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April 2002
Angst vor der Angst - und Sehnsucht nach ihr
Panic Room
Mit einem Suspense-Thriller alter Schule meldet sich Regisseur David Fincher nach "Fight Club" (1999) im Kino zurück. Eine frisch Geschiedene (Jodie Foster) zieht mit ihrer Tochter (Kristen Stewart) in der New Yorker Upper West Side in einen so genannten Brownstone, einen Sandsteinbau, in dessen düstere Wohnung es sie nur wegen der Existenz eines Panic Rooms zieht, einem Raum, der in Form eines abschottbaren Bunkers Schutz für Notfälle bietet. Schon in der ersten Nacht zeigt sich: Die Furcht, auf latenter Ebene eine allgemeine Furcht vor der Außenwelt, ist begründet, Einbrecher lassen die beiden Frauen in ihn fliehen - aber jetzt sind sie Gefangene.
"Panic Room" stellt sich als ein amerikanischer Film über das amerikanische Grundbedürfnis unbedingter Sicherheit heraus, und zwar mit Durchleuchtung der ins Gegenteil umschlagenden Konsequenzen dieses Angst-Wahns. Paranoia und Großstadt-Neurosen als Themen eines spannungsgeladenen Films, dazu unter der Regie des Meisters Fincher - und doch enttäuscht "Panic Room" durch seine Wahl der Mittel: Überzeugungsarbeit möchte David Fincher durch überzogene Brutalität und unpassend wirkenden Humor leisten, anstatt subtilere Hintergründigkeit walten zu lassen.
In so manchem Film der 50er und 60er Jahre zeigte sich, wie aus einfach gestrickt anmutenden Handlungen die besten Drehbücher entstanden. Raum und Zeit sollten begrenzt, die Zahl der Protagonisten überschaubar, Überflüssiges nicht vorhanden sein - nach dem Prinzip gelangen einst Alfred Hitchcock Meisterwerke wie "Das Fenster zum Hof" und Roman Polanski "Rosemaries Baby". Der Alptraum für die jeweilige Hauptfigur wie für den mit ihr fiebernden Zuschauer stellte sich gerade in diesen beiden Thrillern schnell ein, und das sogar an Orten, bei denen ein sich dramatisch zuspitzendes Horror-Erlebnis nicht erwarten ließe: Mittendrin in der Großstadt, mitten unter den Menschen, zwischen den Hochhäusern spielen die Filme. So wurde die Angst vor der Masse der Mitmenschen, die harmlos wirken und doch viel zu verbergen haben, in die Drehbücher eingebaut und doch camoufliert, aber implizit dargebracht, kaum erkennbar, nur fühlbar mitschwingend. "Panic Room" zitiert daher nicht grundlos diese beiden Filme schon von Beginn an. Wie "Rosemaries Baby" beginnt Finchers Film mit einer Wohnungssuche, wieder ist ein eigentlich abstoßend erscheinender Sandsteinbau - in der selben Stadt, in New York - mit seiner noch abstoßenderen, viel zu großen dunklen Wohnung doch die richtige Bleibe, hier für eine junge Frau und ihre noch am Anfang der Pubertät stehende Tochter. Denn er hat einen "Panic Room", ausgestattet mit einer Notration Nahrungsmitteln und modernster Überwachungstechnik.
Michael Dlugosch
/ Wertung:
* *
(2 von 5)
Filmdaten Panic Room (Panic Room) USA 2001 Regie & Drehbuch: David Fincher ("Se7en", "The Game", "Fight Club") Darsteller: Jodie Foster ("Das Schweigen der Lämmer"; Meg Altman), Forest Whitaker ("Smoke - Raucher unter sich", "Ghost Dog - Der Weg des Samurai"; Raoul), Jared Leto ("Fight Club", "American Psycho"; Junior), Dwight Yoakam (Burnham), Kristen Stewart (Sarah), Patrick Bauchau (Stephen Altman) u.a.; Länge: 112 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; im Verleih der Columbia TriStar Film Verleih GmbH.
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