23.05. 2006

Beleidigung der Vernunft

The Da Vinci Code - Sakrileg

Szenenbild Diese Kritik, so viel vorweg, ist ohne Kenntnis des Bestsellers "The Da Vinci Code" von Dan Brown geschrieben worden, auf dem Ron Howards gleichnamige Verfilmung basiert. Wen die alte und jedesmal erneut zu verneinende Frage interessiert, ob die Verfilmung dem Buch gerecht geworden sei, der wird an dieser Stelle keine Antwort erhalten. Die braucht er aber auch nicht, weil "The Da Vinci Code" ein allenfalls mäßiger Thriller ist, der gleich in mehrfacher Hinsicht einer Beleidigung der Vernunft gleichkommt.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Im Louvre wird dessen Museumsdirektor in einer mehr als ungewöhnlichen Position tot aufgefunden. Um das offensichtliche Rätsel zu lösen, holt man den „Symbolforscher“ Langdon (Tom Hanks) herbei. Schnell stellt ihn der ermittelnde Kommissar Fache (Jean Reno) unter Mordverdacht. Mit der mysteriösen Kommissarin Neveu (Audrey Tautou) gelingt es ihm zu fliehen, um dem Geheimnis des Mordes, nichts geringerem als dem Heiligen Gral, auf die Spur zu kommen. Dieweil das abenteuerliche Duo mithilfe des exzentrischen Sir Teabing (Ian McKellen) munter 2000 Jahre westlicher Kunst- und Religionsgeschichte umschreibt, setzen ein mordender Mönch, konspirierende Kardinäle und andere Bösewichte alles daran, die skandalöse Wahrheit zu verhindern..

An "The Da Vinci Code" missfällt nicht so sehr die absurde Geschichte, die einige religiöse Gemüter zum Kochen bringen mag. Die Verschwörungstheorien fließen an einigen Stellen geradezu über vor Irrsinn, so dass es schwer fällt den Film selbst noch im Kinosaal ernst zu nehmen. Es ist allerdings die Präsentation, die verhindert, dass aus dem Romanstoff wenigstens ein ordentlicher Genrefilm geworden wäre. Ganze 149 Minuten läuft "The Da Vinci Code", von denen zu viele etwaigen Rückblenden gewidmet sind. Sie sollen wohl den Lesern des Buches (489 Seiten allein in der englischen Ausgabe) so viel Vertrautes wie nur eben möglich in den Film hinüberretten. So sind neben kurzen wie für die Handlung irrelevanten Sequenzen zu dem Hintergrund von Nebenfiguren auch schmucke CGI-Szenen zu sehen, die etwa die Belagerung des mittelalterlichen Jerusalems oder das antike Konzil von Nicäa ausmalen.

Darüber könnte man noch hinwegsehen wie über das penetrante Product-Placement einiger europäischer Automarken. Der Spaß endet allerdings bei den visuellen Effekten, mit denen Howard den Zuschauer offenbar für dumm verkaufen will. Langdon kann dank eines nahezu photographischen Gedächtnisses blitzschnell Anagramme lösen. Um dem gemeinen Kinozuschauer klar zu machen, warum Tom Hanks so lange einige Buchstaben anstarrt, leuchten die entsprechenden Kombinationen, an die er gerade denkt, wie anno dazumal beim „Glücksrad“ auf. Ebenso werden Leonardo Da Vincis Gemälde auf Powerpoint-Niveau zerlegt, damit auch der Letzte im Kinosaal kapiert, dass etwa beim Letzten Abendmahl Jesus – der Mann in der Mitte! – und Johannes bzw. „Maria Magdalena“ zu seiner Rechten ein V bilden.

Bei derlei CGI-Szenen fragt man sich, warum Ron Howard überhaupt noch mit Schauspielern arbeitet. Gehörte es nicht einmal zur Schauspielkunst, dass mit Dialog und Gestik auch abstraktere Zusammenhänge als Laufen, Springen, Schießen vermittelt wurden? Sicherlich liefert die versammelte Schauspielerriege mit Ausnahme eines herrlich ironischen Ian McKellen nicht mehr als Standardkost. In einem allenfalls mittelmäßigen Film so unter Wert gehandelt werden, das haben jedoch weder seine Darsteller noch seine Zuschauer verdient.
 

Thomas Hajduk / Wertung: * * (2 von 5)

Quelle der Fotos: Sony Pictures


Filmdaten

The Da Vinci Code - Sakrileg

Originaltitel: The Da Vinci Code (USA 2006) 
Regie: Ron Howard
Darsteller: Tom Hanks (Robert Langdon), Audrey Tautou (Sophie Neveu), Ian McKellen (Sir Leigh Teabing), Jean Reno (Capitaine Fache), Paul Bettany (Silas), Alfred Molina (Bischof Aringarosa), Jürgen Prochnow (André Vernet)
Drehbuch: Akiva Goldsman; Romanvorlage: Dan Brown, Länge: 152 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; deutscher (und weltweiter) Kinostart: 18. 05. 2006; Verleih: Sony Pictures



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"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

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US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

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