16.08.2018

The Guard
- Ein Ire sieht schwarz

Die raue Küstenlandschaft Westirlands liefert die perfekte Kulisse für die schwarze Thrillerkomödie "The Guard" und genau das richtige Setting für eine Figur wie den von Brendan Gleeson verkörperten Sergeant Gerry Boyle. So mürrisch wie die Landschaft selbst poltert Boyle durch den Film, schert sich einen Dreck um political correctness und folgt seinem kantigen Ehrenkodex. So durchsucht der Polizist Unfallopfer nach Drogen, um sie selbst einzuwerfen, verkauft Waffenfunde an die IRA und steht der Korruption im Polizeiapparat dementsprechend gelassen gegenüber.

Als dieser harte irische Brocken gemeinsam mit dem frisch aus der Stadt angereisten FBI-Agenten Everett (Don Cheadle) ein mit Kokain beladenes Schiff ausfindig machen soll, gibt sich der Dorfpolizist entsprechend unkooperativ. Anstatt Everett hilfreich zur Seite zu stehen und ihm die Kontaktaufnahme mit der ebenso kernigen Bevölkerung zu erleichtern, diskriminiert er den ungewollten Kollegen lieber wegen seiner Hautfarbe und stößt ihn mit allerlei anderen Regelverstößen vor den Kopf. Regisseur und Drehbuchautor John Michael McDonagh macht aus dieser ungleichen Konstellation eine unaufdringliche Komödie, die ihren Charme aus schwarzhumorigen Normabweichungen und punktgenauem Dialogwitz bezieht. Als tragende Säule erweist sich dabei vor allem der glänzend aufgelegte Brendan Gleeson, der einen ebenso gelungenen Auftritt wie in „Brügge sehen... und sterben?“ absolviert – ein übrigens recht ähnlich gelagerter Film, bei dem McDonaghs Bruder Martin Regie führte und der in vielen Punkten mit "The Guard" vergleichbar ist.

Inszenatorisch liefert John Michael McDonagh eine gelungene Mischung aus Komödie und Thriller, die häufig – ganz besonders beim Finale – mit Motiven des Westerngenres spielt. Dank der Hauptdarsteller und dem glücklichen Gespür für Ästhetik und Erzählweise ist dem Regisseur ein durchweg smarter Film gelungen, der mühelos über die gesamte Spielzeit unterhält. Dass "The Guard" Anfang des Jahres 2011 als Publikumsliebling auf dem Independent-Filmfestival in Sundance und der Berlinale reüssierte, verwundert daher wenig.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * * (4 von 5)



Filmdaten

The Guard - Ein Ire sieht schwarz
(The Guard)

Irland 2011
Regie & Drehbuch: John Michael McDonagh;
Darsteller: Brendan Gleeson (Gerry Boyle), Don Cheadle (Wendell Everett), Liam Cunningham (Francis Sheehy-Skeffington), David Wilmot (Liam O'Leary), Mark Strong (Clive Cornell), Fionnula Flanagan (Eileen Boyle), Rory Keenan (Aidan McBride), Sarah Greene (Sinead Mulligan), Dominique McElligott (Aoife O'Carroll), Katarina Cas (Gabriela McBride), David Pearse (Bartley), Pat Shortt (Colum Hennessey), Conor Moloney (Detective), Gary Lydon (Gerry Stanton) u.a.;
Produzenten: Chris Clark, Flora Fernandez-Marengo, Ed Guiney, Andrew Lowe; Kamera: Larry Smith; Musik: Calexico; Schnitt: Chris Gill;

Länge: 96,04 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; deutscher Kinostart: 22. September 2011



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"Ich finde es sehr gut, dass es viele Leute gibt, die sich dafür einsetzen, dass wir alle fair bezahlt werden. In Hollywood bewegen wir uns allerdings in einer Kunstform, die vom Kommerz bestimmt wird. Deshalb nenne ich es auch 'Show-off-Business'. Filmemachen ist ein brutales Geschäft."

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