15.12.2000
Angst vor der Dunkelheit

Pitch Black
- Planet der Finsternis


Horrorfilme entpuppten sich in den letzten Jahren zumeist als alberne Teenie-Filmchen, die über diese Tatsache hinwegtäuschen wollten, indem sie tief in die Zitatenkiste griffen, und das dann mit Selbstreflexion verwechselten. Oder aber sie erschienen als religiös-esoterisch aufgeblähte Nullnummern mit Videoclip-Ästhetik. Da tut ein Film wie "Pitch Black" richtig gut...

Pitch Black - Planet der Finsternis Ein Passagier-Raumschiff stürzt auf einem scheinbar unbewohnten Planeten ab. Unter den Überlebenden befinden sich die Pilotin Fry, der Polizist Johns, dessen Gefangener, ein geflohener Massenmörder namens Riddick, sowie eine Gruppe von Moslems auf der Suche nach dem "Neuen Mekka". Schnell entdecken die Überlebenden, dass der Planet, auf dem sie sich befinden, drei Sonnen besitzt, die ewiges Licht versprechen. Das ist auch gut so, denn unter der Erdoberfläche hausen offensichtlich nachtaktive Raubtiere, die großen Appetit auf Menschenfleisch haben, vom Licht jedoch zurückgehalten werden.

In der Sicherheit, die das Licht verspricht, machen sich die Überlebenden daran Vorkehrungen für die Weiterreise zu treffen, bis sie feststellen müssen, dass eine Sonnenfinsternis bevorsteht. Und wenn das Licht geht, kommen die Raubtiere...

Horrorfilme entpuppten sich in den letzten Jahren zumeist als alberne Teenie-Filmchen, die über diese Tatsache hinwegtäuschen wollten, indem sie tief in die Zitatenkiste griffen, und das dann mit Selbstreflexion verwechselten ("Scream" 1-3, "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast", "Düstere Legenden" etc.). Oder aber sie erschienen als religiös-esoterisch aufgeblähte Nullnummern mit Videoclip-Ästhetik ("Stigmata", "The Astronaut's Wife", "Im Auftrag des Teufels"). Da tut ein Film wie "Pitch Black" richtig gut. Ohne großen Genre-Reflexions-Firlefanz, ohne düstere Weltuntergangsoffenbarung, gelingt es Regisseur David Twohy (u.a. Drehbuch zu "Auf der Flucht"), seine Zuschauer 110 Minuten lang zu fesseln. Sein Konzept ist dabei denkbar einfach: Die Angst vor der Dunkelheit, diese Urangst des Menschen, ist die Triebfeder für seinen Film.

Dass "Alien" überdeutlich Pate stand, lässt sich nicht leugnen. Wer jedoch einen reinen Abklatsch erwartet, wird positiv überrascht. Denn die technische Umsetzung von Twohys Konzept muss als kleine Meisterleistung angesehen werden. So ist die erste Hälfte des Films, in der die Überlebenden den Planeten erkunden, in gleißendes Licht getaucht, die Farben wirken ausgebleicht, während die zweite Hälfte in der titelgebenden Dunkelheit spielt. Der technischen Abteilung gelingen dabei wunderbare, atmosphärische Aufnahmen, wenn die Überlebenden mit kleinen Lampen ausgerüstet durch ganze Horden von Ungeheuern ziehen müssen, die nur durch das Licht in trügerisch sicherem Abstand gehalten werden. Die Monster sind dabei über weite Strecken des Films nur schemenhaft wahrnehmbar, was der Atmosphäre des Films sehr zugute kommt.

Pitch Black - Planet der Finsternis Die oben erwähnte sprichwörtliche Schwarzweißmalerei dominiert zunächst auch auf der Ebene der Figuren. Twohy bedient sehr geschickt die Erwartungen der Zuschauer, nur um im weiteren Verlauf des Films mit den Konventionen zu brechen. Am deutlichsten für diese These mag wohl die Figur des Riddick sprechen, der sich vom gefährlichen Massenmörder zum eigentlichen Helden des Films mausert. Gespielt wird er von Vin Diesel, der zuletzt vor allem als Synchronsprecher für den Animationsfilm "Der Gigant aus dem All" gute Kritiken einheimsen konnte. Seine Stimme sollte man wirklich im Original genießen. Aber auch die anderen Darsteller, allen voran Radha Mitchell ("High Art") und Cole Hauser ("Confusion") wissen ihre Rollen mit Leben zu füllen. Das alles hat zwar nicht den Anspruch darauf, ein Charakterdrama zu sein, dennoch muss man die Charakterzeichnung für einen solchen Film als gelungen bezeichnen.

"Pitch Black - Planet der Finsternis" ist ein sorgfältig inszenierter Film, der Freunden von Science Fiction oder Horror sicher jede Menge Freude bereiten wird. Daran kann auch das etwas unspektakuläre Ende des Films nichts ändern. Wer Filme wie Ridley Scotts "Alien" oder James Camerons "Aliens" zu seinen Favoriten zählt und sich eine Mischung dieser beiden Klassiker vorstellen kann, sollte sich "Pitch Black" also auf gar keinen Fall entgehen lassen. Wer mit Monsterfilmen gar nichts anfangen kann, sollte "Pitch Black" als verspätete Konfrontationstherapie betrachten, denn Angst vor der Dunkelheit hatten wir schließlich alle einmal...

Daran erinnerten sich wohl auch die amerikanischen Zuschauer, die "Pitch Black" zum Überraschungserfolg machten, so dass schon vor dem offiziellen Deutschlandstart von einem Sequel die Rede war.
Eine Frage bleibt noch zum Abschluss: Was hat den deutschen Verleih wohl dazu bewogen, dem Film den nicht nur klischeehaften, sondern schlicht falschen Untertitel "Planet der Finsternis" zu verleihen?  

Oliver Nöding / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

Quelle der Fotos: United International Pictures

 
Filmdaten 
 
Pitch Black - Planet der Finsternis (Pitch Black) 
 
USA 1999
Regie: David Twohy;
Drehbuch: Jim & Ken Wheat und David Twohy nach einer Geschichte von Jim & Ken Wheat; Produzent: Tom Engelman; Kamera: David Eggby; Musik: Graeme Revell;
Darsteller: Vin Diesel (Riddick), Radha Mitchell (Fry), Cole Hauser (Johns), David Keith (Imam) u.a.

Länge: 112 Minuten; FSK: ab 16 Jahren.



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Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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