12.03.2018
Ein irischer Filmemacher begutachtet die USA unter Trump

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri


Three Billboards Outside Ebbing, Missouri: Frances McDormand "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri": ein sperriger Filmtitel, doch die genannten drei Werbetafeln außerhalb eines Ortes mitten im Nirgendwo der USA spielen in dem Film eine wichtige Rolle. Sie rotten vor sich hin, als Mildred Hayes (Frances McDormand) sie sich näher betrachtet. Sie hat eine Idee. Sie setzt sie in die Tat um, wie sie alles umsetzt, was sie vorhat – nicht immer zugunsten von ihr und ihren Mitmenschen in Ebbing. Der Ort wird zum von Autorenfilmer Martin McDonagh betrachteten Mikrokosmos, in dem Mildred wüten, die Grundfesten erschüttern wird. Das macht die vom Alter her reife, aber nicht charakterlich gereifte Frau nicht grundlos: Ihre Tochter wurde im Vorjahr ermordet, vergewaltigt und verbrannt. Sie will den Mörder gefasst sehen. Die Werbetafeln bekommen einen Text, der der örtlichen Polizei übel aufstößt.
"Three Billboards..." war 2018 für sieben Academy Awards nominiert, zwei Darstellerpreise erhielt er.

"Raped While Dying", "Still No Arrests?", "How Come, Chief Willoughby?" – dies sind die Texte, die Mildred plakatiert. Damit versetzt sie Ebbing in Aufruhr. Denn die Ordnungshüter des Ortes sind nicht begeistert. Während Polizeichef William Willoughby (Woody Harrelson) sich nur unterschwellig ärgert, wird sein Deputy Dixon (Sam Rockwell), der als nicht der Hellste, als Rassist und als Muttersöhnchen dargestellt wird, zu gewalttätigen Maßnahmen greifen. Er schmeißt den Mann, der die Schilder mit neuem Text ausstattete, im ersten Stock aus dem Fenster. Oder er verhaftet eine Freundin Mildreds als Maßnahme, diese zur Ruhe zu bringen. Dixons Chef derweil stellt die Urheberin der Plakate freundlich zur Rede: "Ich würde alles tun, um den Täter zu fassen, Mrs. Hayes. Ich finde, Ihre Billboards da sind nicht besonders fair." Dies sagt Willoughby auch, weil er tödlichen Krebs hat. Darauf weist er sie hin. Cool entgegnet sie, davon wisse sie. Sie könne ja diesen Text nicht mehr anbringen, wenn er erst tot sei.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri: Woody Harrelson Denn Mildred ist eine besonders derbe Person mit Hang zur Rechthaberei. Im Gespräch mit dem Chief möchte sie Bürgerrechte beschneiden im Gegensatz zu ihm. Um den Mörder zu finden. Mildred ist als Einzelkämpferin ein hochinteressanter Charakter. Für seine Darstellung erhielt Frances McDormand in ihrer bedeutendsten Rolle seit der Polizistin in "Fargo" (1996) den Academy Award. Ebenso Sam Rockwell als tumber Polizist, dem Martin McDonagh eine Entwicklung während des Films zuschreibt, die zum Schwächsten des sonst klugen Films gehört: Er wird nach einem Damaskus-Erlebnis, einem Brand in der Polizeistation (Wer zündelte? Natürlich Mildred) plötzlich schlau und ernsthaft auf Mördersuche gehen, als ein Verdächtiger auftaucht.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri: Sam Rockwell, Frances McDormand Der dritte Film des Iren Martin McDonagh nach "Brügge sehen... und sterben?" und "7 Psychos" holt aus den Beobachtungen der Leute des Städtchens im Nirgendwo der USA zwischen den Großstädten der West- und Ostküste sehr viel heraus. Der Film zeigt dem Publikum das Gebiet der Republikaner-Wähler in der Trump-Ära, ihre Rohheit, ihr aneckendes Selbstbewusstsein – am Ende des Films wird ein Gewehr ins Auto gelegt, aber ob wirklich eine Person erschossen werden soll, da sind sich die beiden Filmfiguren noch nicht sicher. Vielleicht kehren sie auch wieder um. Hierin liegt eine intelligente charakterliche Einordnung der Personen vor, die auf die Ambivalenz Amerikas hinweist, ein Land zwischen Gemäßigtsein und rohem Trump-Populismus. Dass es den Iren McDonagh brauchte, um dies auszusprechen, zeigt: Das Land ist auch in der Filmbranche gespalten, noch nicht wagemutig genug, sich selbst in seiner sprichwörtlichen Schizophrenie zu kritisieren. Ebbing als von McDonagh angeschauter Mikrokosmos steht fürs ganze Land USA.  

Michael Dlugosch / Wertung: * * * * (4 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Twentieth Century Fox

 
Filmdaten 
 
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri) 
 
USA 2017
Regie & Drehbuch: Martin McDonagh;
Darsteller: Frances McDormand (Mildred Hayes), Woody Harrelson (Willoughby), Sam Rockwell (Dixon), Abbie Cornish (Anne), John Hawkes (Charlie), Lucas Hedges (Robbie), Zeljko Ivanek (Sergeant), Peter Dinklage (James), Caleb Landry Jones (Red Welby), Amanda Warren (Denise) u.a.;
Produzenten: Graham Broadbent, Peter Czernin, Martin McDonagh; Kamera: Ben Davis; Musik: Carter Burwell; Schnitt: Jon Gregory;

Länge: 115,35 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih der Twentieth Century Fox of Germany GmbH; deutscher Kinostart: 25. Januar 2018



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<12.03.2018>


Zitat

"Robby Müller hat das Handwerk und die Kunst der Kameraführung und des Lichtsetzens erneuert und vorangetrieben. Er konnte wie kaum ein anderer in seinen Bildern Stimmungen erfassen und Zustände beschreiben, die mehr über Charaktere erzählten als Dialoge und dramaturgische Strukturen. Er wusste, wie man für eine Geschichte und einen Film ein ganz eigenes Klima erzeugt, in dem seine Figuren im wahrsten Sinne des Wortes 'gut aufgehoben' waren. Für eine Handvoll Filmemacher war er der wichtigste Wegbegleiter."

Regisseur Wim Wenders zum Tode des Kameramanns Robby Müller (04.04.1940 - 03.07.2018)

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