08.05.2019

Oblivion

Die Erde im Jahr 2073: Seit einem Krieg gegen Außerirdische ist der Planet verwüstet und radioaktiv verseucht, weswegen die letzten Menschen auf einen Mond des Saturn geflüchtet sind. Nur die Techniker Jack (Tom Cruise) und Victoria (Andrea Riseborough) halten die Stellung in der alten Heimat, um den Abbau wichtiger Ressourcen zu überwachen: Monströse, von Flugdrohnen bewachte Fördertürme entziehen den Weltmeeren das Wasser, das die Menschheit am anderen Ende des Sonnensystems benötigt. Ein Problem stellen einige auf der Erde verbliebene Aliens dar, die regelmäßig die Drohnen und Fördertürme sabotieren. Doch als ein altes Raumschiff auf die Erde stürzt und Jack die Überlebende Julia (Olga Kurylenko) rettet, nehmen die Ereignisse eine existenzielle Wendung.

Dass Joseph Kosinski ursprünglich Werbespots drehte, merkt man seinem Kinodebüt "Tron: Legacy" ebenso an wie "Oblivion", der Verfilmung einer Graphic Novel des Regisseurs. In hochauflösenden Digitalbildern etablieren Kosinski und sein Production-Designer Darren Gilford ein auf Hochglanz poliertes Setting. Im Zusammenspiel mit den stark stilisierten Bildern von Claudio Miranda ("Life of Pi"), dem treibenden Elektro-Soundtrack und der offensiven Tonspur, die mit einer neuen Surround-Technik arbeitet, präsentiert sich "Oblivion" als audiovisuell beeindruckende Designer-Dystopie mit Anleihen bei Science-Fiction-Filmen wie "Matrix" oder "Minority Report".

Wie schon bei "Tron: Legacy" dominiert der Stil des Films die eher oberflächliche Geschichte, die nur auf den ersten Blick komplex erscheint. Joseph Kosinski öffnet zwar viele Fässer, darunter die Bedeutung von Erinnerungen und die identitätsstiftende Funktion von Heimat, verzichtet aber zugunsten der actionreichen Spannungselemente auf eine differenzierte Verhandlung seiner Themen. Langweilig ist "Oblivion" dennoch zu keiner Sekunde – im Gegenteil bauen die Story-Wendungen und die stückweise Offenlegung der Wahrheit durchweg Druck auf. So ist Joseph Kosinski ein von großem Stilwillen geprägter Film mit einer etwas dünnen Geschichte gelungen, dessen Ende arg pathetisch ausfällt.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * (3 von 5)



Filmdaten

Oblivion
(Oblivion)

USA 2013
Regie: Joseph Kosinski;
Darsteller: Tom Cruise (Jack), Morgan Freeman (Beech), Olga Kurylenko (Julia), Andrea Riseborough (Victoria), Nikolaj Coster-Waldau (Sykes), Melissa Leo (Sally), Zoë Bell (Kara) u.a.;
Drehbuch: Michael deBruyn, Karl Gajdusek nach der Graphic Novel von Joseph Kosinski; Produzenten: Peter Chernin, Dylan Clark, Duncan Henderson, Joseph Kosinski, Barry Levine; Kamera: Claudio Miranda; Musik: Anthony Gonzalez, M83, Joseph Trapanese; Schnitt: Richard Francis-Bruce;

Länge: 124,36 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; deutscher Kinostart: 11. April 2013



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Zitat

"Dass er als ehemals verfolgter polnischer Jude nach dem Zweiten Weltkrieg in das Land der Mörder seiner Familie ging, um Filme zu produzieren und sich auch für den demokratischen Wiederaufbau Deutschlands engagiert einsetzte, ist ein wahres, ein großes Geschenk für unser Land. ... Zumal Artur Brauner dies [das Produzieren von Filmen über den Holocaust; Red.] schon in einer Zeit vorantrieb, in der man in Deutschland die eigene Schuld und die Mitwirkung an den Verbrechen der Nazis noch eher verdrängte, als diese aufzuarbeiten."

Kulturstaatsministerin Monika Grütters zum Tode des legendären Filmproduzenten Artur "Atze" Brauner (1. August 1918 - 7. Juli 2019)

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