12.11.2012
Jagd auf rote Okkupierer

Red Dawn


Red Dawn: Josh Peck, Josh Hutcherson, Chris Hemsworth "Dein Leben ist jetzt 'Call of Duty'. Und es ist beschissen", verkündet einer der Jungkrieger in "Red Dawn" als ein Mitkämpfer anmerkt, er vermisse Kampfspiele. Einem solchen ähnelt Dan Bradleys nationalistisches Remake von John Milius' "Red Dawn" auf den ersten Blick. Auf den zweiten erreicht die ultra-chauvinistische Actionmär, dass man sich nach der verhältnismäßigen Intellektualität von "Counter-Strike" und "Battlefield" zurücksehnt. In "Red Dawn" sind aufrechte Amerikaner wie Jed Eckert (Chris Hemsworth) Soldaten, ihre jüngeren Brüder wie Matt Eckert (Josh Peck) Footballspieler und ihre Väter (Brett Cullen) Polizisten. Ihre Pflicht ist Recht und Ordnung zu erhalten und dort wiederherzustellen, wo sie verloren gegangen sind: wie im titelgebenden Heimatort nach einem Invasionsangriff Nordkoreas.

Was die Eingangsmontage mit aus dem Kontext gerissenen Stakkato-Sätzen skizziert, fantasierte 1984 ganz ähnlich das Original "Die rote Flut". Dessen Feindbilder aus der Ära des kalten Krieges wärmt das gesinnungstreue Remake wieder auf. Die Nato ist hilflos gegenüber Schurken-Staaten, die EU droht auseinanderzubrechen, die USA sind auf sich gestellt. Was das für den einzelnen bedeutet, erleben die jungen Protagonisten, als nordkoreanische Fallschirmspringer in ihr Vorstadtidyll einfallen. Ein Football-Spiel der Ortsmannschaft "Wolverines" am Vorabend wirkt da wie eine Probe für den Ernstfall, zumal der militante Widerstand unter Jeds Führung eingedenk der ur-amerikanischen Sporttradition den Namen des Football-Teams adaptiert. Jeds Kampfpraxis als Irak-Veteran ist für den kompromisslosen Vorkämpfer nun ein Segen. Kriegserlebnisse pervertiert die Handlungslogik zum veritablen Trainingseinsatz für die Heimatfront. Dort bringt der Überraschungsangriff zuerst symbolisch Spielzeug-Soldaten und Plastik-US-Flagge auf einer Anrichte ins Wanken, bevor das Wirtschaftssystem kollabiert. Die Feinde kommen vom Himmel, sprechen eine fremde Sprache und nehmen die Anwohner gefangen, doch es sind keine kleinen grünen Männchen, sondern gelbe: Die Kommunisten kommen!

Red Dawn: Isabel Lucas, Chris Hemsworth "Nordkorea? Das macht keinen Sinn." Stimmt, doch solche Einwände fegt das ideologische Sprachrohr Jed beiseite: "Hier läuft ein größerer Film ab." Der heißt "Red Dawn" und darin erklärt der fiese Captain Lo (Will Yun Lee) mit russischer Rückendeckung den US-Kapitalismus für Geschichte. Ein Bündnis von "Yellow Peril" und "Red Menace" – der imperialistische Alptraum! "Ich will, dass ihr in den Krieg zieht und dieses Stück Scheiße aufhaltet oder bei dem Versuch draufgeht", motiviert folglich Detective Eckert seine Söhne, bevor er den Heldentod stirbt. Als habe er das alles kommen sehen, errichtet Jed im Wald ein Boot Camp, wo er Matt, dessen Freundin Erica (Isabel Lucas) und die entkommene Ortsjugend zu Rekruten ausbildet, die mit geklauten Waffen Asiaten erschießen. "Bad Ass!", nennen das Brüderchen Matt und Drehbuchautor Carl Ellsworth, der kommentiert: "Wir finden die Welt ist gewissermaßen schon voll von einer Menge Paranoia und Unbehagen. Warum also den Leuten nicht wieder eine Höllenangst machen?"

Tumbe Panikmache ist auch das Ziel der Anfangsmontage aus Nachrichtenschnipseln. "Es ist eine der ernsthaftesten Bedrohungen, denen die USA je gegenüberstand", warnt darin Barack Obama. Dabei scheint er längst einer von "denen" mit seinen demokratischen Ideen. Der einzige, der Jeds diktatorische Autorität anzweifelt, entpuppt sich jedenfalls als Kollaborateur, wie der Vater des einzigen Schwarzen in der Gruppe. Der bleibt aus Sicherheitsgründen zurück und das Kriegsspiel der weißen Mittelschichtkinder geht ohne ihn weiter. "Wir müssen es zu schwer, zu kompliziert, zu blutig machen, als dass sie bleiben", verkündet Jed zu Anfang. Genau das gelingt im schlechtesten Sinne auf inszenatorischer Ebene dem Debüt-Regisseur, dessen Kombination von Rassismus, Hurrapatriotismus und Kriegstreiberei selbst den anspruchslosesten Zuschauer aus dem Kinosaal vertreibt. Doch Zuschauergewinnung war, wenn man Bradley glaubt, nie das Ziel, "Ich will euch das nicht verkaufen", heißt es in "Red Dawn" gleich doppelt: "Dazu ist es zu hässlich." Zumindest letztes stimmt.  

Lida Bach / Wertung:  0 von 5 
 

Quelle der Fotos: Concorde Filmverleih

 
Filmdaten 
 
Red Dawn (Red Dawn (2012)) 
 
USA 2012
Regie: Dan Bradley;
Darsteller: Chris Hemsworth (Jed Eckert), Adrianne Palicki (Toni), Josh Hutcherson (Robert), Josh Peck (Matt Eckert), Isabel Lucas (Erica), Jeffrey Dean Morgan (Col. Andy Tanner), Connor Cruise (Daryl Jenkins), Edwin Hodge (Danny), Alyssa Diaz (Julie), Brett Cullen (Tom Eckert), Michael Beach (Mayor Jenkins), Will Yun Lee (Captain Lo), Matt Gerald (Hodges), Kenneth Choi (Smith) u.a.;
Drehbuch: Carl Ellsworth, Jeremy Passmore nach dem Drehbuch zum Film "Die rote Flut" (1984) von John MIlius und Kevin Reynolds; Produzenten: Beau Flynn, Vincent Newman, Tripp Vinson; Ausführender Produzent: Kevin Halloran; Kamera: Mitchell Amundsen; Musik: Ramin Djawadi;

Länge: 93,50 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; ein Film im Verleih der Concorde Filmverleih GmbH; deutscher Kinostart: 27. Dezember 2012



Artikel empfehlen bei:  Mr. Wong Delicious Facebook  Webnews Linkarena  Hilfe

© filmrezension.de

home
  |  suche   |  wap  |  e-mail
 über uns  |  impressum  


 
 
 
 
 
Offizielle Seite zum Film
<12.11.2012>


Zitat

"Feigheit macht jede Staatsform zur Diktatur."

Regisseur Wolfgang Staudte

Drucken

Artikel empfehlen
Mr. Wong Delicious Facebook Webnews Linkarena 
Hilfe