20.06.2015
Die Kämpfer

Liebe auf den ersten Schlag


Der deutsche Titel ist irreführend: Denn beim "ersten Schlag" (in einem Selbstverteidigungskurs am Strand) verlieben sich Arnaud und Madeleine noch keineswegs ineinander. Arnaud meint: "Wenn alle Tussis diesen Sommer so drauf sind, kann ich nur sagen: Vive la France!" "Les combattants" heißt "Die Kämpfer", aber diesen Titel hielt der Verleih wohl für wenig attraktiv.

Liebe auf den ersten Schlag Nach dem Tod seines Vaters arbeitet Arnaud (Kévin Azaïs) mit seinem Bruder im Familienbetrieb, einer Schreinerei, die sie zusammen fortführen sollen. Am Strand lernt er die hübsche, aber sehr abweisende Madeleine (Adèle Haenel) kennen und trifft sie bald wieder, als er für ihre Eltern ein Poolhaus bauen soll. Seine Gefühle für Madeleine erwachen und werden stärker, sie aber reagiert darauf überhaupt nicht. Sie glaubt nämlich, dass das Ende der Welt kurz bevorsteht, und möchte die Zeit nutzen, um das zu erlernen, was man zum Überleben auf einer zerstörten Erde braucht. Dafür schreibt sie sich bei der französischen Armee zu einem zweiwöchigen Survival-Training ein. Arnaud folgt ihr. Bei den militärischen Übungen kommt es zu weiteren Reibereien, schließlich verlassen beide das Camp und leben einige Zeit im Wald, wo klar wird, dass sie sich lieben, und es auch zum ersten Sex kommt. Bei einem Waldbrand rettet Arnaud seiner Freundin das Leben, man blickt in die gemeinsame Zukunft der beiden.

Liebe auf den ersten Schlag Die ungewöhnliche Liebesgeschichte lebt von dem zunächst unüberbrückbar erscheinenden Gegensatz zwischen den beiden Protagonisten. Vom traditionellen Rollenbild bleibt nichts übrig, was den Film außergewöhnlich macht und das Interesse des Zuschauers wachhält: Madeleine ist cool, taff, kratzbürstig, unnahbar – die junge Schauspielerin Adèle Haenel schafft es, fast den ganzen Film über kein einziges Mal zu lächeln. Arnaud ist zurückhaltend, sensibel, lieb und sanftmütig, er nimmt das Leben leicht. Kévin Azaïs spielt ihn entsprechend unaufdringlich und mit verhaltener Emotion. (Beide Akteure wurden übrigens für ihre Darstellung mit dem "César" ausgezeichnet.) Der Film zeigt mit viel Charme und sparsam eingesetzter Situationskomik die langsame Annäherung dieser beiden unterschiedlichen Streithähne, deren positiven Ausgang man natürlich von Anfang an ahnt.

Es ist das Spielfilmdebüt des Regisseurs Thomas Cailley, der in dieser eigenwilligen Mischung aus Militärkomödie und Liebesstory schon seine Könnerschaft beweist. Auch er bekam den "César". Zum Erfolg des Films tragen der passende Soundtrack und vor allem die perfekte Kameraführung von David Cailley bei: die Bilder aus der rauen, ins Sonnenlicht getauchten Pyrenäenlandschaft sind berauschend.

Der Film lebt natürlich auch vom Rahmen der Liebesgeschichte, hier werden immer wieder kleine Geschichten eingefügt und originelle Typen vorgestellt, z.B. zu Beginn der Verkäufer im Sarggeschäft, wo die Brüder sich kenntnisreich über die Modelle äußern, alle für zu schlecht oder zu teuer erachten und beschließen, selbst für den Vater einen Sarg zu bauen. Oder beim Militär, als Lieutenant Schliefer markig erklärt, wo's langgeht.

Insgesamt ist diese Coming-of-age-Geschichte eine gelungene Komödie, die nur manchmal ein wenig eindimensional wirkt. Die Rolle des Militärs wird etwa an keiner Stelle problematisiert.  

Manfred Lauffs / Wertung: * * * * (4 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Tiberius Film

 
Filmdaten 
 
Liebe auf den ersten Schlag (Les combattants) 
 
Frankreich 2014
Regie & Drehbuch: Thomas Cailley;
Darsteller: Adèle Haenel (Madeleine), Kévin Azaïs (Arnaud), William Lebghil (Xavier), Antoine Laurent (Manu Labrède), Brigitte Roüan (Hélène Labrède), Thibault Verducat (Victor), Nicolas Wanczycki (Lieutenant Schliefer) u.a.;
Produzent: Pierre Guyard; Kamera: David Cailley; Musik: Lionel Flairs; Schnitt: Lilian Corbeille;

Länge: 98,01 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih der Tiberius Film GmbH; deutscher Kinostart: 2. Juli 2015



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Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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