15.08.2000


Lang lebe Ned Devine


Lang lebe Ned DevineIn dem irischen Dorf Tullymore ist die heimelige Idylle verflogen. Der Jackpot in der Lotterie ist geknackt und die "Irish Times" berichtet, der Glückspilz komme aus Tullymore. Das Provinznest zählt gerade mal 52 Bewohner. Wer ist der Gewinner? Das fragen sich Jackie O´Shea (Ian Bannen) und Michael O´Sullivan (David Kelly), die so gerne selbst mal den Jackpot gewinnen würden.


Aber da auch ein Lottogewinner als Freund nicht schaden kann, wollen die beiden zu den ersten Gratulanten gehören. Beim gemütlichen Essen und Trinken soll sich der Gewinner verraten. Aber nichts. Doch einer ist der Einladung nicht nachgekommen. Ned Devine. Während der Ziehung der Lottozahlen ist der alte Fischer vor dem Fernseher vor Schreck gestorben. Denn Ned hat das Gewinner-Los, das so verlockend aus seiner Hand ragt, dass Jackie und Michael auf die Idee kommen, einfach den kompletten Gewinn selbst einzukassieren. Den beiden kommen aber schon bald Zweifel, und sie ändern den Plan. Das ganze Dorf soll an den Millionen teilhaben. Das ist aber nicht einfach: so manche Dorfbewohnerin hat Bedenken, und der Typ von der Lotteriegesellschaft will den Gewinn nur an Ned Devine auszahlen.

Das Kinodebüt des Regisseurs Kirk Jones besticht vor allem durch die originellen Charaktere. Bannen und Kelly, die in den Rollen des Jackie und Michael richtig aufzugehen scheinen, erinnern an das Filmduo Matthau & Lemmon. Sie wirken wie ein altes Ehepaar. Kurzfristig ersetzt Michael sogar Jackies Frau im Ehebett. Ihre Suche nach dem Glückspilz des Dorfes bietet Platz für allerlei heitere Szenen. Die Mimik des Theaterschauspielers Kelly lässt kein Auge trocken.

Witzige Protagonisten machen aber noch keine Geschichte, die eher dünn ausfällt. Zwei auf der Suche nach dem Glückspilz, ein Dorf im Lottofieber und jede Menge kleine Handlungsstränge, die aber kaum ins Gewicht fallen. Da gibt es nämlich noch "Pig Finn" (James Nesbitt), den ewig stinkenden Schweinehirten, der so gerne Maggie (Susan Lynch) heiraten will. Doch sein Gestank, den keine Seife beheben kann, stößt Maggie regelmäßig übel auf. Die Liebesgeschichte zwischen Finn und Maggie ist unnötig für den Plot, dafür hätte man lieber noch mehr Szenen mit Jackie und Michael gesehen.

Lang lebe Ned Devine Die britische Komödie, die das irische Tullymore kurzerhand auf die britische Isle of Man verlegte, ist gespickt mit wunderschönen Landschaftsbildern und hat einen Humor, der ganz in der Tradition der neuen britischen Filme steht. Die Komödie hätte sogar richtig schwarz werden können, als Jackie und Michael versuchen, dem toten Devine noch ein letztes Lächeln abzuringen. Aber der bitterböse Humor bleibt leider in den Ansätzen stecken. Trotz fehlenden Tiefgangs ist "Lang lebe Ned Devine" eine sehr unterhaltsame Komödie über Freundschaft, Liebe und Solidarität mit witzigen Pointen.

 
Bastian Heinsohn / Wertung: * * * * (4 von 5)

Quelle der Fotos: Kinowelt


Filmdaten

Lang lebe Ned Devine
(Waking Ned / Waking Ned Devine)

GB / Frankreich / USA 1998
Regie und Drehbuch: Kirk Jones;
Darsteller: Ian Bannen (Jackie O'Shea), David Kelly (Michael O'Sullivan), Fionnula Flanagan (Annie O'Shea), Susan Lynch (Maggie), James Nesbitt (Finn), Maura O'Mally (Mrs. Kennedy) u.a.; Kamera: Henry Braham; Musik: Shaun Davey; Schnitt: Alan Strachan;

Länge: 91 Minuten; FSK: ab 6 Jahren




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Weitere Rezension zum Film
Von Thomas Willems
Wertung: * * * * * (5 von 5)  



Zitat

"Er etablierte eine Form der Filmkritik, wie es sie vorher und nachher nicht mehr gab. Merker bestand darauf, bei der Auswahl der Filme und der Ausschnitte freie Hand zu haben - was heutzutage, im Zeitalter der immer gleichen Clips, undenkbar ist. Jahrelang gaben sogar die großen Verleihe nach, weshalb Hollywood bei ihm eine ebenso große Rolle spielte wie unabhängig gedrehte, schützenswerte Werke. Helmut Merker mochte nicht einzelne Filme, sondern er liebte das Kino."

Aus dem Nachruf von Milan Pavlovic in der Süddeutschen Zeitung zum Tode des früheren WDR-Filmredakteurs, Filmpublizisten und
-kritikers Helmut Merker (18.08.1942 - 03.09.2018)

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