26.11.2013

Senna


Sportlerbiographie. Der Begriff wird einer Person wie Ayrton Senna eigentlich nicht gerecht. Derlei Werke sind in jüngerer Vergangenheit vor allem durch Skandalsportler in Verruf geraten. Was aber gibt es über ein Leben zu erzählen, dessen größte Tragik der frühe Tod des betreffenden Sportlers ist? So einiges, wie das Werk von Asif Kapadia beweist. Es erzählt die Geschichte eines Mannes, der sein Leben vollkommen seiner Passion gewidmet hatte und dabei der Perfektion so nahe gekommen ist, wie kaum jemand vor oder nach ihm.

Wie jede gute Geschichte beginnt auch diese am Anfang. Mit Sennas ersten Erfahrungen im Go-Kart, seiner Familie und seiner Heimat. Sehr schnell aber ist das Ausnahmetalent in der Formel 1 angekommen und schon bald kämpft er mit den großen seiner Zeit um Siege und Titel. Darunter sind Namen wie Alain Prost, Niki Lauda oder Nigel Mansell. Wenn man von einer Besetzung reden möchte, so ist dies ein who-is-who der legendärsten Fahrer der 1980er und frühen 1990er Jahre. Lange Zeit gibt es aber nur einen Gegner: Alain Prost. Der Kampf der beiden gegeneinander ist sowohl auf als auch neben der Strecke ein echter Sportkrimi. Das Tragische daran ist, dass der Ausgang des Films bereits bekannt ist. Eine der größten Tragödien, die der Motorsport je erlebt hat.

Dabei ist der Anspruch des Films, auch neutralen Zuschauern den Mythos Senna näher zu bringen. Akteure und Szenen werden stets in Kontext gesetzt und mit Originalkommentaren gewertet, was hin und wieder zu einer starken Glorifizierung Sennas führt. Es fällt einfach schwer zu glauben, dass dieser Mann so wenige Schwächen und so viele geniale Eigenschaften gehabt haben soll. Mit dem gottesfürchtigen, bescheidenen Brasilianer ist eine nahezu klassische Heldenfigur geschaffen worden, zu der wir alle nur bewundernd aufschauen können. Aber selbst wenn "Senna" nur Facetten eines Mannes zeigt - selbst wenn er nur die besten Züge und positivsten Eigenschaften eines Einzelnen herausstellt, so ist die inspirierende Wirkung dennoch unbestreitbar. Ehrgeiz, Mut und der immerwährende Drang nach Perfektion sind in jeder Szene sicht-, ja quasi spürbar. Die dadurch entstehende Identifikation mit Senna macht die Trauer und die Fassungslosigkeit, die nach Sennas Tot herrschte, beinahe wieder greifbar.

Die Verbindung zum Geschehen wird durch den Stil des Films noch verstärkt. Alle Aufnahmen sind historisch. Auf Bilder der nachträglich eingespielten Kommentatoren wurde vollständig verzichtet. Durch diesen Kunstgriff zieht der Film den Zuschauer sehr schnell völlig in das Geschehen und lässt ihn bis zum Schluss nicht mehr los. Die letzten Sekunden Sennas aus der On-Board-Perspektive dürften jeden Zuschauer bewegen, bei Motorsportfans nahezu körperliche Schmerzen auslösen. Die Genialität von "Senna" liegt in der famosen Komposition von Bildern, Kommentaren und dezent eingesetzter Musik. Auch wenn das Material sicher selektiv ausgewählt wurde, ist es einer der bewegendsten Dokumentarfilme der letzten Jahre. Ein würdiger Tribut an einen Fahrer, den selbst Michael Schumacher und Lewis Hamilton als ewige Nummer 1 bezeichnen.  

Hendrik Neumann / Wertung: * * * * * (5 von 5) 
 

 

 
Filmdaten 
 
Senna (Senna) 
 
GB / Frankreich 2010
Regie: Asif Kapadia;
Mitwirkende (v.a. in Archivaufnahmen): Ayrton Senna, Alain Prost, Frank Williams, Ron Dennis, Viviane Senna, Milton da Silva, Neide Senna u.a.;
Drehbuch: Manish Pandey; Produzenten: Tim Bevan, Eric Fellner, James Gay-Rees; Kamera: Jake Polonsky; Musik: Antonio Pinto; Schnitt: Chris King, Gregers Sall;

Länge: 104 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; ein Film im Verleih der Universal Pictures International Germany GmbH; deutscher Kinostart: 12. Mai 2011



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<26.11.2013>


Zitat

"Feigheit macht jede Staatsform zur Diktatur."

Regisseur Wolfgang Staudte

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