07.02.2014
Wenn man teilt wird alles besser

Pettersson und Findus
- Kleiner Quälgeist, große Freundschaft


Pettersson und Findus - Kleiner Quälgeist, große Freundschaft "Teilt man eine Pfannkuchentorte, so wird sie weniger. Aber wenn man Freundschaft teilt, wird sie mehr." Das bringt der liebevolle Katzenziehvater Pettersson seinem quirligen kleinjungenhaften Kater Findus bei. In der warmherzigen Neuinszenierung der Geschichte des talentierten Schweden Sven Nordqvist werden vier der bekanntesten Geschehnisse des Duos miteinander verschmolzen. Echte Schauspieler (Ulrich Noethen, Marianne Sägebrecht) werden von Kater- und Mucklas-Animationen und von mitreißender Filmmusik begleitet. Durch die Begrenzung auf Studioaufnahmen wirkt der Streifen jedoch wie eine gefilmte Theateraufführung. Der Begeisterung der Kinder tut das keinen Abbruch.

Der im Iran geborene deutsche Regisseur Ali Samadi Ahadi hatte sich zunächst 2006 mit dem Dokumentarfilm "Lost Children", der das schreckliche Schicksal von Kindersoldaten in Uganda thematisiert, einen Namen gemacht. Eine Komödie und weitere Dokus folgten – dies hielt ihn aber nicht davon ab, mit einem Freudejubel zu reagieren, als ihm angeboten wurde, die Geschichte des auch von seiner achtjährigen Tochter geliebten Findus zu verfilmen.

Kinder identifizieren sich leicht mit dem Quatsch machenden aber sehr mitfühlenden ungeduldigen Kater und lieben auch die Art, wie Pettersson manchmal hilflos aber verständnisvoll und voller Zuneigung denselben Quatsch mitmacht. Probleme werden derart fantasievoll angegangen, dass ihre Lösung zu ungeahnten Kettenreaktionen führt, in denen jeder Schritt detailverliebt durchdacht und durchgeführt wird.

Dennoch weicht diese Verfilmung oft von den Originalgeschichten ab, um die vielen Handlungsstränge abzuarbeiten. Weniger Handlung hätte dem Film gutgetan, auch eine Ausweitung in die Natur, die starker Bestandteil von Petterssons Welt ist.

Pettersson und Findus - Kleiner Quälgeist, große Freundschaft Pettersson selbst ist hier ein Tick zu freundlich. Die Bücher stellen zwar seine große Zuneigung zu Findus dar, die auch hier wunderschön herausgearbeitet wurde, aber er ist dennoch manchmal mürrisch, leicht zankhaft, vergesslich und durcheinander. Mehr als es durch Noethens ansonsten hervorragende Darstellung – vor allem durch die Nahaufnahmen seiner traurig-warmherzigen Augen – zutage kommt. Auch viel zu wenig knorrig kommen die Nachbarn Gustavsson und Beda Andersson herüber. Diese Knorzigkeit steht in den Büchern immer im Gegensatz zu einer außerordentlichen Hilfsbereitschaft – ein Widerspruch, der die Charaktere letztendlich komplex macht. In diesem Film jedoch wirken sie leider etwas zu flach.

Den Hauptcharakter – Findus – trifft der Film haargenau. Er ist zwar ein kleiner Egoist, aber dennoch mitfühlend mit dem Leid anderer Geschöpfe. Er macht zwar Dummheiten, aber weiß auch, wann er übertreibt und gibt es zu. Abgesehen davon ist die animierte Figur selbst gut getroffen und die "Kuschelszenen" mit Pettersson sind sehr emotional.

Pettersson und Findus - Kleiner Quälgeist, große Freundschaft Bemerkenswert sind die zahllosen Ausstattungs-Details (von den Werkzeugen im Schuppen, den überdimensionierten Blumen bis hin zu den geschmückten Hühnern) und die großartige Animationsleistung bei der Darstellung der Mucklas-Welt und bei Action-Szenen wie Findus' "Stierkampf". Auch das filmische Klonen Petterssons oder die slapstickhafte Slow oder Fast Motion fügen sich gut in die Handlung ein. Eine weitere gute Gelegenheit zur emotionalen Ausweitung in der Begegnung mit dem Filmstoff bieten die mitreißenden Lieder, die zur frohen Stimmung beitragen. Einer Fortsetzung steht nichts im Wege.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Senator

 
Filmdaten 
 
Pettersson und Findus - Kleiner Quälgeist, große Freundschaft  
 
Deutschland 2013
Regie: Ali Samadi Ahadi;
Darsteller: Ulrich Noethen (Pettersson), Marianne Sägebrecht (Beda Andersson), Max Herbrechter (Gustavsson) u.a.;
Drehbuch: Thomas Springer nach den Büchern von Sven Nordqvist; Produzenten: Thomas Springer, Helmut G. Weber, Helge Sasse; Produktion: Senator Film München, Senator Film Produktion, Tradewind Pictures, Network Movies, ZDF; Kamera: Mathias Neumann; Musik: Ali N. Askin; Schnitt: Andrea Mertens;

Länge: 89,33 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih der Senator Film Verleih GmbH; deutscher Kinostart: 13. März 2014



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Zitat

"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

"Ich schaue die Welt mit Kinderaugen an." (über die Bewahrung seiner Kindlichkeit)

US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

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