25.07.2017

The Book of Eli

Das Jahr 2044: Die Kamera streift im nebelverhangenen Halbdunkel über einen Waldboden. Eine Pistole, eine danach ausgestreckte Hand und schließlich der dazugehörige Leichnam. Schon in dieser Bildfolge zu Beginn von "The Book of Eli" etablieren die Regie-Brüder Albert und Allen Hughes ("From Hell") die allgegenwärtige Präsenz von Gewalt in ihrer Dystopie. Schließlich ist nichts anderes als die Apokalypse über die Welt hereingebrochen und der Mensch des Menschen Wolf geworden.

Inmitten dieser Szenerie, die mit den allseits bekannten Bildern aus den "Mad Max"-Filmen oder der Videospiel-Serie "Fallout" arbeitet, treffen wir auf Denzel Washington, der den Protagonisten Eli spielt. Er wandert nach Westen, schon eine ganze Weile – mehr wissen wir zunächst nicht. In einem provisorischen (Western-)Kaff, das Carnegie (Gary Oldman) und seine brutalen Schergen regieren, macht Eli Rast. Bald erfahren wir, dass Carnegie auf der Suche nach dem Buch ist und ihm zur Beschaffung desselben jedes Mittel recht ist – zugleich wissen wir, dass Eli in seinem Rucksack ein wertvolles Buch mit sich führt. Recht bald ist klar, dass es sich bei dem gesuchten und behüteten Buch um die Bibel handelt, die letzte auf Erden, denn nachdem die Heilige Schrift einen Beitrag zum Ausbruch eines Nuklearkrieges geleistet hat, wurden alle Exemplare vernichtet. Eli will die Bibel an einen Ort bringen, von dem aus sie christlich wirken kann, Carnegie will sich mit den biblischen Worten als eigennütziger Messias über die Menschen erheben: Und schon haben wir ihn, den Kampf Gut gegen Böse.

Erzählt wird "The Book of Eli" mit Endzeit-Bildern, deren Ästhetik über weite Strecken überzeugt sowie einer gehörigen Portion Action, die teilweise wie aus einem Comic entlehnt scheint, wenn Eli zum Beispiel in einer Scherenschnitt-artigen Szene gleich mehrere Widersacher mit einem Schwert zerteilt. All das bietet reichlich Schauwerte und Atmosphäre auf angenehm handgemachte Art und Weise. Weniger gelungen sind die zahlreichen symbolischen Verweise auf die Bibel und den christlichen Glauben, die vor allem am Ende ins Überdeutliche und Plakative rutschen. Die vielen anderen popkulturellen Verweise, etwa auf Johnny Cash oder "A Boy and his Dog", wissen eher zu gefallen, bleiben aber Beiwerk. Mit "The Book of Eli" gelingt den Hughes-Brüdern nach langjähriger Abwesenheit von der Kinoleinwand ein passabler Endzeit-Western, der Charakterzeichnung und Action, Story und Schauwerte gut austariert, mit seiner überschwänglich didaktischen Botschaft aber nicht restlos überzeugt.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * (3 von 5)



Filmdaten

The Book of Eli
(The Book of Eli)

USA 2010
Regie: The Hughes Brothers (Albert und Allen Hughes);
Darsteller: Denzel Washington (Eli), Gary Oldman (Carnegie), Mila Kunis (Solara), Ray Stevenson (Redridge), Jennifer Beals (Claudia), Evan Jones (Martz), Joe Pingue (Hoyt), Frances De La Tour (Martha), Michael Gambon (George), Tom Waits u.a.;
Drehbuch: Gary Whitta; Produzenten: Broderick Johnson, Andrew A. Kosove, Joel Silver, David Valdes, Denzel Washington; Kamera: Don Burgess; Musik: Atticus Ross, Leopold Ross, Claudia Sarne; Schnitt: Cindy Mollo;

Länge: 118 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; deutscher Kinostart: 18. Februar 2010



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Zitat

"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

"Ich schaue die Welt mit Kinderaugen an." (über die Bewahrung seiner Kindlichkeit)

US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

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