05.02.2013
Lustiger Animationsfilm für Kinder

Ritter Rost
- Eisenhart und voll verbeult


Ritter Rost Er ist zwar ein Ritter, aber etwas rostig – also kein Ritter im klassischen Sinne. Es fehlen ihm die hehren Eigenschaften der tugendhaften Männlichkeit, aber auch menschlich wichtige wie Loyalität und Hingabe. Erst als ihn sein Burgfräulein verlässt, und er sich durch Schwierigkeiten hindurchkämpfen muss, erkennt Rost die wichtigsten Dinge in seinem Ritterleben. Mittelalter und quietschig-rostige Robotertechnik in einem Land, wo fast alles aus Metall ist, treffen in diesem amüsanten und unterhaltsamen Animationsfilm aufeinander.

Der verarmte und bei seinen Untertanen – laufende Tassen, Teller, Werkzeuge – verschuldete Ritter Rost lebt auf der Eisernen Burg in einem Land namens Schrottland. Er kriegt nichts so richtig hin, aber hält sich für den Tapfersten, Stärksten und Klügsten. Wenn diese Eigenschaften überhaupt auf der Eisernen Burg vorhanden sind, dann in Gestalt des bescheidenen Burgfräuleins Bö – diese hält die fragilen Fäden des sich kurz vor dem Zusammenbruch befindenden Haushalts zusammen.

Und damit tritt schon das erste Paradox in der Geschichte ein: Der Ritter ist zu Beginn fast unsympathisch, weil das Selbstlob zu offensichtlich, die Vernachlässigung der Freunde und der Eigennutz zu groß ist. Rost verhökert Bös heiß geliebte weil von der Oma geerbte Nähmaschine – was zum Eklat und dem Auszug des Burgfräuleins führt. Dieser Riss ist wichtig, um Ritter Rost in eine Selbstfindung zu führen, in der er den Wert echter Freundschaft und Liebe erkennen und dafür kämpfen lernt.

Ritter Rost Basierend auf den Originalwerken "Ritter Rost" von Jörg Hilbert und Felix Janosa, wurde dieser Animationsfilm unter der Regie von Thomas Bodenstein, Produktionsleiter und Regisseur einiger "Mondbär"-Folgen, Produktionsleiter bei "Briefe von Felix", vom ZDF mitproduziert. Auch wenn es inzwischen amerikanische selbstbewusste Mädchen-Charaktere mit starken – sagen wir "männlichen" Eigenschaften wie handwerkliche oder sportliche Begabung gibt – man denke an Rapunzel (neu verföhnt) oder Tinkerbell – so weisen sie doch im Vergleich zu Bö große Unterschiede auf. Bö ist keine auf Mädchen getrimmte Frau mit langen Haaren und übergroßen Riesenaugen, sondern einfach ein Mädchen. Ein Mädchen, das weiß, wann Schluss ist mit dem Ertragen, das seinen eigenwilligen Kleidungsstil hat, das Freunde gut behandelt und für sie eintritt. Das macht sie zwar wenig feminin – und dadurch wird das heiße Umwerben von Prinz Protz wenig nachvollziehbar – aber eben europäischer.

Der Film erfreut sich der Beliebtheit bei Kindern wegen der roboterähnlichen Figuren und der ausgefeilten Technik – z. B. Kühe als Toaster, Sonne und Wolken aus Metallblech, Pferde mit herausnehmbaren Motoren. Die Gegenstände des Alltags können laufen und Geräusche machen – z. B. der runde Wecker, der Bö hinterherrennt oder die gelangweilten weil arbeitslosen Werkzeuge, die Bö bei der Selbstbefreiung aus Prinz Protz' Burg einsetzt. Natürlich nicht zu vergessen ist die riesengroße voll automatische Kleiderherstellmaschine, die Bö von Protz geschenkt bekommt. Warum aber in einer so technisierten Gesellschaft eine mittelalterliche Struktur bestehen kann, ist auch ein Paradox.

Schön gesungene und genau den Punkt treffende Musik wird mal nachdenklich-traurig, mal aufmunternd dargeboten. Als Rosts Pferd einen Turbomotor eingebaut bekommt, lautet die rockige Begleitung: ohne dass die Ohren wackeln, ohne dass die Knochen knackeln,
ohne dass die Schulter schlottert, ohne dass die Zunge stottert.
Das muss ein Ritter können...

Kreativ und liebenswert in Szene gesetzt, in 2D oder 3D, ist dieser Film, auch wenn nicht monumental, und auch wenn nicht von großen menschlichen oder emotionalen Erkenntnissen begleitet, so doch lustig und empfehlenswert. Den Abspann mit einzeln abgebildeten Alltagsobjekten sollte man sich nicht entgehen lassen, bevor man gut gelaunt den Kinosaal verlässt.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * * (2 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Universum Film

 
Filmdaten 
 
Ritter Rost - Eisenhart und voll verbeult  
 
Land 2012
Regie: Thomas Bodenstein; Koregie: Hubert Weiland, Nina Wels;
Sprecher: Rick Kavanian (Ritter Rost), Christoph Maria Herbst (Prinz Protz), Carolin Kebekus (Burgfräulein Bö), Tom Gerhardt (Feuerzangenbruder Brenner), Detlev Redinger (Feuerzangenbruder Brutus), Dustin Semmelrogge (Drache Koks) u.a.;
Drehbuch: Gabriele M. Walther, Mark Slater basierend auf den Originalwerken "Ritter Rost" von Jörg Hilbert und Felix Janosa; Produktion: Caligari Film GmbH; Produzentin: Gabriele M. Walther; Producer: Marcus Hamann, Alexander Isadi, Marius Mohnssen; Musik: Andreas Grimm;

Länge: 84,09 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih von Universum Film; deutscher Kinostart: 10. Januar 2013



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Zitat

"Du bist kein Star, solange sie Deinen Namen in Wladiwostok nicht richtig schreiben können."

("You're not a star till they can spell your name in Vladivostok.")

Schauspieler Roger Moore (14.10.1927 - 23.05.2017)

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