08.11.2011
Erwachsenwerden mit Hindernissen

Submarine


Submarine: Craig Roberts, Yasmin Paige Wie schwer hat man es doch mit 15 Jahren! So eng beieinander liegen Glück und Depression, der Wunsch nach Anerkennung und Isolation, die Sehnsucht nach der ersten Liebe, nach seelischer Geborgenheit in der Familie und dann der Liebeskummer. Wo der Weg hinführen soll, das will auch Oliver Tate herausfinden. Im walisischen Naturidyll sieht er dennoch nur Dunkles, da retten ihn seine geschliffenen Weisheitssprüche auch nicht heraus.

Anfangs ist der Film voller Tempo, voll von metaphorischen Bildern, urkomischen Fantasien und schnellen Sprüchen. Der junge Oliver träumt von der nationalen Anerkennung seiner Person nach seinem fiktiven Tod und der darauffolgenden "Auferstehung". Er hat die Erkenntnis, dass die Antriebsfeder der Menschen nur die Tatsache ist, dass sie sich für einmalig halten.

Die traumhafte walisische Meerlandschaft ist eingehüllt in dunkle, blaue und graue Farben – weil Oliver die Schönheit der Natur nicht wahrnehmen kann. So subjektiv bleiben Film (harte Schnitte, hörbares Atmen) und Kamera (Wackelbild) durchgehend. Aus dem düsteren Farbgemenge drängt sich jedoch ein beharrlicher roter Fleck auf: der Mantel von Jordana! Rot bleibt ihre Farbe im ganzen Film – denn es kommen Feuerwerk und Streichholzfeuer hinzu, wie auch rote Rosen. Jordana ist sein Idol, sein Eroberungsziel, für das er sogar sein soziales Feingefühl opfert. Oliver beteiligt sich am Mobbing einer Kollegin, um sich Pluspunkte bei Jordana zu verschaffen. Das ist nicht der einzige unfeine Zug an Oliver: Auch als es auf seinen Beistand ankommt, um Jordana während der lebensbedrohlichen Krankheit ihrer Mutter zu unterstützen, zieht er sich feige zurück.

So sehr er sich davor noch für seine Angebetete verbogen hat (minutiös geplantes Dinner vor dem ersten erotischen Erlebnis, Liebesbriefe, Küsse im Knien auf ihr Geheiß), so sehr fürchtet er sich vor Jordanas sensibler Seite. Besonders schön ist filmisch der erste Kuss von Oliver und Jordana herausgearbeitet – in perfekter Stille und umkreisender Kamera. Und auch die Szenen des Liebesglücks der beiden Jugendlichen.

Submarine: Noah Taylor, Sally Hawkins Bei den Eltern findet Oliver nicht unbedingt ein Vorbild in Liebes- und Beziehungsdingen. Die monotone, in Gewohnheiten eingeschliffene Ehe steht vor der Katastrophe, als ein kitschiger Guru der neuen Art ins Nachbarhaus einzieht, der sich als ehemalige erste Liebe der Mutter herausstellt. Oliver kämpft mit großer Macht gegen den Eindringling und versucht die Mutter (treffend gespielt von Sally Hawkins) wieder an den seit seiner eigenen Pubertät depressiven Vater heranzubringen. Es entstehen komische und beschämende Szenen, vor deren entwaffnender Offenheit weder Schauspieler noch Regisseur zurückschrecken.

Die zweite Hälfte des Films wird etwas langatmiger und getragener. Gerettet wird sie von einer gelungenen Metaphernsprache des Wassers, des schwimmenden Bettes, des äußerlich in die Rolle des Vaters geschlüpften depressiven Oliver. Metaphorisch ist wohl auch der Titel, der auf die Ultraschallwellen anknüpft, mit denen die Tätigkeit in U-Booten erspürt werden. Oliver wünscht sich diese Möglichkeit auch zum Erkennen des Innenlebens der Menschen, die ihm viel bedeuten.

Man kann sich diesen Film ansehen, kann dabei lächeln, das Talent von Craig Roberts als Oliver anerkennen, einige Erkenntnisse mitnehmen ("Der Ozean ist sechs Meilen tief"). Und die komischen Szenen genießen. Aber ein Film, den man sich für alle Ewigkeiten merkt, ist es eher nicht.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Kool Filmdistribution

 
Filmdaten 
 
Submarine (Originaltitel) 
 
GB / USA 2010
Regie: Richard Ayoade;
Darsteller: Craig Roberts (Oliver Tate), Yasmin Paige (Jordana Bevan), Sally Hawkins (Jill Tate), Noah Taylor (Lloyd Tate), Paddy Considine (Graham Purvis), Darren Evans (Chips) u.a.;
Drehbuch: Richard Ayoade, nach dem Roman "Ich - Oliver Tate" von Joe Dunthorne; Produzenten: Mary Burke, Mark Herbert, Andy Stebbing; Kamera: Erik Wilson; Musik: Andrew Hewitt;

Länge: 96,45 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih von Kool Filmdistribution GbR; deutscher Kinostart: 17. November 2011



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Zitat

"Du bist kein Star, solange sie Deinen Namen in Wladiwostok nicht richtig schreiben können."

("You're not a star till they can spell your name in Vladivostok.")

Schauspieler Roger Moore (14.10.1927 - 23.05.2017)

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