19.02.2017

Saw VI

"Saw", die Sechste! In der Folge ellenlanger Horrorreihen wie denen um Michael Meyers, Jason Voorhees oder Freddy Krüger legt auch das "Saw"-Franchise um den Jigsaw-Killer jedes Jahr aufs Neue einen nach. Ebenfalls ganz im Sinn der 80er-Jahre-Horrorserien ist dabei der stetige qualitative Verfall der Reihe, die mit "Saw" gerade einmal fünf Jahre vor "Saw VI" noch vergleichsweise raffiniert gestartet war. Schon ab dem zweiten Teil lieferten die Sequels nur noch die "Torture Porn"-Essenz des Originals: brutale Folterszenen – immer spektakulärer, zunehmend plump.

Im sechsten Ableger wird nun der Versuch unternommen, die Erfolgs-Reihe zurück in die Gefilde des Storytelling zu führen. Dank des schwachen Drehbuchs und der abgeschmackten Inszenierung des Editors Kevin Greutert ist das allerdings gehörig schief gelaufen. Ständige unbeholfene Rückblenden, auch das ein Markenzeichen der "Saw"-Filme, füttern den Zuschauer notdürftig mit Informationen über die Vorgeschichte der Ereignisse. Auf diese Weise soll der Protagonist, ein Krankenkassen-Manager namens William (Peter Outerbridge), dem Zuschauer als Identifikationsfläche angeboten werden. Das funktioniert leider nicht im Geringsten, da die Informationen nur notdürftig kommuniziert werden. Mehr als Fakten denn als Geschichte präsentiert, lassen sie den Betrachter gänzlich unberührt. Auf dieselbe Weise geht auch die eindimensionale Kapitalismus-Kritik flöten.

Auch der Hauptplot generiert kaum Spannung. William bahnt sich auf einem verlassenen Zoogelände den Weg von einer Prüfung zur nächsten, wobei er immer wieder als Richter über Leben und Tod fungieren muss. Wer soll sterben: Die verheiratete Hausfrau oder der junge Student? Da die Fallen und Foltermaschinen naturgemäß immer abstruser werden, kommt der Zuschauer auch an diese vermeintlichen Höhepunkte des Streifens kaum heran. Die hektische Montage gibt dem Ganzen dann den Rest.

Die "Saw"-Filme allein wegen ihrer expliziten Gewaltdarstellung zu verdammen, greift zu kurz. Das Problem ist der Kontext, in dem diese Gewalt stattfindet: in gar keinem. Die mittelmäßige Inszenierung und der plumpe Torso einer Geschichte liefern lediglich den Anlass für die Folterszenen, die im sechsten Teil übrigens weniger brutal ausfallen als in den Vorgängern. Unterm Strich ist die ganze Vorstellung einfach nur langweilig, und zwar in jeglicher Hinsicht, ohne Abstriche.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * (1 von 5)



Filmdaten

Saw VI
(Saw VI)

Kanada/USA/GB/Australien 2009
Regie: Kevin Greutert;
Darsteller: Tobin Bell (Jigsaw/John), Costas Mandylor (Hoffman), Mark Rolston (Erickson), Betsy Russell (Jill), Shawnee Smith (Amanda), Peter Outerbridge (William), Athena Karkanis (Agent Perez), Samantha Lemole (Pamela Jenkins), Tanedra Howard (Simone) u.a.;
Drehbuch: Patrick Melton, Marcus Dunstan; Produzenten: Mark Burg, Gregg Hoffman, Oren Koules; Kamera: David A. Armstrong; Musik: Charlie Clouser; Schnitt: Andrew Coutts;

Länge: 90 Minuten; FSK: ab 18 Jahren; Kinostart: 3. Dezember 2009



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