19.02.2017

Satte Farben vor Schwarz

"Satte Farben vor Schwarz" ist ein im besten Sinne unspektakulärer Film. Sophie Heldman verzichtet in ihrem Kinodebüt auf jegliche Spielereien und verlässt sich ganz auf subtiles filmisches Erzählen sowie ihre beiden Hauptdarsteller Bruno Ganz und Senta Berger, die ein Liebespaar im gehobenen Alter spielen. Während nicht wenige Erstlingswerke daran scheitern, dass sie sich kaum von den an der Filmhochschule erlernten Normierungen emanzipieren, legt Heldman ein selbstsicher inszeniertes Kammerspiel vor, bei dem die zurückgenommene Inszenierung stets den Befindlichkeiten der Figuren nachspürt.

Das Thema von "Satte Farben vor Schwarz" ist das Leben im Alter. Es geht um Freiräume, die gegen Widerstände geschaffen werden müssen, um gealterte, reife Liebe, Selbstbestimmtheit und würdevolles Sterben. Als dramaturgisches Zentrum des Zweipersonenstücks fungiert die seit fast fünfzig Jahren währende Liebesbeziehung zwischen Anita und Fred, verkörpert von Senta Berger und Bruno Ganz. In Kameraeinstellungen, die sich genügend Zeit nehmen, und mit präzisen, klar strukturierten Bildern vermittelt Heldman ein Gefühl für ihre Figuren und deren Probleme. Fred, der seit kurzem weiß, dass er an Prostatakrebs erkrankt ist, mietet heimlich eine Zweitwohnung, die er als Rückzugsort nutzen will; eine medizinische Behandlung seines Leidens schließt er aus, da er seine letzten Tage nicht in fahlen Krankenhäusern verbringen möchte. Beides – die Zweitwohnung und der Verzicht auf ärztliche Behandlung – irritiert Anita. Verletzt und wütend zieht sie sich zurück, während Fred sich vom Leben verabschiedet.

Wie Anita und Fred sich voneinander entfernen und wieder zueinander finden, erzählt "Satte Farben vor Schwarz" sehr unaufgeregt und mit reichlich Reflexionsräumen für die Zuschauer. Sophie Heldman erklärt nicht alles und folgt keiner von den äußeren Umständen diktierten Dramaturgie. Vielmehr entwickelt sich alles schlüssig aus den Figuren heraus, die Bruno Ganz und Senta Berger glänzend verkörpern. Ganz fraglos ist "Satte Farben vor Schwarz" ein erstaunlich selbstbewusstes und gelungenes Kinodebüt, das die üblichen Schwächen vieler Erstlingswerke umgeht, und ein Kleinod im Alterswerk seiner beiden Hauptdarsteller.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * * (4 von 5)



Filmdaten

Satte Farben vor Schwarz


Deutschland/Schweiz 2010
Regie: Sophie Heldman;
Darsteller: Senta Berger (Anita), Bruno Ganz (Fred), Barnaby Metschurat (Patrick), Carina N. Wiese (Karoline), Leonie Benesch (Yvonne), Sylvana Krappatsch (Frau Kramer), Thomas Limpinsel (Mathis) u.a.;
Drehbuch: Sophie Heldman, Felix zu Knyphausen; Produzenten: Andrea Hanke (WDR), Anke Krause (WDR), Titus Kreyenberg, Lilian Räber (SF DRS), Georg Steinert; Kamera: Christine A. Maier; Musik: Balz Bachmann; Schnitt: Isabel Meier;

Länge: 85 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; Kinostart: 13. Januar 2011



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