02.04.2019

Mr. Morgan's Last Love

Ihren bislang größten Erfolg feierte die Filmemacherin Sandra Nettelbeck 2001 mit ihrer charmanten Tragikomödie "Bella Martha", die von einer tollen Martina Gedeck in der Hauptrolle profitierte. Der Film erfuhr im Jahr 2007 mit "Rezept zum Verlieben" sogar ein Hollywood-Remake mit Catherine Zeta-Jones und Aaron Eckhart. Weniger Erfolg an den Kinokassen brachte Nettelbeck indes das ernste Drama "Helen" (2009) – unter anderem dadurch erklärt es sich wohl, dass die Regisseurin mit "Mr. Morgan's Last Love" erneut einen lebensbejahenden und romantischen Film inszeniert, der vom Erzählton her bisweilen an "Bella Martha" erinnert.

Die Adaption des französischen Erfolgsromans "Die letzte Liebe des Monsieur Armand" verändert die Literaturvorlage in einem entscheidenden Punkt: Aus dem Protagonisten, der im Buch ein Franzose ist, macht Nettelbeck den von Michael Caine gespielten Amerikaner Matthew Morgan, der seinen tristen Lebensabend in Paris verbringt. Seit dem Krebstod seiner Frau zieht sich der ehemalige Philosophieprofessor, der kaum Französisch spricht, immer tiefer in seine Trauer zurück. Rein zufällig lernt Matthew die junge und warmherzige Tanzlehrerin Pauline (Clémence Poésy) kennen und schöpft aus den gemeinsamen Spaziergängen und Gesprächen neuen Lebensmut. Trotzdem begeht der Witwer einen Selbstmordversuch, weswegen seine Kinder Miles (Justin Kirk) und Karen (Gillian Anderson) aus den USA anreisen. Das ohnehin angespannte Verhältnis zum Vater verkompliziert sich durch Paulines Anwesenheit: Vor allem Miles vermutet, dass die Französin Matthew ausnutzen will.

Während die erste Hälfte die platonische Liebe zwischen Matthew und Pauline in besinnlicher Manier erzählt, bringt die Ankunft der Kinder einen Wendepunkt. Plötzlich avanciert der emotionale und in Herbstfarben fotografierte Film zum Familiendrama, das vor allem die Vater-Sohn-Beziehung ins Zentrum stellt – erst gegen Ende spielt Pauline dann wieder eine größere Rolle. Die zentrale Figur bleibt jederzeit der titelgebende Protagonist, den der Charakterdarsteller Michael Caine mit viel Sinn für nonverbales Schauspiel verkörpert. Dass Sandra Nettelbeck eine schlichte filmische Umsetzung wählt, rückt die starken Darsteller ebenso ins Zentrum wie die insgesamt entschleunigte Erzählweise des Dramas – und so könnte man sagen: Was in "Bella Martha" Martina Gedeck war, sind in "Mr. Morgan's Last Love" Michael Caine und Clémence Poésy.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * (3 von 5)



Filmdaten

Mr. Morgan's Last Love
(Mr. Morgan's Last Love)

Deutschland/Belgien/USA/Frankreich 2013
Regie: Sandra Nettelbeck;
Darsteller: Michael Caine (Matthew Morgan), Clémence Poésy (Pauline Laubie), Gillian Anderson (Karen Morgan), Justin Kirk (Miles Morgan), Michèle Goddet (Madame Dune), Jane Alexander (Joan Morgan), Anne Alvaro (Madame Léry) u.a.;
Drehbuch: Sandra Nettelbeck nach dem Roman von Françoise Dorner; Produzenten: Astrid Kahmke, Frank Kaminski, Philipp Kreuzer, Ulrich Stiehm; Kamera: Michael Bertl; Musik: Hans Zimmer; Schnitt: Christoph Strothjohann;

Länge: 115,57 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; deutscher Kinostart: 22. August 2013



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"It is, what it is."

So kurz kann eine Filmkritik sein. Aus Leonard Maltin's Movie Guide, einem Buch mit kurzen Filmkritiken; der Satz gilt dem Film "Scooby-Doo 2" (2002).

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