22.08.2012
New Yorker Witz auf Französisch

Paris Manhattan


Paris Manhattan Ella Fitzgerald oder Cole Porter, dazu ein gutes Buch und über allem: Woody Allen. Seine Filme, seine Sprüche, seine Ansichten. "Woody Allen macht uns mit Lachen klüger" sagt die französische Regisseurin Sophie Lellouche mit ihrem Erstlingswerk aus, das sich tief vor dem Meisterregisseur verneigt. Auch ihr Film ist intellektuell witzig, die Figuren neurotisch, die Abfolge der Sprüche rasant. Aber wenn diese Formel bei Woody Allen sehr gut wirkt, will sie in Lellouches Film nicht so ganz aufgehen. Bis auf das bezaubernde Schlusskapitel bleiben Handlung und Figuren eher indifferent.

Manhattans geistreicher und immer von Sorgen geplagter Witz trifft in diesem Film auf den spröden Pariser Charme, die Schlagabtäusche in paradoxer Ironie nach Allen-Manier sind von der Optik – leise Kamerafahrten durch Zimmer oder Außenaufnahmen in der Totale – der letzten Allen-Filme begleitet und natürlich kommt der ewig sehnsuchtsvolle Jazz hinzu. Alice lebt in dieser abgekapselten Welt, die sie sich selbst erschaffen hat. Die glamourös-schöne Hauptdarstellerin Alice Taglioni wird für diese Rolle in saloppe Hemdsärmel und Jeans gesteckt, was irgendwie so gar nicht passen will. Alice ist – als Hommage an den dauernd pillenschluckenden Woody-Allen-Neurotiker – Apothekerin und im Beruf erfolgreich. Sie ist persönlich, wenn sie ihre Kunden bedient – manche davon "heilt" sie mit DVDs mit Filmen – na von wem denn? Bei der Auswahl ihrer Männer greift Alice jedoch immer daneben. Erst als Victor in ihr Leben kommt – so ganz anders, kantig und zynisch – wird dieses glücklose Schema durchbrochen.

Alice ist jedoch viel zu beschäftigt, das Leben mit Hilfe von Woody-Allen-Sprüchen wie "Without the law it's all darkness", "What you don't know won't hurt you, it will kill you!" oder "Talent is luck. The important thing in life is courage" zu erklären. Ausgerechnet der sarkastische Agnostiker Victor erwacht aus seiner Lethargie, als Alice ihm vorwirft, dass er außer seinem Beruf nichts auf der Welt hat. Dann entsteht in ihm der Wunsch, Alice ebenfalls aus ihrem Woody-Allen-Irrgarten-Wunderland zu befreien.

Paris Manhattan Die schön erzählte Nebenhandlung mit den problembehafteten Eltern – der Vater sticht als fürsorgliche "yiddishe Mama" mit seiner Hingabe hervor und er ist es, der Victor für seine Tochter aussucht – und der scheinbar problembehafteten Ehe der Schwester, bereichert den Film mit Menschlichkeit. Bei einem Streit läuft Alice ihrer Schwester hinterher und sagt "Wir sind doch Schwestern und vertragen uns doch eh wieder – warum nicht gleich jetzt?" Das ist Alices wahrhaftiges Fundament: Familie.

Bis auf das letzte Kapitel erlaubt der Film jedoch wegen der schnellen Abfolge von Szenen und rasant umhergeworfenen Intellektualismen dem Zuschauer wenig emotionale Beteiligung. Es wirkt alles fast wie ein aufgesagtes Gedicht. Und manchmal will der Becher der Begeisterung für Woody Allen fast überschwappen. Glücklicherweise kommt aber besagter letzter Teil, untermauert von einem Kurzauftritt des bewunderten Mentors selbst, und damit ein Hauch cineastischen Zaubers in die Handlung. Der darf bei Woody Allen nicht fehlen, weder in seinen Filmen noch in den Filmen über ihn.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Senator

 
Filmdaten 
 
Paris Manhattan (Paris-Manhattan) 
 
Frankreich 2012
Regie & Drehbuch: Sophie Lellouche;
Darsteller: Alice Taglioni (Alice), Patrick Bruel (Victor), Marine Delterme (Hélène), Louis-Do De Lencquesaing (Pierre), Michel Aumont (Vater), Marie-Christine Adam (Mutter), Yannick Soulier (Vincent), Margaux Chatelier (Laura), als Gast Woody Allen u.a.;
Produzent: Philippe Rousselet; Associate Producer: Etienne Comar; Kamera: Laurant Machuel; Schnitt: Monica Coleman;

Länge: 77,35 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih der Senator Film Verleih GmbH; deutscher Kinostart: 4. Oktober 2012



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<22.08.2012>


Zitat

"Kein guter Film ist zu lang und kein schlechter Film ist kurz genug."

US-Filmkritiker Roger Ebert (+ 2013)

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