dahin und tut dies zwar in einer knallharten, aber nicht sonderlich innovativen Weise.

Die einzige Neuerung ist die Urban-Explorer-Thematik, die Berlin aus einer anderen Perspektive präsentiert, die Storyline dagegen hat man schon viele Male davor gesehen. Wem "Cold Prey" (2006) gefallen hat, kann hier auf die deutsche Version zurückgreifen, insofern er sich noch nicht an den Mainstream-Klassikern "Scream" (1996) oder "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" (1997) satt gesehen hat. "Urban Explorer" ist sicherlich ein solider Film, der aber zehn bis zwanzig Jahre zu spät kommt und sich nicht aus dem übervollen Teenie-Slasher-Einheitsbrei hervorhebt. Berlin-Verbundene und Genre-Neulinge können gerne einen Blick riskieren, der Rest wird wenig Stimulierendes entdecken.  

Daniel Forstner / Wertung: * * (2 von 5) 

 
Filmdaten 
 
Urban Explorer  
 
Deutschland 2011
Regie: Andy Fetscher;
Darsteller: Nathalie Kelley (Mallory / Lucia), Nick Eversman (Mickey / Denis), Klaus Stiglmeier (Armin), Max Riemelt (Dante / Kris), Catherine de Léan (Olympia / Marie), Brenda Koo (Haiku / Juna), Adolfo Assor (Mann im U-Bahnhof), Johannes Klaußner (Mann in der U-Bahn), Andreas Wisniewski ("James Bond 007 - Der Hauch des Todes"; Neonazi Nr. 1), Sascha Marten (Neonazi Nr. 2) u.a.;
Drehbuch: Martin Thau; Produzent: Oliver Thau; Ausführende Produzenten: Martin Hellstern, Felix Wendlandt; Kamera & Schnitt: Andy Fetscher; Musik: Robert Henke, Steven Schwalbe;

Länge: 94,30 Minuten; FSK: keine Jugendfreigabe, d.h. ab 18 Jahren; ein Film im Verleih der Summiteer Films GmbH; deutscher Kinostart: 20. Oktober 2011



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Zitat

"Feigheit macht jede Staatsform zur Diktatur."

Regisseur Wolfgang Staudte

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