09.09.2019

The Report (2019)


The Report (2019): Adam Driver Stellenweise wird Scott Z. Burns' zweite Regiearbeit ähnlich erschöpfend wie der titelgebende Bericht des Hauptcharakters (exzellent: Adam Driver), doch im Endeffekt profitiert die nüchterne Inszenierung von einer dramatischen Zurückhaltung, die in Enthüllungsthrillern genauso rar ist wie der Fokus auf sachliche Wahrhaftigkeit. Deren Gegenteil repräsentiert auf filmischer Ebene Kathryn Bigelows "Zero Dark Thirty". Dessen Trailer erinnert Daniel Jones in einer Szene an die omnipräsente Macht des perfekt geölten Propagandaapparats und den verschwindend geringen Wert ethischen Gewissens.

Letztes ist das Momentum der unterkühlten Handlung, die Entstehung, Vervollständigung und Veröffentlichung des in einem halben Jahrzehnt mühseliger Büroarbeit in düsteren Kellerräumen erstellten Dokuments nachzeichnet. Der turmhohe Papierberg mit Belegen der Widerwärtigkeit, Widerrechtlichkeit und Nutzlosigkeit systematischer Folter seitens CIA und FBI zur vorgeblichen Verhinderung terroristischer Anschläge nach 9/11 umfasst mehr, als Jones' Auftraggeberin Senatorin Dianne Feinstein (Annette Bening) je erwartet hatte und die im Bericht aufgeführten Täter und Verantwortlichen die Öffentlichkeit wissen lassen wollen.

The Report (2019): Annette Bening Die persönliche Bedrohung seitens der in Folter verwickelten Sicherheitsorgane vollzieht sich ebenso beiläufig wie das Privatleben, das Jones und sein Team ihrer Arbeit opfern. Gleiches gilt für Schlaf, den die durch die protokollierten Grausamkeiten traumatisierten Ermittler*innen nicht mehr finden. Die in albtraumhaften Flashbacks angedeuteten Verbrechen geben dem bekannten Ausgang des intellektuellen Politthrillers den bitteren Beigeschmack eines Pyrrhussiegs. Ellenlange Berichte sind machtlos gegen eine Öffentlichkeit, welche die Legitimation von Folter - ob politisch oder filmisch - honoriert.  

Lida Bach / Wertung: * * * * * (5 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Atsushi Nishijima

 
Filmdaten 
 
The Report (2019) (The Report (2019)) 
 
USA 2019
Regie & Drehbuch: Scott Z. Burns;
Darsteller: Adam Driver (Daniel Jones), Annette Bening (Senator Dianne Feinstein), Corey Stoll (Cyrus Clifford), Jon Hamm (Denis McDonough), Ted Levine (John Brennan), Maura Tierney (Bernadette), Scott Shepherd (Senator Mark Udall), Michael C. Hall (Thomas Eastman), Tim Blake Nelson (Raymond Nathan), Jennifer Morrison (Caroline Krass), Matthew Rhys (NY Times Reporter), Ben McKenzie, Sarah Goldberg, Noah Bean, Carlos Gómez, Daniel London, Linda Powell, Victor Slezak, Joseph Siravo, Hope Blackstock, Jane May Graves, Evander Duck Jr., Julia Murney, Pun Bandhu, T. Ryder Smith, Jake Silbermann, Frances Eve, CJ Parson, Gregory Jones, Ratnesh Dubey u.a.;
Produzenten: Scott Z. Burns, Jennifer Fox, Danny Gabai, Eddy Moretti, Kerry Orent, Steven Soderbergh, Michael Sugar; Kamera: Eigil Bryld; Musik: David Wingo; Schnitt: Greg O'Bryant;

Länge: 119,54 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; deutscher Kinostart: 7. November 2019; Plattformstart auf Amazon Prime Video: 29. November 2019



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<19.09.2019>


Zitat

"Es erscheint mir albern, dass etwas so Richtiges und Einfaches erkämpft werden muss."

("It just seems silly to me that something so right and simple has to be fought for at all.")

Schauspieler Gregory Peck (1916 - 2003) über die Rechte von Homosexuellen

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