27.06.2008
Feminismus im Irrealis

Sex And The City


Sex And The City Man traut der Harmonie des Bildes nicht. Schon als Carrie mit ihrem Traummann das Traumappartement betritt, es am liebsten im Hüpfschritt durchstreifen möchte und voll von kindlichem Charme Mr. Big als ihren "Boyfriend" vorstellt: Ein "Boyfriend" passt eben nicht mehr ganz. Eine Heirat muss her, denn neben dem Kleiderlabel sollte auch das soziale Label stimmen. Schließlich sind die Markenschuhe ein Muss – warum nicht dann auch eine Markenpartnerschaft?

Die Sexkolumnistin Carrie Bradshaw der berühmten Serie "Sex And The City" ist mitten im Hochzeitsrausch. Doch die Anzeichen stehen für sie schlecht. Die Schmuckauktion einer Sitzengelassenen gibt Carrie erste Warnsignale. Das beiläufige Klogetratsche entpuppt sich als delphische Orakelhölle. Sich verlieben und was dann? Kommt der Rausschmiss nach zehn Jahren? Lässt sich Tag für Tag mit seiner besseren Hälfte turteln, wie Charlotte es mit ihrem Ehemann pflegt? "The guy who finally got carried away" wird zunehmend von der Ausgelassenheit der Braut aus der Bahn geworfen. Den Trubel empfindet zumindest die Heldin als gerechtfertigt. Schließlich tritt der ewige Single von New York vor den Traualtar. Nur mit den Gefühlen des Bräutigams, der schon das dritte Mal vor dem Traualtar steht, rechnet keiner. Er spielt lediglich den Begleiter, der brav aus dem Auto steigen soll, es aber nicht tut.

Sex And The City: PlakatDie Filmversion der weltweit erfolgreichen Serie hält nicht ganz, was ihr Titel verspricht. Es geht nicht nur um den Horizontalsport und glamouröse Veranstaltungen der Metropole. Nach 10 Jahren und 6 Staffeln voll von Romanzen und geplatzten Hoffnungen einer New Yorker Kolumnistin versucht man den tieferen Sinn der Serie zu finden. Für Candace Bushnell, Schöpferin von "Sex And The City", sind ihre Heldinnen Feministinnen. "Feminismus heißt, Verantwortung für sich übernehmen, sich nicht auf Männer verlassen. Man kann Feministin sein und trotzdem Sehnsucht nach Liebe haben. Das ist doch ganz menschlich und überhaupt kein Widerspruch." Die unabhängigen 30-Jährigen finden sich allerdings nicht in der tatsächlichen Zielgruppe der Serie.

Einer Online-Umfrage zufolge, bei der 5000 Fans ihre Kreuze setzten, gab mehr als die Hälfte der Befragten an, zwischen 14 und 24 Jahre alt zu sein. Die über 30-Jährigen machen nur knapp 11% aus. Zukunftsvisionen für die heranwachsende Frau? Nur 6% der Umfrageteilnehmerinnen gaben an, ein ähnlich turbulentes Privatleben wie die New Yorkerinnen zu haben, wohingegen 20% ihre wilden Jahre hinter sich gelassen haben. Nichts ist, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Ähnlich gestaltet es sich mit den Heldinnen: "Sarah Jessica Parker macht sich nichts aus Mode, Kim Cattrall steht nicht auf One-Night-Stands, Cynthia Nixon braucht keine Liebe für guten Sex, und Kristin Davis ist überzeugter Single", schreibt der Spiegel nach einem Interview mit den Damen.

Also handelt es sich doch um ein Märchen für ewig jung gebliebene, die ihrem zu vernünftigen Alltag entfliehen wollen? Als Carrie Bradshaw sich von der geplatzten Hochzeit erholt, sind alle Versuche, sie in die Welt der 30-Jährigen Bodenständigkeit zu befördern dahin. "It wasn’t logic, it was love", sagt sie mit einem Hundeblick und rückt ihre Schuhe im neuen Schrank zurecht. Zwar heiratet Carrie im Endeffekt ohne Label und ohne überdimensionale Feier, doch die "Sex And The City"-Routine bleibt – mit einem Unterschied. Vier Damen in den Clubs in New York, die verstohlen sehnsüchtige Blicke auf ihre jüngeren Pendants werfen. Feminismus im Irrealis.  

Margarethe Padysz / Wertung: * * (2 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Warner Bros.

 
Filmdaten 
 
Sex And The City (Sex And The City: The Movie) 
 
USA 2008
Regie: Michael Patrick King;
Darsteller: Sarah Jessica Parker (Carrie Bradshaw), Kim Cattrall (Samantha Jones), Kristin Davis (Charlotte York), Cynthia Nixon (Miranda Hobbes), Chris Noth (Mr. Big), Candice Bergen (Enid Frick), Jennifer Hudson (Louise), David Eigenberg (Steve Brady) u.a.; Drehbuch: Michael Patrick King nach dem Buch von Candace Bushnell; Produktion: Eric M. Cyphers, Michael Patrick King, John P. Melfi, Sarah Jessica Parker, Darren Star; Kamera: John Thomas; Musik: Aaron Zigman; Länge: 145 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih von Warner Bros.; deutscher Kinostart: 29. Mai 2008



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<27.06.2008>


Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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