08.11.2018

RBG
- Ein Leben für die Gerechtigkeit


RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit: Ruth Bader Ginsburg Titel und Bildsprache von Julie Cohens und Betsy Wests glühender Hommage vertrauen zu sehr auf den ikonischen Status der Protagonistin in ihrem Heimatland, dessen Justiz entscheidend von Ruth Bader Ginsburgs liberalem Denken und entschlossenem Wirken profitierte. Faszinierender als die untypische Medienpräsenz und Prominenz der zum Zeitpunkt des Drehs 84-jährigen Richterin ist ihr Weg an die Spitze des amerikanischen Rechtssystems in den Supreme Court. Dorthin gelangte die in einfache Verhältnisse in Brooklyn geborene Vorkämpferin für Gleichberechtigung und Bürgerrechte im Jahr 1993 erst als zweite Frau.

Die Vorreiterrolle der ersten Supreme Court Richterin Sandra Day O'Connor bleibt unergründet, genauso wie Ginsburgs beschwerliche Karriereanfänge. In einer Ära, die Frauen per Gesetz eine dem Ehemann untergeordnete häusliche Rolle zuwies, strebte sie als verheiratete Mutter eine juristische Laufbahn an. Der Erfolg dieses in den 1950er-Jahren unerhörten Entschlusses erscheint auf dem umfangreichen Archivmaterial schlicht Verdienst unermüdlicher Arbeit. Doch selbst zahlreiche Interviews mit Wegbegleitern erklären nicht, wie die brillante Universitätsabsolventin die gesellschaftlich gestützte Intoleranz überwand. Dem Anschein nach vorrangig dank der treuen Unterstützung ihres Gatten.

RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit: Ruth Bader Ginsburg (zweite von rechts) im Supreme Court Die 56-jährige Ehe der unerschrockenen Verteidigerin und Erstreiterin von Grundrechten, die keineswegs gefestigt sind, ist Kernthema eines unvollständigen Porträts. Es blendet mit ideologischen Widersprüchen wie ihrer Freundschaft zum reaktionären Kollegen Antonin Scalia eine Reihe ihrer spannenden und aufschlussreichen Wesensfacetten aus. Paradoxerweise gehorcht die dramaturgische Fokussierung auf Familiäres einem etablierten sexistischen Narrativ, welches Männer über ihr Schaffen, Frauen hingegen über Liebesbeziehungen definiert. Ginsburgs inspirierender Gerechtigkeitssinn verblasst in einer ernüchternd konventionellen Inszenierung, der nicht nur die Konsequenz der Titelfigur fehlt, sondern vor allem deren beispielhafte Progressivität.  

Lida Bach / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Koch Films

 
Filmdaten 
 
RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit (RBG) 
 
USA 2018
Regie & Produzentinnen: Julie Cohen, Betsy West;
Mitwirkende: Ruth Bader Ginsburg, Bill Clinton, Sharron Frontiero, Nina Totenberg, Jane Ginsburg, James Steven Ginsburg, Clara Spera, Gloria Steinem u.a.;
Kamera: Claudia Raschke; Musik: Miriam Cutler; Schnitt: Carla Gutierrez;

Länge: 98,13 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih von Koch Films; deutscher Kinostart: 13. Dezember 2018



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<08.11.2018>


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"Ich finde es sehr gut, dass es viele Leute gibt, die sich dafür einsetzen, dass wir alle fair bezahlt werden. In Hollywood bewegen wir uns allerdings in einer Kunstform, die vom Kommerz bestimmt wird. Deshalb nenne ich es auch 'Show-off-Business'. Filmemachen ist ein brutales Geschäft."

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