08.01.2015

I got mad love for you, shawty!

The Wackness
- Verrückt sein ist relativ

New York 1994, die Musik ist dope und der Sommer mad hot...
Auch wenn der Film "The Wackness" von Regisseur Jonathan Levine über weite Strecken anders wirkt, am Ende ist er doch ein Liebesfilm. Am Anfang steht die Liebe zur Rapmusik und zur Hip Hop-Kultur, die den Protagonisten Luke Shapiro (Josh Peck) aber eben auch den ganzen Film ausmacht. Mit "The Wackness" ist es möglich, die Golden Era des New York Hip Hop in den USA der 1990er Jahre nachzuerleben. Die Geburtsstadt des Hip Hop wird mit Lukes Eiswagen erkundet, aus dem er Cannabis verkauft. Levine schafft eine derart melancholisch-pubertäre Grundstimmung, dass die Passagen, in denen Rap gespielt wird, eine geradezu erleichternde Wirkung haben; dieser stellt eine Möglichkeit dar, dem Alltag zu entfliehen. Selbst der Generationenkonflikt wird in "The Wackness" über Musik gelöst.

Der Highschool-Schüler Luke, der sich in der ewig langen Sommerpause vor dem College befindet, stellt seinem Psychologen Dr. Squires (Ben Kingsley) ein Mixtape mit dem neuesten Rap zusammen. Im Zuge der persönlichen Annäherung der beiden erhält er ein Tape mit der Lieblingsmusik des Psychologen. Lou Reed und Konsorten erklingen darauf. Auch die Entwicklung der Persönlichkeit von Luke wird über die Musik gezeigt. Passend zur erlebten Gegenwart des Films, geht die im Film immanente Musik-Verwebung mit der Erscheinung des 1994er Notorious B.I.G.-Debüt-Albums "Ready to Die" überein.

In Sachen romantische Liebe schafft es "The Wackness" ohne die typischen Schmonzetten-Bilder auszukommen. So wird hier nicht dem sonst typischerweise naiven Mädchen das Herz gebrochen, sondern dem jugendlichen, männlichen Protagonisten. In fast poetischer Manier gesteht Luke Stephanie (Olivia Thirlby) seine unerwiderte Liebe: "Don't say nothin, ok? Just stand there until I leave. Let me look at you. I wanna remember this. I've never done it before. - Never done what? - Had my heart broken."

Dabei ist eine sehr starke Maskulinisierung von Stephanie, der Stieftochter des Psychologen, zu beobachten, die vor allem über eine von möchtegernschwarzem Hip Hop-Slang gefärbte Sprache und einem emotionslosen Verhalten beim Sex erzeugt wird. Sie weiß mit ihren weiblichen Reizen zu spielen und nimmt dabei keine Rücksicht auf Lukes Gefühle. Aber auch der nun zum Freund gewordene Dr. Squires hat Probleme in seiner Ehe. Die erneuten Flitterwochen scheitern, die Scheidung wird beschlossen. Das Haus von Lukes Eltern wird gepfändet. Er beobachtet aber, wie sie sich in der neuen Notunterkunft aneinander kuscheln.

In dem Film geht es um das Erwachsenwerden von Jugendlichen bzw. um die Regression von Erwachsenen in emotionalen Lebenssituationen wie eben einer Scheidung. Die Pubertät als Sinnbild für die Midlife-Crisis und vice versa. Ursprünglich geht Luke bei Dr. Squires zur Therapie, um Frauen flachzulegen. Aber auch dieser träumt davon eine außereheliche Affäre einzugehen.

Der Film handelt davon, Erfahrungen zu machen. Zu erkennen, dass eine Beziehung nicht mehr funktionieren wird oder gar nicht erst beginnt. Aber auch die Liebe zu den Drogen gehört dazu, und nicht zu vergessen der Sex. Es geht um den Unterschied zwischen dem halbleeren und dem halbvollen Glas der Lebenseinstellung. Stephanie erwidert auf Lukes Nachdenklichkeit: "I just look at the dopeness. But you, it's like you just look at the wackness, ya know?"  

Nicolas Schumann / Wertung: * * * * * (5 von 5)



Filmdaten

The Wackness - Verrückt sein ist relativ
(The Wackness)

USA / GB 2008
Regie & Drehbuch: Jonathan Levine;
Darsteller: Ben Kingsley (Dr. Squires), Josh Peck (Luke Shapiro), Famke Janssen (Mrs. Squires), Olivia Thirlby (Stephanie), Mary-Kate Olsen (Union), Jane Adams (Eleanor), Method Man (Percy), Aaron Yoo (Justin), Talia Balsam (Mrs. Shapiro), David Wohl (Mr. Shapiro), Bob Dishy (Opa Shapiro), Joanna Merlin (Oma Shapiro) u.a.;
Produzenten: Keith Calder, Felipe Marino, Joe Neurauter; Kamera: Petra Korner; Musik: David Torn; Schnitt: Josh Noyes;

Länge: 99 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; deutscher Kinostart: kein deutscher Kinostart; DVD-BluRay-Start 2011



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Zitat

"Filme Deine Morde wie Liebesszenen, und filme Deine Liebesszenen wie Morde."

("Film your murders like love scenes, and film your love scenes like murders.")

Regisseur Alfred Hitchcock

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