31.07.2018
Menschenverachtendes Machismo-Manifest

Sicario 2


Sicario 2: Benicio Del Toro, Josh Brolin Islamistische Terroristen schmuggeln sich in Stefano Sollimas aalglatter Inszenierung mit Hilfe mexikanischer Schlepper über die texanische Grenze, um mit einem "Allahu akbar!" blonde US-Mamis mit ihren blonden Töchtern beim Süßigkeiten-Shopping in die Luft zu jagen. Afrikanische Piraten, skrupellose Helfershelfer des IS, wiegen sich gegenüber der US-Autorität in Sicherheit: "Ihr seid Amerikaner, ihr habt zu viele Gesetze." Menschenrechte, Verfassung, der letzte Funken Ethik – alles Knüppel, die ein "Feigling von Verteidigungsminister" (James Riley, gespielt von Matthew Modine) den knallharten Kämpfern an der final frontier zum Drogenkriminalitätsmenschenschmuggelislamismusterror in den Weg geworfen hat.

Zum Glück treiben der bedrohliche Soundtrack, düstere Kamerafahrten und brodelndes Testosteron Einzelkämpfer Alejandro (Benicio Del Toro) und dessen Partner Agent Graver (Josh Brolin) dazu, den Bösen eben diese Knüppel um die Ohren zu hauen. Mord, Korruption, Verschleppung und Folter sind da legitime Routinemittel. Immerhin dient es dem Schutz Unschuldiger. Die existieren nur auf der Stars-and-Stripes-Seite des Anti-Kartell-Schutzwalls, über den die Mexiko-Mafia ihre lukrativste Ware einschleust: Mexikaner. Sie jobben schon im Teeniealter als Nachwuchs-Sicario (Elijah Rodriguez) und nutzen ihren US-Pass als Freibrief für IS-Kämpfer-Einschleusung und Polizisten-Exekutionen.

Sicario 2: Benicio Del Toro Doch ein Ami überlebt dutzendfach so viele Maschinengewehrsalven wie die Einheimischen, von denen jeder ein potenzieller Killer ist. Das menschenverachtende Machismo-Manifest wechselt zur Zombie-Film-Ästhetik, als Alejandro blutüberströmt seine Mission ausfüllt: an der Grenze ein hilfloses Mädchen (Isabela Moner) zum Wohle aller von dessen – selbstredend hochkrimineller – Familie zu trennen. Damit die Opferfigur nicht geopfert wird, überholt die kugeldurchlöcherte Ein-Mann-Ami-Armee einen Kleinlaster zu Fuß, schmeißt Handgranaten und schaltet eine bewaffnete Horde Hombres aus. Und Zeichensprache beherrscht er sowieso. Die USA sind gerettet – bis zu "Sicario 3".

Klingt nach hirnrissiger, hasstriefender Trump-Propaganda? Ist es auch. Doch die mit 45 Millionen Dollar aufgepumpte Gewalt-Glorifizierung tarnt sich als Sequel zu Denis Villeneuves Thriller, dessen manipulative Xenophobie und Doppelmoral hier in faschistoider Paranoia explodieren.  

Lida Bach / Wertung:  0 von 5 Punkten 
 

Quelle der Fotos: Studiocanal GmbH / Richard Foreman, Jr.

 
Filmdaten 
 
Sicario 2 (Sicario: Day of the Soldado) 
 
USA/Italien 2018
Regie: Stefano Sollima;
Darsteller: Benicio Del Toro (Alejandro), Josh Brolin (Matt Graver), Isabela Moner (Isabel Reyes), Jeffrey Donovan (Steve Forsing), Catherine Keener (Cynthia Foards), Manuel Garcia-Rulfo (Gallo), Matthew Modine (James Riley), Shea Whigham (Andy Wheeldon), Elijah Rodriguez (Miguel Hernandez), Howard Ferguson Jr. (Troy), David Castañeda (Hector), Jacqueline Torres (Blandina), Raoul Max Trujillo (Rafael) u.a.;
Drehbuch: Taylor Sheridan; Produzenten: Basil Iwanyk, Thad Luckinbill, Trent Luckinbill, Edward L. McDonnell, Molly Smith; Kamera: Dariusz Wolski; Musik: Hildur Guðnadóttir; Schnitt: Matthew Newman;

Länge: 122,49 Minuten; FSK: ab 18 Jahren; ein Film im Verleih der Studiocanal GmbH; deutscher Kinostart: 19. Juli 2018



Artikel empfehlen bei:  Mr. Wong Delicious Facebook  Webnews Linkarena  Hilfe

© filmrezension.de

home
  |  suche   |  wap  |  e-mail
 über uns  |  impressum  


 
 
 
 
 
Offizielle Seite zum Film
<31.07.2018>


Zitat

"Er etablierte eine Form der Filmkritik, wie es sie vorher und nachher nicht mehr gab. Merker bestand darauf, bei der Auswahl der Filme und der Ausschnitte freie Hand zu haben - was heutzutage, im Zeitalter der immer gleichen Clips, undenkbar ist. Jahrelang gaben sogar die großen Verleihe nach, weshalb Hollywood bei ihm eine ebenso große Rolle spielte wie unabhängig gedrehte, schützenswerte Werke. Helmut Merker mochte nicht einzelne Filme, sondern er liebte das Kino."

Aus dem Nachruf von Milan Pavlovic in der Süddeutschen Zeitung zum Tode des früheren WDR-Filmredakteurs, Filmpublizisten und
-kritikers Helmut Merker (18.08.1942 - 03.09.2018)

Drucken

Artikel empfehlen
Mr. Wong Delicious Facebook Webnews Linkarena 
Hilfe