08.02.2020

Konzeptloses verästeltes Drama

So ist das Leben
- Life Itself

Ein Kinotalent nach dem anderen erscheint in diesem Film des "This Is Us"-Showrunners Dan Fogelman, und jedes einzelne gibt sein Bestes. Aber die über drei Generationen und zwei Länder hinweg verzweigte Geschichte, die auf ein notwendiges Ende führt, das alle Handlungsstränge zu einem Ganzen zusammenführt, kann trotz optischer Überzeugungsmomente die Zuschauerin oder den Zuschauer emotional nicht mitnehmen.

Durch die filmischen Spielereien des Vorgaukelns einer Szene, die sich schnell als konstruiert darstellt, will der Regisseur das Thema "Kunst" und "Leben" philosophisch infrage stellen. Aber neu ist diese Idee beileibe nicht, das hat Woody Allen mehrmals und etwas spannender bereits filmisch umgesetzt. In "So ist das Leben - Life Itself" schafft diese Täuschung leider eine Distanz zu den Figuren, weil man sich dann den ganzen Film fragen muss, was echte Handlung ist und was sich bald darauf als unecht darstellen wird. Auch brutale Handlungswendungen wie Busunfälle, Selbstmord, Kindheitstraumata, Krebs werden dadurch beliebig und durch die ungenügende Aufmerksamkeit, die sie erhalten, irrelevant.

Der brutale Filmanfang stellt sich als Einbildung des schwer traumatisierten Drehbuchautors, Will Dempsey, vermutlich Alter Ego des Regisseurs, heraus. Dempseys Frau Abby schrieb ihre Literaturabschlussarbeit zum Thema "Der Unzuverlässige Erzähler" mit der These, dass das Leben selbst ("Life Itself", so auch der Filmtitel) ebenfalls ein unzuverlässiger Erzähler ist, weil es nicht allwissend ist und einen immer wieder auf gute und schlechte Weise überrascht. Wie es sich letztendlich herausstellt, wird die einfache ungebildete Frau eines Olivenpflückers in Spanien diese These mit ihrem Gedanken der allgegenwärtigen Liebe im Angesicht der Schicksalswidrigkeiten wieder versöhnen. Von dieser universellen Botschaft des Films, dass das Leben einen in die Knie zwingt, aber man aufstehen soll, weil man überall Liebe findet, ist man auch nicht unbedingt überrascht – auch wenn dies letztendlich der einzig gut dargestellte vereinende Moment des Films war. Auch die Naturaufnahmen und die Inneneinrichtung der spanischen Finca tragen vom Bild her zur Emotionalisierung dieses Moments bei.

Beziehungen, dramatische Familienschicksale und wie sich Lebensphilosophien gegenseitig ungewollt tragisch beeinflussen werden in fünf Kapiteln erzählt. Antonio Banderas, Oscar Isaac, Annette Bening, Samuel L. Jackson, Olivia Wilde sind nur einige der Leinwandgrößen, die mehr oder minder sporadisch auftreten und ihr Können in diesem Fall leider ohne Erfolg unter Beweis stellen. Einmal jedoch erweist sich das Konstrukt der Spannung zwischen "echt" und "unecht" als auf das Leben anwendbar, als sich Will Dempsey fragt, ob seine Perspektive auf die Ehe und seine Erinnerungen real waren, da sie von seiner Ehefrau vielleicht nicht nur anders, sondern gar möglicherweise diametral entgegengesetzt interpretiert wurden.

Die verschiedenen mehr oder minder zuverlässigen Erzähler im Film stellen sich ebenfalls als überflüssig heraus. Vermutlich ist das Drehbuch eine vielversprechendere Lektüre als es der Film letztendlich hergibt.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * * (2 von 5)



Filmdaten

So ist das Leben - Life Itself
(Life Itself)

USA/Spanien 2018
Regie & Drehbuch: Dan Fogelman;
Darsteller: Oscar Isaac (Will), Olivia Wilde (Abby), Annette Bening (Dr. Cait Morris), Mandy Patinkin (Irwin Dempsey), Jean Smart (Linda), Olivia Cooke (Dylan), Sergio Peris-Mencheta (Javier González), Antonio Banderas (Mr. Saccione), Laia Costa (Isabel Díaz), Àlex Monner (Rodrigo González Díaz), Isabel Durant (Shari Dickstein), Lorenza Izzo (Elena Dempsey-González), Samuel L. Jackson (Samuel L. Jackson), Jake Robinson (Henry / Hero) u.a.;
Produzenten: Marty Bowen, Dan Fogelman, Wyck Godfrey, Aaron Ryder, Núria Valls; Kamera: Brett Pawlak; Musik: Federico Jusid; Schnitt: Julie Monroe;

Länge: 113,09 Minuten (DVD / Blu-ray); FSK: ab 12 Jahren; deutscher Kinostart: keiner; DVD-/Blu-ray-Start am 13. Februar 2020; Anbieter: SquareOne Entertainment GmbH



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"Nach den sieben Jahren, in denen ich Fassbinder sehr nahe war, habe ich noch einmal sieben Jahre gebraucht, um mich abzunabeln."

Schauspielerin Irm Hermann (4. Oktober 1942 - 26. Mai 2020) über ihre Zusammenarbeit mit Regisseur Rainer Werner Fassbinder (1945 - 1982). Kurz vor Fassbinders 75. Geburtstag am 31. Mai 2020 starb Hermann

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