22.05.2019

Peter Lindbergh
- Women's Stories


Der biographische Dokumentarfilm "Peter Lindbergh – Women's Stories" über den Modefotografen bleibt lange Zeit grobkörnig und schwarz-weiß, wie viele seiner Bilder. Am Ende kommt Regisseur Jean Michel Vecchiet ihm endlich näher, da helfen die eingestreuten Interviews wichtiger Frauen in seinem Leben.

Peter Lindbergh - Women's Stories: Peter Lindbergh; Foto-Credit: Stefan Rappo Der Beginn des Films ist anfangs so dunkel wie Kohle, da Lindberghs Kindheit und Jugend im Ruhrgebiet behandelt wird. Dem werden seine frühen Aufnahmen gegenübergestellt, bei denen er die rußigen Stimmungen, gerne mit schönen Models vor übermächtigen Maschinen platziert hat. Der Kontrast erweist sich bei Lindbergh dadurch immer weniger als (rein) dekoratives Gestaltungsmittel. Auch wenn sie dadurch zunächst den kühlen Amazonen der Modefotografien von Helmut Newton ähneln.

Lindbergh führte aber auch mit solchen Bildkompositionen den neuen Realismus in der Modefotografie ein und prägte damit seinen eigenen Stil. Bei Lindbergh dürfen die Frauen nicht nur nackt und perfekt schön stolzieren, sondern es kommt seine Bewunderung über die weiblichen Persönlichkeiten heraus. Sie dürfen emotional sein bis zum tränenverflossenen Kajal, und auch mal älter, bis hin zur würdevollen Reife.

Peter Lindbergh - Women's Stories: Linda Evangelista, Naomi Campbell, Tatjana Patitz, Cindy Crawford und Christy Turlington 1989; Foto-Credit: Peter Lindbergh Aber erst gegen Ende des Films kommt der Hintergrund für diese starken Frauenfiguren immanenter heraus, weil Jean Michel Vecchiet nun den Lebensbeginn von Lindbergh inmitten der Kriegswirren aufzeigt. Lindbergh wurde November 1944 als Peter Brodbeck im polnischen Lissa geboren. Die deutschen Truppen hatten inzwischen auch diesen Teil eingenommen, und es sollte noch schlimmer kommen. Er und seine Mutter mussten als Deutsche vor den anrückenden Truppen der Russen fliehen, und die Flucht wird mit alten Filmbeiträgen und Fotos von kalten Winternächten inmitten polnischer Wälder unterlegt. Seine Mutter bringt ihr Kind über die Grenze nach Dresden, wo sie im Frühjahr 1945 von den Angriffen der Allierten empfangen werden. Mehr tot als lebendig wird er diese Bombennächte überstehen. Bei ihm manifestiert sich die Gewissheit, dass es für etwas gut sein musste, warum er zu den Glücklicheren, den Überlebenden gehören durfte. Seine Mutter sollte diese übermenschlichen Entbehrungen nicht umsonst überstanden haben. Daher wollte er etwas Größeres in seinem Leben erschaffen.

Als Maler wie als Sportler war er talentiert, aber empfand sich in diesen Disziplinen zu begrenzt für dieses Ziel. Die Fotografie war seine Rettung. Seiner Mutter war dagegen solche Erfüllung nicht vergönnt und ihr außergewöhnliches Talent als Opernsängerin wurde zu spät erkannt.

Ihr Sohn würdigte sie offensichtlich über den Umweg seiner starken Frauenbilder. Die Interviews mit seiner Schwester, den Mitarbeiterinnen, sowie seiner zwei Ehefrauen geben den Blick am Ende darauf frei.

So kann man nach dem Filmbesuch die Fotos von Lindbergh neu entdecken.  

Jürgen Grötzinger / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

Quelle der Fotos: DCM Film Distribution; Foto-Credits siehe jedes einzelne Bild

 
Filmdaten 
 
Peter Lindbergh - Women's Stories  
 
Deutschland 2019
Regie: Jean Michel Vecchiet;
Mitwirkende: Naomi Campbell, Astrid Lindbergh, Helga Polzin u.a.;
Produzenten: Wiebke Andresen, Christoph Daniel, Marc Schmidheiny, Jean Michel Vecchiet; Kamera: Jean Michel Vecchiet; Musik: Alain Arsac, Anthony Sahyoun; Schnitt: Krystel Abou Karam;

Länge: 107,34 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih der DCM Film Distribution GmbH; deutscher Kinostart: 30. Mai 2019



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<22.05.2019>


Zitat

"Warum bin ich so gut darin, Zicken zu spielen? Ich denke, es liegt daran, dass ich keine Zicke bin. Vielleicht ist das der Grund, warum Joan Crawford immer Ladies spielt."

("Why am I so good at playing bitches? I think it's because I'm not a bitch. Maybe that's why Joan Crawford always plays ladies.")

Schauspielerin Bette Davis, 30. Todestag am 6. Oktober 2019, mit einer Spitze gegen ihre Dauerrivalin Crawford

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