24.10.2013
Es war zweimal in Mexiko

Machete Kills


"Es gibt nur einen Machete", knurrt Danny Trejo als Machete in Robert Rodriguez' Fortsetzung seiner eponymen Grindhouse-Hommage und trifft damit ahnungslos die kontextuelle Ironie, die "Machete Kills" buchstäblich mit aller Gewalt erreichen will. So ist der pauschalste der Subjektsätze des mimisch armen Anti-Helden der armselige Höhepunkt der filmischen Trash-Tour durch Mexiko und grenznahe Teile der USA.

Machete Kills: Danny Trejo Bedenklich bei einem Film, der nur aus Höhepunkten bestehen möchte, und dieses Ansinnen im gewollt grobmotorischen Stil der Kameraführung vorbuchstabiert. Erstes Symptom des unerreichten Selbstanspruchs ist der Trailer. Wenn danach einfach Schluss wäre und irgendein Kinofilm begänne, wäre "Machete Kills" richtig cool. Rodriguez, der sich mit jeder Szene zu seinem hauseigenen Mainstream-Metatext gratuliert, hätte sich obendrein beglückwünschen können, dass sein Sequel besser wäre als der Vorgänger. Der fiel gegenüber dem Retorten-Trailer, aus dem die Idee zu den abendfüllenden "Machete"-Filmen geboren wurde, allerdings so ernüchternd aus, dass es dazu nicht viel gebraucht hätte. Im Gegenteil hätte die Splatter-Action oft weniger gebraucht; vor allem weniger schrille Typen, denn die werden wie William Sadlers Sheriff Doakes und Vanessa Hudgens' Prostituierte Cereza zu schnell verschlissen oder kommen wie Cuba Gooding Jr., Walton Goggins, Antonio Banderas und Lady Gaga als Maskeraden des Killers El Camaléon nie wirklich zum Zuge.

Machete Kills: Amber Heard Nach einem flüchtigen Wiedererkennungslächeln ermüden die One-Liner noch mehr als die stumpfen Figuren: die einäugige Luz alias Shè (Michelle Rodriguez) ist immer noch Machetes knallharte Kampfgefährtin, Alexa Vega ist noch so niedlich wie in Rodriguez "Spy Kids"-Trilogie, nur mit besserem Outfit und dem besseren Namen "KillJoy", Jessica Alba als Sartana ist so schnell tot, dass die Information kein Spoiler ist. Überdruss vermitteln auch die Darsteller, von denen die meisten dabei zu sein scheinen, weil sie dem Regisseur, Drehbuchautor und Produzenten in Personalunion einen Gefallen schulden. Der Rest nutzt das reißerische Spektakel um einen bipolaren Unterweltboss (Damien Bichir), der den Zünder einer auf das Weiße Haus gerichteten Rakete ans Herz gekoppelt trägt, einen hellsichtigen Waffentechnologen namens Luther Voz (Mel Gibson) und Charlie Sheen, der als schmieriger Präsident unter seinem Geburtsnamen Carlos Estevez agieren darf, als Schaukasten für ihre kollegiale Scherzhaftigkeit. Am besten gelingt das Sofia Vergara als prosthetisch bewaffnete (weil das in "Planet Terror" ja schon so gut funktionierte) Bordellbesitzerin Madame Desdemona und Amber Heard als Undercover-Agentin Miss San Antonio.

Machete Kills: Danny Trejo, Michelle Rodriguez Ihr Quickie mit Machete verrät die ganze heuchlerische Angepasstheit und Verklemmtheit des pseudo-provokativen Blockbusters, der sich einbildet, es sei ein wildes, schmutziges B-Movie. In einem solchen wäre die einzige Sexszene nicht durch Farbschlieren zensiert, nackte Haut wären nicht nur die PG13-Körperareale und die zahlreichen Tötungen wären realistischer als in Tom-und-Jerry-Cartoons. Die Kluft zwischen Realität und Ideal ist so gravierend wie in dem Mexploitation-Movie. "Das Gesetz und Gerechtigkeit sind nicht immer dasselbe", heißt es gleich zweimal, da Rodriguez augenscheinlich nicht bis "Machete Kills in Space" damit abwarten kann, sich selbst zu zitieren. Reichlich Gelegenheit dazu hat er wohl spätestens im Schlussteil der Trilogie, deren schwaches Mittelstück nicht mal die eigenen Handlungsfäden zusammenhalten kann. Die endlosen Showdowns spulen sich austauschbar ab, wie das Eliminieren der Klon-Krieger, die der zum Darth-Vader-Abklatsch mutierende Voz auf Machete loslässt. In ähnlicher Lage fühlt man sich angesichts des filmischen Machete (Over)kills: Kaum ist der eine bewältigt, wartet der nächste. Selbst davon hat "Machete Kills" zu viel: Machete. Der war wie gesagt mal richtig witzig – in Trailerlänge.  

Lida Bach / Wertung: * * (2 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Universum Film

 
Filmdaten 
 
Machete Kills (Machete Kills) 
 
USA / Russland 2013
Regie: Robert Rodriguez;
Darsteller: Danny Trejo (Machete), Mel Gibson (Luther Voz), Demian Bichir (Mendez), Amber Heard (Miss San Antonio), Michelle Rodriguez (Luz), Sofía Vergara (Desdemona), Carlos Estevez alias Charlie Sheen (Mr. President), Lady Gaga (La Camaleón), Antonio Banderas (El Camaleón 4), Walt Goggins (El Camaleón 1), Cuba Gooding Jr. (El Camaleón 2), Vanessa Hudgens (Cereza), Alexa Vega (KillJoy) u.a.;
Drehbuch: Kyle Ward nach der Story von Robert Rodriguez und Marcel Rodriguez; Produzenten: Sergei Bespalov, Aaron Kaufman, Iliana Nikolic, Alexander Rodnyansky, Robert Rodriguez, Rick Schwartz; Kamera: Robert Rodriguez; Musik: Carl Thiel, Robert Rodriguez; Schnitt: Rebecca Rodriguez, Robert Rodriguez;

Länge: 107,22 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; ein Film im Verleih der Universum Film GmbH; deutscher Kinostart: 19. Dezember 2013



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<24.10.2013>


Zitat

"Feigheit macht jede Staatsform zur Diktatur."

Regisseur Wolfgang Staudte

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