03.06.2021

Milarepa

Eigentlich ist Neten Chokling ein hoher buddhistischer Würdenträger, ein Rinpoche (bedeutet übersetzt "Lehrer"). Nun weitet der Mönch seinen religiösen Lehrauftrag auf das bewegte Bild aus und erzählt in seinem Regie-Debüt "Milarepa" einen alten Mythos, der im tibetischen Buddhismus von großer Bedeutung ist.

Im elften Jahrhundert erblickt ein tibetischer Junge namens Thöpaga das Licht der Welt – sein Vater verstirbt kurz darauf. Die Verwaltung des Erbes hatte dieser bis zur Volljährigkeit des Jungen auf den Onkel übertragen; doch als der Sohn erwachsen ist, betrügt der Onkel die Familie. Angetrieben von starken Rachegelüsten, die seine Mutter befeuert, verlässt Thöpaga sein Heimatdorf, um die Künste der Magie zu erlernen. Als er diese schließlich beherrscht, nimmt er erfolgreich Rache an den Menschen, die ihn und seine Mutter gedemütigt haben. Es dauert jedoch nicht lange, bis Thöpaga feststellt, dass die ausgeführte Rache ihn nicht glücklich macht. In der Schule eines alten Mönchs festigt er diese spirituelle Einsicht, um sie fortan unter dem Namen Milarepa zu verbreiten.

Im Grunde ist "Milarepa" nicht mehr als die einfache Bebilderung dieser in Tibet sehr berühmten Sage. Die dramaturgisch eindeutig konstruierte und klare Erzählhaltung erweist sich dabei als Vorteil des Films, die hölzerne, oft unbeholfene und daher ziemlich langweilige ästhetische Umsetzung relativiert diesen Eindruck jedoch schnell: Um welche filmische Ausdrucksmöglichkeit es sich auch handelt, Neten Chokling bringt sie allenfalls zu Schulbuch-mäßiger Anwendung. Vor allem das dröge Schauspiel steht einer ungestörten Rezeption entschieden im Weg, da die zumeist von schwerfällig agierenden Laien gespielten Figuren keinerlei emotionale Teilhabe zulassen. Für den/die Betrachter/in bleibt so am Ende nur die unbefriedigende Erkenntnis, dass Neten Chokling das Gleichnis lieber vorlesen als verfilmen sollte.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * (2 von 5)



Filmdaten

Milarepa
(Milarepa)

Bhutan 2006
Regie: Neten Chokling;
Darsteller: Orgyen Tobgyal, Kelsang Chukie Tethtong, Jamyang Lodro, Jamyang Nyima Tashi u.a.;
Drehbuch: Neten Chokling, Tenzing Choyang Gyari; Produzent: Raymond Steiner; Kamera: Paul Warren; Musik: Joel Diamond; Schnitt: Suzy Elmiger;

Länge: 90 Minuten; deutscher Kinostart: 23. September 2010



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"Einen Film auf der Mattscheibe zu sehen, das ist etwa so, als würde man einen van Gogh auf einer Briefmarke betrachten."

Schauspieler Jean-Paul Belmondo (9. April 1933 - 6. September 2021)

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