12.03.2012
Lachen fürs traurige Herz

Nathalie küsst


Nathalie küsst Viel tiefer kann ihre Trauer und die darauffolgende Abstumpfung nicht sein, als Nathalie (Audrey Tautou), eine ehrgeizige Projektmanagerin, in ihrem Büro aus einem komischen Impuls heraus einen Mitarbeiter, der nach der Akte 114 fragt, einfach auf den Mund küsst. Leidenschaftlich. Nun ist eine Grenze überschritten und ein Bann gebrochen. Ist jetzt Nathalies Witwendasein beendet? Und was ist mit dem Kollegen, Markus (François Damiens)?

Der Film liefert eine Vorgeschichte. Und eine Nachgeschichte. Aber es ist eben dieser überraschende und überstürzte Kuss, der beide – nennen wir sie "Teilnehmer" – zu neuem Leben erweckt. Wie bei Dornröschen, nur umgekehrt.

Beide befinden sich in einer Sackgasse ihres Lebens. Nathalie kann ihre Trauer nicht überwinden, Markus nicht seine Einsamkeit. Und es ist so, als ob der Tod Nathalie die Kraft gegeben hätte, unbewusst ins Herz anderer Menschen zu sehen. Und ebenso unbewusst erkennt sie die Güte, die Hingabe, die Großzügigkeit, die Feinfühligkeit, den Humor von Markus – einem unscheinbaren Kollegen, den alle geflissentlich übersehen. Inklusive Zuschauer.

Nathalie küsst Und hier liegt das Problem: Nathalie ist schön. Markus nicht. Ist da eine Beziehung möglich? Er kriegt Angst vor der neu entstehenden Liebe – es ist so, als ob "die USA mit Liechtenstein ausgeht", meint er. Und Nathalies – selbstverständlich verheirateter – Chef ist auch schon lange scharf auf sie. In diesem Wirrwarr entstehen komische Situationen, liebevoll inszeniert, die zum Lachen und Lächeln bringen. Die neu entstehende Liebe und die alte Trauer sind mit wenig Firlefanz und viel Feingefühl gezeichnet, Phantasie verbindet sich mit der Wirklichkeit, das Büroleben mit Klatsch, Tratsch und Eifersüchteleien, Freundschaften stehen auf dem Prüfstand, es geht um die Essenz.

"Nathalie küsst" ist das Langfilm-Regiedebüt der Brüder David und Stéphane Foenkinos und basiert auf David Foenkinos' gleichnamigem, jüngst in Deutschland erschienenem Roman. Der Film ist gleichermaßen traurig und lustig in einer gelungenen Mischung und erzählt eine der eher "kleinen" Geschichten, die das eigentliche Leben ausmachen.

"Ein verdammter Poet bist Du auch noch!" schimpft der Chef mit Markus, als dieser meint, mit Nathalie wäre er eine bessere Version von sich selber. Und auch poetisch äußerst sich Markus, als er sagt: "Hier, im Herzen aller Nathalies, werde ich mich verstecken". Es ist eben wahre Liebe, die Nathalie und Markus miteinander verbindet.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * * * * (4 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Concorde Filmverleih

 
Filmdaten 
 
Nathalie küsst (La délicatesse) 
 
Frankreich 2011
Regie: David und Stéphane Foenkinos;
Darsteller: Audrey Tautou (Nathalie), François Damiens (Markus), Bruno Todeschini (Charles), Mélanie Bernier (Chloé), Joséphine de Meaux (Sophie) u.a.;
Drehbuch: David Foenkinos nach seinem gleichnamigen Roman; Produktion: 2.4.7.Films; Produzenten: Xavier Rigault und Marc-Antoine Robert; Kamera: Rémy Chevrin; Musik: Emilie Simon; Schnitt: Virginie Bruant;

Länge: 109,37 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih der Concorde Filmverleih GmbH; deutscher Kinostart: 12. April 2012



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<12.03.2012>


Zitat

"Ich bin ein Filmemacher, kein Dokumentarfilmer. Ich versuche, die Wahrheit zu schlagen."

("I'm a moviemaker, not a documentarian. I try to hit the truth.")

Regisseur Ridley Scott, der am 30. November 2017 seinen 80. Geburtstag feierte

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