07.12.2019

Eine Puppe auf Bogarts Spuren?

The Happytime Murders

Eine gute Idee geht durch eine läppische Krimihandlung und vulgäre Zoten, die nicht stimmig inszeniert sind und sich stets wiederholen, verloren. "Muppets Show"- beziehungsweise "Sesamstraße"-hafte Puppen leben mit Menschen zusammen. Nicht gerade in friedlicher Koexistenz, ein Anti-Puppen-Rassismus ist an der Tagesordnung (im Film aber nur angeschnitten). Ein Ex-Cop und Privatdetektiv namens Phil Philips (mit immer demselben Gesichtsausdruck: eine Puppe) muss sich mit seiner Ex-Kollegin, Detective Connie Edwards (mit ein wenig mehr Gesichtsausdrücken: Melissa McCarthy) zusammenraufen, um eine Mordserie aufzuklären. Phil ist immer dabei, wenn die Morde geschehen, so dass der Verdacht bald auf ihn fällt.
"Muppets Show" trifft Film Noir, denn Philips ist an die beiden berühmten Figuren angelehnt, die Humphrey Bogart in den 1940ern in "Die Spur des Falken" und "Tote schlafen fest" spielte, Sam Spade und Philip Marlowe. Die Hommage an beides ist noch das Interessanteste am unter seiner Humor- und Ideenlosigkeit leidenden Film.

Nicht von ungefähr erinnern die Filmpuppen an jene der Henson Company, denn der Regisseur von "The Happytime Murders", Brian Henson, ist der Sohn des legendären, 1990 verstorbenen Jim Henson. Dessen Company leitet der Filius mit seinen Geschwistern weiter. Brian Hensons dritte Regiearbeit (er drehte zuvor nur Muppets-Filme) zielt ironisch auf das Gegenteil dessen, was der Vater einst begründete: Im Happytime-Film sind die Puppen vulgär, sexistisch, einmal wird schwer ejakuliert. Die Plüschwesen handeln hier nicht gerade kinderfreundlich, wie es die Muppets-Figuren vormachten, sondern fluchen, handeln mit Zucker (für sie: Drogen), sind teilweise Unterweltfiguren und / oder sexbesessen. Sie alle haben zynische Sprüche drauf.

Für Phil Philips gilt dies auch, der Privatschnüffler mit blauer Haut – außen plüschweich, innen knallhart – gerät durch eine Klientin in eine Mordserie, der auch sein Bruder – außen helle Haut, weil er sich umfärben ließ, um den Menschen ähnlicher zu sein – zum Opfer fallen wird. Erinnerungen an "Falsches Spiel mit Roger Rabbit" (1988) werden durch die Krimihandlung und durch das Zusammenleben von Nichtmenschen und Menschen wach, nur dass es dort Cartoonfiguren waren, die mit Menschen koexistierten. Im Happytime-Film wird anfangs auf Rassismus hingewiesen. Die Stoffpuppen sind nicht gern gesehen, werden diskriminiert. Man denke da an die TV-Serie "Alien Nation" (1989 – 1990); da waren es Außerirdische, die sich unter Menschen zu integrieren versuchen.

Phil ist gezwungen, die Mordserie mit seiner früheren Cop-Kollegin vom Los Angeles Police Department (LAPD) aufzuklären, nicht nur, um seinen Bruder zu rächen, auch, weil er für das FBI zum Tatverdächtigen wird. Der Reihe nach werden Mitglieder der TV-Serie "The Happytime Gang" von einem schwarz gekleideten Killer dezimiert. Immer ist Phil in der Nähe. Das Kinopublikum ahnt: Es ist kein Zufall.

Und das Kinopublikum ahnt mehr, der Krimiplot ist vorhersehbar und dünn. Eventuell erkannten die Filmemacher (Drehbuch: Todd Berger) dieses Problem und setzten daher ganz auf den Hass zwischen den beiden Ex-Polizeikollegen Puppe Phil und menschlichem Detective Connie Edwards, deren Darstellerin Melissa McCarthy nicht für den für sie üblichen Humor sorgt, sondern sie im Film unterfordert.

Spaß macht am meisten Maya Rudolph als Phils Vorzimmerdame Bubbles, und Rudolph sieht man an, dass sie Spaß an der Rolle hat. Sie spielt die blass bleibende McCarthy an die Wand. Ebenfalls funktioniert das, was die Henson Company eben perfekt beherrscht: das Puppenspiel, dessen Machart im Abspann gezeigt wird. Aber beides rettet nicht den Film, der bei guter Idee eine relativ problematische Ausführung aufweist. Die Handlung ist schwach erzählt, das Vulgäre nicht neu und überladen, Kritik am Rassismus bald nicht weiterverfolgt, Sexismus noch weniger angeschnitten – der Film könnte viel aufbieten, läuft aber ins Leere.  

Michael Dlugosch / Wertung: * * (2 von 5)



Filmdaten

The Happytime Murders
(The Happytime Murders)

USA/China 2018
Regie: Brian Henson;
Darsteller: Melissa McCarthy (Detective Connie Edwards), Elizabeth Banks (Jenny), Maya Rudolph (Bubbles), Leslie David Baker (Lt. Banning), Joel McHale (Agent Campbell), Cynthy Wu (Brittenie Marlowe), Michael McDonald (Ronovan Scargle), Mitch Silpa (Tommy), Hemky Madera (Tito) u.a.;
Drehbuch: Todd Berger; Produzenten: Ben Falcone, Jeffrey Hayes, Brian Henson, Melissa McCarthy; Kamera: Mitchell Amundsen; Musik: Christopher Lennertz; Schnitt: Brian Scott Olds;

Länge: 91,50 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; Kinostart: 11. Oktober 2018



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Regisseur Federico Fellini (1920 - 1993), 100. Geburtstag am 20. Januar 2020

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