21.08.2018
Psychedelischer Trash-Horror

Mandy (2018)


Mandy (2018): Nicolas Cage In seinem zweiten Spielfilm versucht Panos Cosmatos alles, um dem Publikum eine filmische Vision seelischer Abgründe zu eröffnen. Die erschreckendste Manifestation irdischen Grauens, die sein psychedelischer Trash-Horror zustande bringt, ist ein mit gelbem Plüsch bezogener Klodeckel. Dessen Eigentümer Red Miller (Nicolas Cage) trinkt verständlicherweise medizinischen Alkohol direkt aus der Flasche. Doch kein Fusel ist so stark wie der Schmerz des harten Holzfällers über den Mord an seiner Liebsten Mandy (Andrea Riseborough). Red sieht Rot und beschreitet den blutigen Pfad der Rache.

Die gilt dem perversen Sektenführer Jeremy (Linus Roache) und dessen fanatischen Anhängern. Ein Mann gegen alle! Alle sind zwar nur fünf Leute, darunter eine Oma (Owlen Fouere) und ein apathisches Mädchen (Hayley Saywell), was die Gegner auf drei reduziert, aber hey, besser als nichts. Ein King-Crimson-farbener Mond hebt sich über die Shadow Mountains des Jahres 1983, während Jóhann Jóhannssons synthesizerlastiger Soundtrack die (alb)traumartige Szenerie in unheilschwangere Schwermut tränkt. Scheint der Heavy-Metal-Pathos auf die Spitze getrieben, brüllt vor der Gebirgssilhouette Lizzie, der Tiger.

Mandy (2018) Doch Selbstparodie gesteht sich der Regisseur niemals ein. Nicht, wenn Red eine eigene Streitaxt schmiedet, nicht, wenn ihm sexy Zeichentrick-Mandys erscheinen, nein, nicht mal der Kampf gegen einen Monster-Biker mit Messer-Phallus. Cage chargiert sich durch die hypermaskuline Karikatur eines Schmerzensmanns mit Stacheldrahtkrone in einer Splatter-Romanze, deren hyperstilisierte Ästhetik zum bizarren Faszinosum wird. Die halluzinative Atmosphäre mystifiziert das Potpourri aus Bibelphrasen, Rockreferenzen und Kettensägen schwingenden Jesus-Freaks. In der Hillbilly-Hippie-Hölle ist Gewalt das Metronom, dessen hypnotischer Rhythmus einlullt, bis poetische Prätention über die Groteske triumphiert.  

Lida Bach / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Koch Films

 
Filmdaten 
 
Mandy (2018) (Mandy (2018)) 
 
USA 2018
Regie: Panos Cosmatos;
Darsteller: Nicolas Cage (Red), Andrea Riseborough (Mandy), Linus Roache (Jeremiah Sand), Bill Duke (Caruthers), Richard Brake (der Chemiker), Clément Baronnet (Bruder Klopek), Ned Dennehy (Bruder Swan), Ivailo Dimitrov (Skratch), Olwen Fouere (Mutter Marlene) Alexis Julemont (Bruder Hanker), Line Pillet (Schwester Lucy), Hayley Saywell (Sis) u.a.;
Drehbuch: Panos Cosmatos, Aaron Stewart-Ahn; Produzenten: Nate Bolotin, Daniel Noah, Adrian Politowski, Josh C. Waller, Elijah Wood; Kamera: Benjamin Loeb; Musik: Jóhann Jóhannsson; Schnitt: Brett W. Bachman;

Länge: 121 Minuten; FSK: noch nicht bekannt; ein Film im Verleih von Koch Films; deutscher Kinostart: 1, November 2018; Eröffnungsfilm des Fantasy Filmfests 2018



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<21.08.2018>


Zitat

"Er etablierte eine Form der Filmkritik, wie es sie vorher und nachher nicht mehr gab. Merker bestand darauf, bei der Auswahl der Filme und der Ausschnitte freie Hand zu haben - was heutzutage, im Zeitalter der immer gleichen Clips, undenkbar ist. Jahrelang gaben sogar die großen Verleihe nach, weshalb Hollywood bei ihm eine ebenso große Rolle spielte wie unabhängig gedrehte, schützenswerte Werke. Helmut Merker mochte nicht einzelne Filme, sondern er liebte das Kino."

Aus dem Nachruf von Milan Pavlovic in der Süddeutschen Zeitung zum Tode des früheren WDR-Filmredakteurs, Filmpublizisten und
-kritikers Helmut Merker (18.08.1942 - 03.09.2018)

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