09.12.2009 (publiziert)
31.10.2007 (geschrieben)

Virtuos inszeniertes Heist-Movie

The Italian Job
- Jagd auf Millionen

In F. Gary Grays rasantem Action-Spektakel liefern sich Mark Wahlberg und Edward Norton einen spektakulären Kampf um einen Gold-Transport – und sorgen dabei auf den Straßen von Los Angeles für chaotische Zustände.

Sein letzter großer Coup soll es werden, danach will sich Safeknacker John Bridger (Donald Sutherland) für immer in den Ruhestand zurückziehen: Gemeinsam mit fünf hochspezialisierten Meisterdieben überfällt Bridger einen venezianischen Palazzo und macht sich mit Goldbarren im Wert von 35 Millionen Dollar aus dem Staub. Doch lange währt seine Freude nicht, denn Bandenmitglied Steve (Edward Norton) hat augenscheinlich kein Interesse, das Diebesgut mit seinen Kameraden zu teilen. Kurzerhand erschießt er Bridger und befördert die anderen in die eisigen Tiefen eines Gebirgssees. Doch die Totgeglaubten überleben – und schwören sich, Steve zur Rechenschaft zu ziehen: Gemeinsam mit dem durchgeknallten Computergenie Lyle (Seth Green), dem smarten Frauenschwarm Rob (Jason Statham) und dem explosionsbegeisterten Sprengstoffexperten Left Ear (Mos Def) ersinnt Superhirn Charlie Croker (Mark Wahlberg) einen raffinierten Plan, um sich die Millionen zurückzuholen. Doch der Truppe fehlt noch ein Tresor-Spezialist. Hilfesuchend wendet sich Croker daher an Bridgers Tochter Stella (Charlize Theron), die das Talent des Vaters geerbt hat und im Auftrag der Polizei als professionelle Safe-Technikerin arbeitet. Mit Stellas Unterstützung beginnt das Team mit den akribischen Vorbereitungen zu ihrem wohl größten Geniestreich: Während Lyle per elektronischer Attacke ein Verkehrschaos auf den Straßen von Los Angeles initiiert, liefern sich Charlie und Steve ein atemberaubendes Katz-und-Maus-Spiel – mit einem Hubschrauber, Panzerwagen und drei getunten Mini Coopern...

F. Gary Grays "The Italian Job" ist ein Remake des Films "Charlie staubt Millionen ab" aus dem Jahr 1969 (Regie: Peter Collinson). Damals schlüpfte der Brite Michael Caine in die Rolle das kriminellen Masterminds Charlie Croker. "Das Original ist ein großartiger Film", ließ der Regisseur des Remakes verlauten. "Er hat unheimlich viel Stil, und die Schauspieler liefern wahrhaft unvergessliche Vorstellungen ab. Doch unser Film ist ein modernes Update mit einer neuen Technologie und einem völlig neuen Look."

Dem lässt sich zustimmen: Grays Kassenhit aus dem Jahr 2003 ist ein virtuos inszenierter Ensemblefilm, der seine Anleihen bei klassischen Heist- und Caper-Movies wie "Rififi" (1955) oder "Topkapi" (1964) offen zur Schau stellt, sie aber gekonnt in die popkulturelle Hightech-Ära des Millenium-Zeitalters überführt. Der Film lebt von seinen rasanten Verfolgungsjagden (die zeitweilig wie überlange Werbeclips für die Auto-Marke Mini Cooper daherkommen), vor allem aber von den unterschiedlichen Typen-Figuren in Charlie Crokers Diebesteam: Während Donald Sutherland einmal mehr die von ihm jüngst perfektionierte Vater-Rolle gibt (vgl. "Unterwegs nach Cold Mountain" oder "Stolz und Vorurteil"), sorgen insbesondere die vermeintlichen Nebendarsteller durchgängig für gute Laune. In einer regelrechten Paraderolle glänzt Seth Green als völlig abgedrehter Computerfreak Lyle, der für sich beansprucht, der kreative Kopf hinter der Internet-Musiktauschbörse "Napster" gewesen zu sein. An seiner Seite liefert Action-Star Jason Statham eine wunderbare Over-the-Top-Performance als unwiderstehlicher Womanizer ab, dessen lässige Nonchalance sich mit Greens quirliger Überdrehtheit zu einer humorvollen Einheit ergänzt. Komplettiert wird die Runde schließlich durch den kindlich-naiven Enthusiasmus des Dynamit-Fetischisten Left Ear – eine Figur, die der auch auf dem Soundtrack vertretene Rapper Mos Def auf charmante Art mit Leben füllt.

Um den eigendynamischen Kern des Teams herum entfesselt Regisseur F. Gary Gray eine rasante Action-Dramaturgie, die mit schnellen Schnitten, temporeichem Score und einer Tendenz zum Close-Up deutlich seine berufliche Vergangenheit als Videofilmer zur Schau stellt. Die Darsteller agieren mit lakonischer Coolness und versuchen sich gar nicht erst in unnötiger Rollen-Subtilität. Stil zählt hier deutlich mehr als Substanz, und so ist es nur folgerichtig, dass mit Mark Wahlberg und Charlize Theron zwei ehemalige Models die Hauptrollen bestreiten. Trotz Schauspiellorbeeren für "Boogie Nights" und "Monster" waren beide wohl noch nie besser besetzt als hier, gewährt ihnen Grays Ästhetik der polierten Oberfläche doch größtmöglichstes Eigengewicht. Sein Film ist Unterhaltung in Reinkultur, kurzweilig, spritzig und ohne falsche Tiefgründigkeit – kurzum: ein Kino der Attraktionen.  

Christian Heger / Wertung: * * * * (4 von 5)



Filmdaten

The Italian Job - Jagd auf Millionen
(The Italian Job (2003))

USA 2003
Regie: F. Gary Gray; Drehbuch: Donna Powers, Wayne Powers nach dem Drehbuch von Troy Kennedy-Martin für den Film "Charlie staubt Millionen ab" ("The Italian Job") aus dem Jahr 1969; Produktion: Donald De Line; Ausführende Produktion: Tim Bevan, Jim Dyer, Eric Fellner, Wendy Japhet; Kamera: Wally Pfister; Musik: John Powell;
Darsteller: Mark Wahlberg (Charlie Croker), Charlize Theron (Stella Bridger), Donald Sutherland (John Bridger), Edward Norton (Steve), Seth Green (Lyle), Jason Statham (Handsome Rob), Mos Def (Left Ear) u.a.

Länge: 111 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; deutscher Kinostart: 13. November 2003



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"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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