13.09.2019

Mount St. Elias

Es ist recht verwunderlich, dass "Mount St. Elias" mit der Versicherung "Based on a true story" beginnt, denn schließlich ist Gerald Salminas Kinodebüt ein Dokumentarfilm. Sinn macht diese einführende Texttafel, weil Salmina sein dokumentarisches Material mit verschiedenen inszenatorischen Tricks zu einem Film aufbereitet, der teilweise mehr dem Action- als dem Dokumentarfilm-Genre zugeneigt ist – und weil die Aktionen der Protagonisten derart waghalsig sind, dass die Zuschauer*innen sie im ersten Moment wohl für Hollywood-Stunts halten könnten.

Der schneebedeckte Mount St. Elias liegt im Südosten Alaskas und ist mit 5489 Metern über Meeresniveau relativ gesehen der höchste Berg der Erde. Ihn zu erklimmen, gilt als äußerst gefährlich, da krasse Wetterumschwünge in der abgelegenen Region die Regel sind und eine Rettung per Helikopter oft unmöglich machen. Die beiden österreichischen Skialpinisten Axel Naglich und Peter Ressmann sowie der US-amerikanische Freeskialpinist Jon Johnston wollen den Berg trotzdem besteigen. Doch das ist nur die erste Etappe, denn oben angekommen wollen sie den Abstieg per Skifahrt unternehmen! Dabei stellen nicht nur die beinahe senkrechten, teilweise mit Eis überzogenen Abfahrten eine Gefahr dar, sondern auch die ständige Bedrohung durch Lawinen.

Seine stärksten Szenen hat "Mount St. Elias", wenn Gerald Salmina in klassischer Dokumentarfilm-Manier von den körperlichen wie psychischen Grenzgängen der Männer oder Spannungen innerhalb der Gruppe berichtet. Aber als sei das Vorhaben der Skialpinisten nicht spektakulär genug, arbeitet der Regisseur offensiv mit der ästhetischen Gestaltung, um den Unterhaltungswert seines Films zu erhöhen. Immer wieder zeigt "Mount St. Elias" imposante Kameraflüge an den Hängen des erhabenen Berges entlang, verweist etliche Male auf die großen Gefahren für die Bergsteiger und unterlegt die mit Zeitraffern und Zeitlupen aufgepeppten Ski-Abfahrten mit Rockmusik.

Symptomatisch für diese Dokutainment-artige Aufbereitung des Materials sind die Szenen, die den Tod zweier Skifahrer im Jahr 2002 in Form einer Actionsequenz nachstellen. Abgesehen davon, dass die Darstellung eines tödlichen Unglücks in dieser Weise fragwürdig erscheint, braucht "Mount St. Elias" diesen effekthaschenden Rückgriff gar nicht: Sein Gegenstand ist auch ohne stilistischen Bombast spannend genug – schade, dass Gerald Salmina im Schneideraum nicht etwas früher den Absprung geschafft hat.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * (3 von 5)



Filmdaten

Mount St. Elias
(Mount St. Elias)

Österreich 2009
Regie, Drehbuch, Produzent und Schnitt: Gerald Salmina;
Mitwirkende: Axel Naglich, Jon Johnston, Peter Ressmann, Paul Claus, Steven Siig, Ruedi Homberger, Günther Göberl, Volker Holzner, Beat Kammerlander u.a.;
Kamera: Günther Göberl, Michael Kelem, Franz Recktenwald, Gerald Salmina, Peter Thompson;

Länge: 104 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; deutscher Kinostart: 18. November 2010



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Zitat

"Warum bin ich so gut darin, Zicken zu spielen? Ich denke, es liegt daran, dass ich keine Zicke bin. Vielleicht ist das der Grund, warum Joan Crawford immer Ladies spielt."

("Why am I so good at playing bitches? I think it's because I'm not a bitch. Maybe that's why Joan Crawford always plays ladies.")

Schauspielerin Bette Davis, 30. Todestag am 6. Oktober 2019, mit einer Spitze gegen ihre Dauerrivalin Crawford

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