20.03.2016
Ein Film der 66. Berlinale 2016, Sektion Berlinale Special Gala

The Music of Strangers:
Yo-Yo Ma and the Silk Road Ensemble


Beide haben zahlreiche Auszeichnungen eingeheimst und ihr neues Werk könnte ihnen noch mehr bringen. Die Zusammenarbeit des in Frankreich geborenen Cellisten Yo-Yo Ma und Dokumentarfilmer Morgan Neville aus L. A. ist für Musik- und Kinofans gleichermaßen spannend. Der Regisseur von "20 Feet from Stardom" macht die Entstehungsgeschichte eines außerordentlichen Ensembles zu einem Leinwanderlebnis.

The Music of Strangers: Yo-Yo Ma and the Silk Road Ensemble"The Music of Strangers" beginnt als konventionelle Filmbiografie. Auf Archivmaterial sieht man unter anderem, wie Ma im Alter von nur sieben Jahren von Leonard Bernstein in einer TV-Sendung vorgestellt wird und dank seiner Hochbegabung die musikalische Welt im Sturm erobert. Doch sein Werdegang zu einem der größten Cellisten der Gegenwart ist nur der Auftakt zum eigentlichen Thema der Musik-Dokumentation. Die klassische Karriere war für Ma gerade aufgrund seiner natürlichen Begabung nie eine Herzensangelegenheit. Also suchte er nach einem Projekt mit dem Potential, das zu werden. Zum einen sollte es nicht nur technische Herausforderungen bieten, sondern kreative Freiheit und Offenheit. Zum anderen sollte es die Welt verändern. Die Welt mit Musik zu einem besseren Ort machen, das klingt wie der Titel eines schlechten Pop-Songs. Aber Ma ist es ernst mit seinem Anliegen und er hat Mitstreiter gefunden, die dafür den strapaziösen und mitunter frustrierenden Alltag als Weltmusiker auf sich nehmen. Sie alle sind Teil des Silk Road Ensembles, das Neville auf unterhaltsame Weise porträtiert. Die bis zu 59 Komponisten, Musiker, Dirigenten und Performer sind Teil des Silk Road Projects, das Ma 1998 gründete, um musikalische Talente, Institutionen und schließlich das Publikum zusammenzubringen.

The Music of Strangers: Yo-Yo Ma and the Silk Road Ensemble Jedes der Mitglieder bringt mehr als den unverwechselbaren musikalischen Stil in die Vorführungen ein. Die kulturelle Identität und eigene Biografie fließen in die Musik. Der Einsatz traditioneller landestypischer Instrumente und die Interaktion der unterschiedlichen Temperamente der Künstler verleiht den Kompositionen eine besondere Dynamik. Das Resultat ist weniger exotisch als universell. Die Spanierin Christina Pato spielt Dudelsack, Wu Man aus China ein Saiteninstrument namens Pipa, der Exiliraner Kayhan Kalhor spielt auf der Kamancheh und Kinan Azmeh aus Damaskus auf der Klarinette. Das sympathische Quartett ist das Herz der Truppe, deren Mitglieder aus allen Ecken der Welt kommen und dorthin reisen. Sie sprechen über ihren Familienhintergrund, über ihre Motivationen und Rückschläge. Politische Umbrüche, materielle Schwierigkeiten und fremdenfeindliche Konfrontationen gehören zu den berührenden Geschichten, die den Film tragen. Musik ist die Konstante, die ihnen Trost und Sicherheit gibt, aber auch Opfer abverlangt und sie manchmal vor ungeahnte Herausforderungen stellt. Die Fremdenfeindlichkeit nach den Anschlägen des 11. Septembers ist nur eine davon. Trotz der ernsten Themen, an die der Film immer wieder rührt, ist die Stimmung optimistisch und fröhlich.

Neville umrahmt die Charakterbilder mit grandiosen Musikvorführungen: eine schlichte, doch eindringliche Metapher dafür, wie einfach der Einklang von Kulturen manchmal erzielt werden kann. Es liegen kein Kitsch und keine Sentimentalität in seinen Beobachtungen, sondern der feste Glaube, dass die Titelcharaktere ihr Ziel zumindest ein Stück weit verwirklicht haben.  

Lida Bach / Wertung: * * * * (4 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Silk Road Project

 
Filmdaten 
 
The Music of Strangers: Yo-Yo Ma and the Silk Road Ensemble (The Music of Strangers: Yo-Yo Ma and the Silk Road Ensemble) 
 
USA 2015
Regie: Morgan Neville;
Mitwirkende: Yo-Yo Ma, Wu Man, Kinan Azmeh, Kayhan Kalhor, Cristina Pato, die Mitglieder des Silk Road Ensembles u.a.;
Produzentin: Caitrin Rogers; Kamera: Graham Willoughby; Schnitt: Helen Kearns, Jason Zeldes;

Länge: 95,20 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; deutscher Kinostart: 15. September 2016



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Der Film im Katalog der Berlinale
<20.03.2016>


Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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