16.10.2018

Space Dogs

"Space Dogs" ist der erste 3D-Animationsfilm aus Russland und daher schon auf rein technischer Ebene ein Prestigeprojekt des russischen Nationalkinos. Ganz passend erzählt die Geschichte eine Episode aus den frühen Erfolgen der sowjetischen Raumfahrt, als diese den amerikanischen Bemühungen zur Eroberung des Weltalls deutlich überlegen war. So schickten die Russen mit ihrer Raumkapsel Sputnik 5 im August 1960 zwei Hunde, ein Meerschweinchen und vierzig Ratten ins All, die einen Tag später als erste Lebewesen sicher zur Erde zurückkehrten. Diesen Erfolg der frühen Raumfahrt adaptiert "Space Dogs" in einer recht freien, kindgerechten Weise als Abenteuerfilm.

Als ein Stunt mit einer Rakete schiefläuft, legt die Zirkus-Hündin Belka in den Untiefen der russischen Hauptstadt eine Bruchlandung hin und lernt die Straßenhündin Strelka und die Ratte Lyonya kennen. So schnell wie möglich will die Zirkus-Diva an ihren Arbeitsplatz zurück, doch ein Hundefänger macht ihr einen Strich durch die Rechnung und verschleppt die Tiere in ein Ausbildungslager für Kosmonauten, in dem ein Schäferhund-Ausbilder ein straffes Regiment führt. Im Camp trifft bald auch die Kampfhund-Gang ein, die den Freunden schon auf der Straße zugesetzt hat. So müssen Belka, Strelka und Lyonya ihre Differenzen überwinden, um die Ausbildung erfolgreich zu absolvieren – vor allem Strelka liegt das Projekt am Herzen, denn im Weltall vermutet sie ihren Vater.

Wie beim Großteil der gegenwärtigen 3D-Produktionen (auch aus Hollywood), vermag die dritte Dimension in "Space Dogs" kaum zu überzeugen, sondern äußert sich allenfalls in Nuancen und beim Finale, das einen kurzen Ausflug ins All unternimmt – das Tragen der Brille erweist sich einmal mehr als reichlich überflüssig. Auch die CGI-Animationen bleiben hinter den hohen Standards zurück, die Studios wie Pixar und Dreamworks gesetzt haben, entwickeln aber auch keinen eigenständigen Charme oder visuellen Mehrwert, der großartig der Rede wert ist. Was bleibt, sind die Story und die Figuren. Doch auch hier setzen die Regisseure Inna Evlannikova und Svyatoslav Ushakov und der Drehbuchautor Aleksandr Talal ("Wächter des Tages") keine wirklichen Akzente, sondern liefern eine arg durchschnittliche Abenteuergeschichte mit einfach gestrickten Figuren, die wie noch die meisten Kinderfilme eine Hymne an die Freundschaft und den Zusammenhalt in schwierigen Zeiten darstellt: Richtig überzeugend fällt am ersten russischen 3D-Animationsfilm letztlich also nichts aus.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * (2 von 5)



Filmdaten

Space Dogs
(Belka i Strelka. Zvezdnye sobaki)

Russland 2010
Regie: Inna Evlannikova, Svyatoslav Ushakov;
Drehbuch: Alexander Talal, Sergey Zernov; Produzent: Sergey Zernov; Musik: Ivan Uryupin; Schnitt: Kirill Agafonov, Igor Chypin, Vincent Devo, Svetlana Putko;

Länge: 88,07 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; deutscher Kinostart: 10. November 2011



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"Ich finde es sehr gut, dass es viele Leute gibt, die sich dafür einsetzen, dass wir alle fair bezahlt werden. In Hollywood bewegen wir uns allerdings in einer Kunstform, die vom Kommerz bestimmt wird. Deshalb nenne ich es auch 'Show-off-Business'. Filmemachen ist ein brutales Geschäft."

Schauspielerin Jamie Lee Curtis über #MeToo und Hollywood

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