20.12.2000

Ein frustrierter Superheld

Unzerbrechlich

Noch bevor "The Sixth Sense" zu einem der Erfolgsfilme des Jahres 1999 wurde - an den Kinokassen ist er momentan der zehnterfolgreichste Film aller Zeiten -, begann Regisseur M. Night Shyamalan den nächsten Film, wieder mit Bruce Willis, zu drehen. Wie schon in "The Sixth Sense" erzählt der indische Regie-Shootingstar von der metaphysischen Begabung eines Protagonisten, wieder lässt Shyamalan den Film mit einer bitteren Pointe enden. "Unzerbrechlich" scheint leider nur das Ziel erreichen zu wollen, auf diese Pointe hinzusteuern.

UnzerbrechlichDas Leben des Security-Manns David Dunn (Bruce Willis) verläuft nicht glücklich. Seine Ehe ist an einem toten Punkt angelangt, ein Vorstellungsgespräch verläuft erfolglos. Kurz nachdem ein Flirt scheitert, verunglückt der Zug, in dem Dunn sitzt; er ist von 132 Reisenden der einzige Überlebende. Die Ärzte sind verwundert: Er hat nicht einmal leichte Verletzungen. Ein farbiger Künstler namens Elijah Price (Samuel L. Jackson) nimmt mit Dunn Kontakt auf und konfrontiert ihn mit der Tatsache, dass Dunn noch nie krank gewesen ist und auch noch niemals körperlich versehrt war. Ganz im Gegensatz zu Price selbst, dessen seltene Knochenkrankheit ihn zum vereinsamten Eigenbrötler werden ließ, immer von der Furcht vor einem weiteren seiner zahlreichen Krankenhausaufenthalte begleitet. Sein Eremitendasein überbrückt Price mit seinem Hobby: dem Lesen von Comics. Dass ein Mann als Einziger unversehrt ein Unglück überlebt, lässt bei ihm die Frage aufkommen: Gehört David Dunn zu den "Unzerbrechlichen", die in den Comics als Superhelden präsentiert werden? Immerhin, Price entdeckt die übernatürliche Begabung Dunns, böse Absichten seiner Mitmenschen durch bloße Berührung zu erkennen. Dunn kennt seine Begabung, bekennt sich aber nicht zu ihr.

Unzerbrechlich Die Absichten von M. Night Shyamalan, "Unzerbrechlich" zu drehen, bleiben unklar. Der Zuschauer, der einen Action-Film erwartet, liegt falsch, obwohl mit Willis und Jackson zwei Schauspieler den Film bestreiten, die man vor allem aus diesem Film-Genre kennt: Zusammen sah man sie in zwei Klassikern des Genres auf der Leinwand, "Stirb langsam: Jetzt erst recht" (Die hard with a vengeance", 1995) und zuvor in "Pulp Fiction" (1994). Aber "Unzerbrechlich" gehört nicht in den Action-Bereich. Was dem Regisseur wohl vorschwebte, waren vielmehr die Charakterstudien zweier Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und nur eins gemeinsam haben: Sie sind psychisch verletzbar. Die Charakterisierung fällt aber uninteressant aus, denn zu sehr konzentriert sich Shyamalan auf die Konstruktion einer depressiven Grundstimmung, die den ganzen Film über aufrecht erhalten bleibt und schon bald durch ihre Monotonie langweilt. Der Inder Shyamalan beabsichtigte gewiss keine latent rassistische Gegenüberstellung eines weißen unverletzbaren Mannes mit Superheldenqualitäten mit einem schwarzen Mann, der sich durch seine Krankheit frustriert von der Außenwelt zurückgezogen hat, sodass er als Kinderschreck gilt ("der Mann aus Glas"). Stehen die beiden Männer in ihren Stärken und Schwächen etwa symbolisch für das Auseinanderklaffen der Arm-Reich-Schere? Dieser Interpretationsansatz lässt sich lediglich vermuten, da die beiden Figuren nur verschwommen gezeichnete Charaktere sind.

Seine Philosophie, das wird in "Unzerbrechlich" deutlich, holt sich Shyamalan aus der amerikanischen Comic-Welt. Die Philosophie, die sich einzig auf die Comicstrips beruft, die Price so manisch begeistern, dass er sie als Maler auf Leinwand pinnt und damit sein Geld verdient, reicht aber nicht für 106 Minuten. An vielen Stellen des Films gibt es Leerlauf, den Shyamalan mit schmalspurigen Elementen zu überbrücken versucht. So mit der Angst von Dunns Sohn Joseph vor seinem eigenen Vater, weil der doch nicht verletzbar zu sein scheint, der das selber einfach nicht wahrhaben will und von Price damit stets aufs Neue konfrontiert wird, ohne dass sich der Film jemals weiter entwickelt. "Unzerbrechlich" ist keine cineastische Katastrophe, keine Peinlichkeit in der Filmgeschichte, ist allerdings auch kein Gewinn für sie.  

Michael Dlugosch / Wertung: * * (2 von 5)

Quelle der Fotos: Touchstone Pictures


Filmdaten

Unzerbrechlich
(Unbreakable)

USA 2000
Regie & Drehbuch: M. Night Shyamalan; Produktion: Gary Barber, Roger Birnbaum, Barry Mendel, Sam Mercer, M. Night Shyamalan; Kamera: Eduardo Serra; Schnitt: Dylan Tichenor; Musik: James Newton Howard;
Darsteller: Bruce Willis (David Dunn), Samuel L. Jackson (Elijah Price), Robin Wright Penn (Audrey Dunn), Spencer Treat Clark (Joseph Dunn), James Handy (Priester), Charlayne Woodard (Elijahs Mutter), Leslie Stefanson (Kelly), Eamonn Walker (Dr. Mathison), M. Night Shyamalan (Drogendealer im Stadion; Gastrolle des Regisseurs) u.a.

Länge:107 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; deutscher Kinostart: 28. 12. 2000.



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