Januar 2001

Ballett trifft Hip-Hop

Save The Last Dance

Save The Last Dance Zwei Menschen, zwei Kulturen - zwei Welten, doch die Liebe zum Tanz verbindet. Auch über Vorurteile und Diskriminierungen hinweg. Handelsübliches bis naiv-kitschiges Teenager-Drama von Thomas Carter um eine weiße Balletteuse und einen schwarzen Hip-Hopper.

Eine kleine Stadt in Illinois. Sarah (Julia Stiles), die bei ihrer Mutter lebt, liebt das Ballett und träumt von einer Aufnahme in die Ballett-Akademie Juilliard. Als ihre Mutter bei einem Autounfall, für den sie sich schuldig fühlt, stirbt, muss sie zu ihrem Vater ziehen, einem Jazz-Musiker, der in Chicago wohnt und arbeitet. Sarah kann sich, nach anfänglichen Schwierigkeiten, in der von Schwarzen dominierten Schule behaupten und findet sogar Zugang zu einer einflussreichen Clique, deren Herz im Hip-Hop-Rhythmus schlägt. Ihr Anführer Derek (Sean Patrick Thomas), der ungekrönte König des Stepps Club, führt sie in die ihr fremde Welt ein. Aus der gemeinsamen Liebe zum Tanzen wird Liebe zueinander, doch sie müssen sich erst über Vorurteile und Anfeindungen ihres Umfelds hinwegsetzen. Dann kommt der große Tag: Sarah erhält eine zweite Chance für Juilliard, obwohl sie sich geschworen hatte, nie mehr Ballett zu tanzen...

Save The Last Dance Wem die Geschichte nicht gänzlich unbekannt erscheint, dem geistern sicherlich Tanz-Filme wie "Saturday Night Fever" (1977), "Grease" (1978) oder "Dirty Dancing" (1987) im Kopf herum. Die geringe Halbwertzeit eines Tanz-Stils erfordert nun also einen Weiteren: Taufrisch ist Hip-Hop ja nicht mehr, aber genügend Identifikanten werden sich schon noch finden. Und Ballett? Was sollte ein verwöhntes, verzogenes weißes Mittelstandsmädchen sonst tun? Für die nötige "künstlerische" Brisanz wäre damit also gesorgt, den gewollt-kritisch kulturellen Zündstoff garantiert die Formel: Weiß liebt Schwarz, Schwarz liebt Weiß. Ein Schelm, wer böse dabei wird - nein, es wäre ungerecht, den Machern von "Save The Last Dance" die Auswahl eines quotenträchtigen Stoffs vorzuwerfen, schließlich sollten Filme für das Publikum und nicht gegen es gedreht werden, aber muss es dann gleich so platschig, so vorhersehbar und doch unglaubwürdig sein? Trotz der zahlreichen Schicksale und Motive - Rassismus, Bandenkriminalität, Gewalt, Drogen, zerrüttete Familien - fühlt sich der Zuschauer nahezu unterfordert, da nie ein Charakter das ihm zugedachte Clichée durchbricht.

Save The Last Dance Allzu schnell lebt sich Sarah dann auch in ihre neue Umgebung ein, obwohl gerade dieser Wandel von psychologischem Interesse gewesen wäre: Ein paar flotte Sprüche, ein cooles (falsch: "slammin") Outfit, das richtige Gehen, Sitzen, Tanzen - fertig. Kein Wunder, dass Julia Stiles, die noch vor Jahresfrist als Ophelia überzeugte, sich, alleingelassen von Drehbuch und Regie, zum Teil darauf beschränken muss, die verschiedenen Grade ihrer Verfassung nur durch variierende Mundwinkel anzudeuten. Immerhin gefallen ihre von Choreograph Randy Duncan beeindruckend gestalteten Tanzeinlagen. Dass das Verschmelzen der Kulturen durch eine Mischung der beiden Tanz-Arten verdeutlicht wird, ist eine dramaturgische Konzession, obwohl die Frage erlaubt sein darf, ob hiermit die Aufnahme an eine renommierte Musikhochschule geschafft werden kann. Für die reinen Hip-Hop-Sequenzen zeichnete Fatima verantwortlich, die schon mit Michael Jackson, Will Smith, Whitney Houston und den Backstreet Boys zusammengearbeitet hat. Mangelnde Professionalität kann hier also nicht der Vorwurf sein. Doch leider wirkt der Film wie ein Zusammenschnitt von Video-Sequenzen - der Einfluss der Ko-Produktionsfirma MTV-Films ist überdeutlich spürbar -, die von belanglosen, emotional überfrachteten Bildern zusammengehalten werden.  

Stefan Strucken / Wertung: * (1 von 5)

Quelle der Fotos: Paramount


Filmdaten

Save The Last Dance
(Save The Last Dance)

USA 2000
Regie: Thomas Carter
Drehbuch: Duane Adler, Cheryl Edwards;
Darsteller: Julia Stiles (Sarah), Sean Patrick Thomas (Derek), Kerry Washington (Chenille), Fredro Starr (Malakai), Terry Kinney (Roy), Bianca Lawson (Nikki), Vince Green (Snookie), Garland Whitt (Kenny) et al.;
Kamera: Robbie Greenberg; Schnitt: Peter E. Berger; Musik: Mark Isham; Choreographie: Fatima, Randy Duncan; Produzenten: Robert W. Cort, David Madden

Länge: 112 Minuten; ein Film im Verleih von United International Pictures / Paramount; deutscher Kinostart: 22.03.2001



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"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

"Ich schaue die Welt mit Kinderaugen an." (über die Bewahrung seiner Kindlichkeit)

US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

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