11.06.2021

Leave It on the Floor

Gewissermaßen ist "Leave It on the Floor" das fiktionale Gegenstück zum Dokumentarfilm "Paris Is Burning" aus dem Jahr 1990. Während Letzterer die New Yorker Ballroom-Szene in einem dokumentarischen Porträt thematisiert, nimmt das Kinodebüt von Sheldon Larry die Ballroom-Szene von Los Angeles als Setting für einen energiegeladenen und queeren Musical-Film. Im Vordergrund stehen dabei die regelmäßigen Tanz- und Gesangseinlagen zu Popmusik von Kimberly Burse und die zugehörigen Choreographien von Frank Gaston, beides Mitarbeiter aus dem Umfeld von Beyoncé.

Naturgemäß spielt die Geschichte um Brad (Ephraim Sykes) nur die zweite Geige. Der junge Afroamerikaner stempelt sich selbst zum Verlierertypen ab und fliegt wegen seiner Homosexualität aus dem mütterlichen Heim. Durch eine Bekanntschaft mit Carter (Andre Myers) und Princess Eminence (Phillip Evelyn) entdeckt Brad die Ballroom-Kultur und findet zwischen Ausgestoßenen, Drag Queens und Heimatlosen eine Ersatzfamilie, die sich um die taffe Queen Latina (Miss Barbie-Q) gruppiert hat. Neben den Vorbereitungen für das nächste Schaulaufen mit Punktwertung bahnt sich ein unglückliches Liebesdreieck zwischen Brad, Carter und Princess an.

Wenngleich die Story rudimentär bleibt, entwickeln die Haupt- wie Nebenfiguren eine starke Ausstrahlungskraft. Das liegt vor allem an den charismatischen (Laien-)Darstellern, den extravaganten Kostümen und den gelungenen Gesangseinlagen voller Glitter und Wimperntusche – vorausgesetzt, es besteht keine grundsätzliche Abneigung gegen derlei Szenen. Der thematische Kern kreist um die familiären Schwierigkeiten, die ein abseits der (sexuellen) Norm liegendes Lebenskonzept auch in heutiger Zeit mit sich bringen kann. Für quasi alle der Figuren fungiert die Gruppe um Queen Latina als Familienersatz, während der Kontakt zur Vergangenheit abgebrochen ist. In einer zentralen Szene – der stärksten von "Leave It on the Floor" – prallen beide Welten unversöhnlich aufeinander und Regisseur Sheldon Larry bringt das erzählerische Herz seines Musicals auf den Punkt.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * (3 von 5)



Filmdaten

Leave It on the Floor
(Leave It on the Floor)

USA/Kanada 2011
Regie: Sheldon Larry;
Darsteller: Ephraim Sykes (Bradley Darnell Lyle), Andre Myers (Carter), Phillip Evelyn II (Princess Eminence), Barbie-Q (Queen Latina), Cameron Koa (Duke Eminence), James Alsop (Eppie Durall), Metra Dee (Deondra Lyle), Demarkes Dogan (Caldwell Jones) u.a.;
Drehbuch: Glenn Gaylord; Produzenten: Gabriel Blanco, Glenn Gaylord; Kamera: Tom Camarda; Musik: Kimberly Burse; Schnitt: Charles Bornstein;

Länge: 105 Minuten; deutscher Kinostart: 18. Oktober 2012



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"Einen Film auf der Mattscheibe zu sehen, das ist etwa so, als würde man einen van Gogh auf einer Briefmarke betrachten."

Schauspieler Jean-Paul Belmondo (9. April 1933 - 6. September 2021)

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