10.05.2013
White House Down

Olympus Has Fallen
- Die Welt in Gefahr


Olympus Has Fallen - Die Welt in Gefahr: Gerard Butler, Aaron Eckhart "Rom, das große Reich, ist bei uns Amerika", sagt Regisseur Antoine Fuqua im Presseheft zu "Olympus Has Fallen" und orchestriert treu dieses Prinzips eine Actionfilm-Ode an patriotischen Primitivismus. Darin erzittert der auf Nationalismus und Paranoia errichtet Staats-Olymp, als nordkoreanische Terroristen das Allerheiligste stürmen und Präsident Asher (Aaron Eckhart) als Geisel nehmen. Doch "Als Nation sind wir nie stärker als wenn wir geprüft werden", beruhigt Staatssprecher Trumbull (Morgan Freeman) all jene da draußen, die wie Kim Jong-il ihre Kinofilme pompös und propagandistisch mögen.

Trumbulls Phrase gilt auch für Mike Banning (Gerard Butler). Ashers Ex-Bodyguard wird in einem öden Bürojob geprüft, daher ist er stärker als sämtliche Sondereinsatz- und Terrorkommandos zusammen. Der überfällige Kampf gegen die Versetzung kann endlich beginnen, nun, da laut hiesigem Untertitel "Die Welt in Gefahr" schwebt. Der epische Machismo entwickelt unfreiwillige Komik, wenn der Obelisk des Washington Monuments seine Spitze verliert. Der Emblematik machtpolitischer Kastrationsangst folgen weitere, deren melodramatischste die durchlöcherte US-Flagge ist. Segelt sie zu elegischen Klängen zu Boden, ist das tragischer als Dutzende Statisten-Tode, inklusive dessen der First Lady (Ashley Judd). Sie verliert ihr Leben bei einem Ausrutscher, einem moralisch einwandfreien, selbstverständlich. Der Unfall auf vereister Fahrbahn entzweit Asher und Banning, der nach Protokoll den Präsidenten rettet. Gleiches tut er während der aktuellen Krise für Ashers Sohn Connor (Finley Jacobson), den er aufmuntert: "Du bist nun einer von uns." Definitiv keiner "von uns" ist Mikes ehemaliger Kollege Forbes (Dylan McDermott), der "Wall Street! Globalisierung!" und etwas von "ausverkauft" geifert.

Olympus Has Fallen - Die Welt in Gefahr: Angela Bassett, Morgan Freeman Das ideologische Feindbild umreißt Fuqua mit wohlfeilen Schlagworten, deren Gebrauch per se verdächtig macht. Wer sie kritisch verwendet, dem ist alles zuzutrauen, selbst einen Top-Terroristen wie Kang (Rick Yune) Eintritt ins "sicherste Gebäude der Welt" zu verschaffen. Okay, Kang hätte ein Besucherticket lösen können wie die Gruppe asiatischer Touristen, die urplötzlich Waffen aus ihrer Kameraausrüstung ziehen, aber mit einer sexy Assistentin ins Oval Office zu marschieren ist einfach superschurkischer und Ironie des Schicksals, da Asher dort zuvor bei der Beratung mit Verteidigungsministerin McMillan (Melissa Leo) härteres Vorgehen gegen Nordkorea abgelehnt hat. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben dank Banning, der Kangs Handlanger genüsslich massakriert. Ein bisschen Folter ist schon okay als Rache für das Weiße Haus. Wenn Kang aus Rache für seine getötete Familie Folter einsetzt, ist das natürlich nicht okay. Wenigstens erteilt Kang so McMillan persönlich eine brutale Lektion in nordkoreanischer Diplomatie. Dass sie quasi mit einem blauen Auge davonkommt, verdankt sie dem Präsidenten und Banning.

Olympus Has Fallen - Die Welt in Gefahr: Das Weiße Haus in Gefahr Auf ihn schwört CIA-Chefin Lynn Jacobs (Angela Bassett), die ebenso gut wie Trumbull weiß, dass trotz Repräsentativgleichstellung die Rettung der Welt am Ende in der Hand eines radikalen, weißen Mannes liegt. Diesem konformistischen Duktus pflegt auch der Regisseur, der den Wohnsitz der First Family als modernes Pendant des "traditionellen Zuhause der griechischen und römischen Götter" inszeniert und Amerikas "wichtigstes Monument". Dafür hielt mancher die Freiheitsstatue, aber Freiheit sieht Fuqua als riskante Angelegenheit: "Die Idee, dass Terroristen unsere Freiheiten als Waffe einsetzen, ist absolut nachvollziehbar." An die Konsequenzen erinnert Gerard Butler: "Man darf nicht vergessen: 9/11 war nicht komplizierter als eine Handvoll Männer, die Teppichmesser an Bord eines Flugzeugs schmuggelten." Klar doch, 9/11 war Kinderkram. Wozu der ausarten kann zeigt der "mit Hilfe von Spielzeugsoldaten" geplante filmische Frontalangriff auf Vorbehalte gegenüber dem American Way of Life.

"Sie kamen, um unseren Lebensstil zu entweihen", verkündet Asher, der "das Publikum mit einem kollektiven Gefühl des Patriotismus" vereinen will wie augenscheinlich Fuqua. Sein Werk sei auch als Warnung zu verstehen: "Wenn wir unsere Deckung sinken lassen, kann alles passieren." Wohl wahr für die intellektuelle Wachsamkeit, der tumbe Machtpropaganda entgegenschlägt.  

Lida Bach / Wertung:  0 von 5 Punkten 
 

Quelle der Fotos: Universum Film

 
Filmdaten 
 
Olympus Has Fallen - Die Welt in Gefahr (Olympus Has Fallen) 
 
USA 2013
Regie: Antoine Fuqua;
Darsteller: Gerard Butler (Agent Mike Banning), Aaron Eckhart (Präsident Benjamin Asher), Morgan Freeman (Sprecher Trumball), Angela Bassett (Lynn Jacobs), Dylan McDermott (Forbes), Melissa Leo (Verteidigungsministerin Ruth McMillan), Ashley Judd (First Lady Margaret Asher), Rick Yune (Kang), Robert Forster (General Edward Clegg), Cole Hauser (Agent Roma), Radha Mitchell (Leah Banning) u.a.;
Drehbuch: Creighton Rothenburger, Katrin Benedikt; Produzenten: Gerard Butler, Alan Siegel, Ed Cathell III; Kamera: Conrad W. Hall; Musik: Trevor Morris; Schnitt: John Refoua;

Länge: 119,47 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; ein Film im Verleih der Universum Film GmbH; deutscher Kinostart: 13. Juni 2013



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<10.05.2013>


Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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