13.02.2016
Ein Film der 66. Berlinale 2016, Sektion Panorama

The Ones Below


Sobald man den giftgrünen Kunstrasen sieht, weiß man Bescheid. Selbst die Kritikerkollegen, die vor einer Pressevorführung nicht einmal den Namen des Regisseurs lesen, um möglichst unvoreingenommen in den Film zu gehen, wissen, was in David Farrs Thriller mit den titelgebenden Hausmitbewohnern los ist. Die sind Psychos!

The Ones BelowDer hässliche Kunstrasen, den die hochschwangere Kate (Clemence Poésy) mit einem unguten Vorgefühl betrachtet, ist nur das erste Warnsignal. Weitere Vorzeichen folgen quasi im Minutentakt, nachdem die Wohnung im Erdgeschoss des Londoner Hauses von Kate und ihrem Freund Justin (Stephen Campbell Moore) bezogen wurde. Die neuen Untermieter stellen nicht nur einen Rasensprenger auf, sie schalten ihn tatsächlich ein. Welcher normale Mensch besprengt einen Plastikrasen? Der schwerreiche Banker Jon (David Morrissey) und seine bedeutend jüngere Frau Theresa (Laura Birn) tun es jedenfalls. Kein Zweifel, solche Leute sind zu allem fähig. Sie stimmen ihre Outfits auf die Farbe ihrer geschmacklosen Einrichtung ab und ihre Getränke auf die Farbe ihrer Outfits. Sie arrangieren alles so akkurat, dass ihre Wohnung aussieht wie aus dem Katalog und haben eine minutiöse tägliche Agenda. Jedes Detail, das vor allem Kate mitbekommt, schreit heraus, dass die da unten zwanghafte Planer sind. Allerdings lassen sich nicht alle Termine einfach festsetzen. Seit Jahren versucht das Pärchen vergeblich ein Kind zu bekommen. Nun ist Theresa endlich schwanger. Dass ihre Vermieter bisher andere Prioritäten als Fortpflanzung hatten, irritiert sie und ihren herrischen Mann sichtlich. Jon macht klar, dass es für ihn zu einem konservativen Familienbild mit perfekt gestylter, hausfraulicher Mutter und Kronsohn keine Alternative gibt.

The Ones Below Nach einem unbequemen Abendessen, zu dem Kate die gruseligen Untermieter aus unerfindlichen Gründen einlädt, kommt es zu einem tragischen Unfall. Theresa verliert ihr Baby und Jon gibt dem befreundeten Pärchen die Schuld dafür. Wie sie den Schaden wieder gut machen können, wissen er und seine Frau auch schon - genau wie die Zuschauer. Die Vorhersehbarkeit raubt dem Mix aus Home-Invasion-Movie und Psychothriller in Polanski-Manier jede Spannung. Theater-Regisseur David Farr streut in seinem Kinodebüt allzu viele und offensichtliche Hinweise auf den perfiden Plan der Untermieter. Alles, was die in Luxus-Sportanzügen und Beach-Babe-Looks herumlaufende Theresa und ihr piekfeiner Gatte tun und sagen ließe bei jedem anderen die Alarmglocken lauter schrillen als die Autoalarmanlage, die den Eltern nach der Geburt ihres Sohnes zusätzlich den Schlaf raubt. Trotzdem kommt Justin zu dem Schluss, dass die zunehmend misstrauische Kate einfach paranoid sei. Die Handlung macht einige vage Hinweise auf eine traumatische Familiengeschichte Kates, aber diese losen Enden reichen nicht ansatzweise aus, um Justins Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit seiner Partnerin und seine Blindheit gegenüber den Machenschaften der Nachbarn zu begründen.

"The Ones Below" wirkt, als sei ein erheblicher Teil der Story rausgeschnitten worden, um den Film auf verträgliche 87 Minuten zu trimmen. Nach dem zu urteilen, was man von der Straight-To-DVD-Ware sieht, muss man leider sagen: Hauptsache nicht mehr davon.  

Lida Bach / Wertung: * (1 von 5) 
 

Quelle der Fotos: The One Below Limited

 
Filmdaten 
 
The Ones Below (The Ones Below) 
 
GB 2015
Regie & Drehbuch: David Farr;
Darsteller: David Morrissey (Jon), Stephen Campbell Moore (Justin), Clémence Poésy (Kate), Laura Birn (Theresa) u.a.;
Produzentin: Nikki Parrott; Kamera: Ed Rutherford; Musik: Adem Ilhan; Schnitt: Chris Wyatt;

Länge: 86 Minuten; deutscher Kinostart: unbekannt



Artikel empfehlen bei:  Mr. Wong Delicious Facebook  Webnews Linkarena  Hilfe

© filmrezension.de

home
  |  suche   |  wap  |  e-mail
 über uns  |  impressum  


 
 
 
 
 
Der Film im Katalog der Berlinale
<13.02.2016>


Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

Drucken

Artikel empfehlen
Mr. Wong Delicious Facebook Webnews Linkarena 
Hilfe