25.02.2019
Alp-Traum

Lysis


Film Lysis: Louis Hofmann, Oliver Masucci Wenn der Vater mit dem Sohne. An den Titel des Films mit Heinz Rühmann aus dem Jahr 1955 könnte Regisseur Rick Ostermann gedacht haben, als er "Lysis" konzipierte. Denn ein Vater (Oliver Masucci) und sein 16-jähriger Nachwuchs (der zum Zeitpunkt des Drehs 21-jährige Louis Hofmann) verreisen zusammen. Geplant ist eine Rafting-Tour irgendwo in den Alpen. Geplant vom Vater. Der Sohn kam mit und weiß selbst nicht, warum, er bereut es schon bald und wird pubertätsbedingt rebellieren. Im Gegensatz zum Rühmann-Film ist "Lysis" kein angenehmer Film, keine Komödie.
Der 1978 geborene Rick Ostermann, der schon Spielfilm-Erfahrung mit u.a. "Wolfskinder" (2012) hat, drehte einen handwerklich perfekten Film und verließ sich dabei komplett auf seine beiden Schauspieler, die alles improvisieren. Und nicht nur das, die Credits nennen sie auch als die einzigen Kameraleute: Zwei Helmkameras und eine Standkamera wechseln sich je nach Situation ab. Der Vater will mit diesen eine private Dokumentation über die Wiederkehr in das Leben seines Filius drehen, was der Sohn des Öfteren kritisiert.

"Lysis" ist Platons Dialog-Werk über Freundschaft, die auch Sex mit einschließen kann. Nur zu Anfang des gleichnamigen Films sieht der Zuschauer mehrere Personen. In einem klaustrophobisch engen Gasballon über den Alpen. Mit Klaustrophobie wird es weitergehen, aber nicht mehr in einem engen Raum, die endlose Weite und Menschenleere der Alpen wird zum Alptraum. Der Vater und sein Sohn lassen sich aus dem Ballon abseilen. Der Filius trägt für den Ort unpassende Kleidung, einen schwarzen Anzug, denn er kommt von der Beerdigung seiner Mutter nach deren Unfalltod, den er miterlebt hat. Beide werden sich nie bei Namen nennen, bleiben namenlos. So wie Robert Redfords Figur in "All Is Lost"; so wie diese sind auch die beiden bald verloren, es wird ein Zwei-Personen-Stück, das an Drama zunehmen wird. Der Vater erläutert, warum sein Sohn ihn zehn Jahre nicht bei sich hatte, der Vater dadurch ein Fremder blieb: Die Mutter behauptete, er sei pädophil und hätte den Sechsjährigen angefasst. Glaubwürdig kann der Vater die Vorwürfe entkräften, aber damit wird deren Zwangszusammenkunft nicht besser. Bald geht es ums pure Überleben.

Neben den beiden Darstellern spielt die archaische Landschaft die Hauptrolle: In ihrer Ursprünglichkeit und Menschenferne wird sie zur Gefahr für beide. In ihr sind die Familienmitglieder auf sich gestellt, auf sich angewiesen, während ein Konflikt brodelt: pubertäre Rebellion versus Versuch der Wiederannäherung. Von diesem Kontrast lebt der Film, leben die Dialoge, Ostermann studiert in "Lysis" zwischenmenschliches Verhalten in Extremsituation, indem er die beiden Darsteller einfach mal machen lässt. Und dies funktioniert.

Über das auf den ersten Blick fade wirkende, aber in Wirklichkeit intelligente Ende sei so viel verraten: Es klärt, ob der Sohn den Begleiter als Vater akzeptieren wird. In absoluter Not.  

Michael Dlugosch / Wertung: * * * * (4 von 5) 
 

Quelle des Fotos: Zum Goldenen Lamm Filmproduktion GmbH & Co. KG

 
Filmdaten 
 
Lysis  
 
Deutschland 2018
Regie: Rick Ostermann;
Darsteller: Oliver Masucci, Louis Hofmann, Komparsen im Gasballon;
Produzenten: Stefan Sporbert, Rüdiger Heinze; Kamera: Oliver Masucci, Louis Hofmann; Musik: PC Nackt; Schnitt: Julia Dupuis, Barbara Gies;

Länge: 92 Minuten; FSK: noch nicht bekannt; deutscher Kinostart: noch nicht bekannt



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Ein Wettbewerbsfilm beim
<25.02.2019>


Zitat

"Ich kannte sie, bevor sie Jungfrau wurde."

Ein Zitat zu Doris Day (3. April 1922 - 13. Mai 2019), das laut Wikipedia ihrem ehemaligen Leinwandpartner Oscar Levant zugeschrieben wird.

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