08.02.2013
Am Beckenrand

La Piscina


"Schau dir das Wetter an", sinniert eine der Figuren, für die Carlos Machado Quintelas "La Piscina" zum Zentrum ihres kümmerlichen Lebens geworden scheint. Das Wetter ist das einzige, das sich im trägen Spielfilmdebüt des venezolanischen Regisseurs verändert. Die vier jugendlichen Protagonisten und ihr in sich gekehrter Schwimmlehrer (Raúl Capote) wirken psychologisch noch unveränderlicher und eintöniger als die titelgebende Szenerie der schleppenden Diaschau.

La Piscina Die Handlung erschöpft sich in der zähen Bebilderung der regelmäßigen Besuche, die der am Down-Syndrom leidende Danny (Marcos Costa), der gehbehinderte Rodrigo (Felipe García), die herausfordernde Beinamputierte Diana (Mónica Molinet) und Oscar (Carlos Javier Martínez), den sie beide wegen seines hartnäckigen Schweigens schikanieren, einem ärmlichen Schwimmbad abstatten. "Ich mag die Ferien", kommentiert Rodrigo, gleichsam um einen vagen Zeitkontext zu liefern, und Diana erwidert: "Wer nicht?" Wahrscheinlich jeder, der die unendlich dröge Chronik fünf ereignis- und zielloser Leben mitansehen muss. Das Wasserbecken glitzert, die Stimmung an seinem Rand bleibt trübe. Ob die physischen und psychischen Handicaps der Protagonisten, die mehr Holzschnitten als lebendigen Charakteren gleichen, oder ein übergreifendes Ereignis Ursache der spürbaren Missstimmung ist, verraten die immer gleichen Kameraperspektiven nicht.

La Piscina Diana kichert ständig aus unersichtlichem Grund gehässig und steigert sich bei einem Imbissbesuch der Schwimmgesellschaft in ein willkürliches Hamburger-Wettessen mit Danny. Der erzählt dem schweigsamen Oscar von seinen romantischen Gefühlen für Diana, die er in sich verliebt glaubt, obwohl sie beiläufig mit Rodrigo flirtet. "Dir wird nie langweilig, oder?", fragt ihr namenloser Lehrer, für den das Unterrichten der Außenseitergruppe eine Art selbstauferlegter Strafe scheint. Letztes ist das seichte Abfilmen uniformer Lustlosigkeit für den Betrachter, dem im Gegensatz zu Diana schon nach den ersten Minuten langweilig wird. Die Vorliebe der Protagonisten für den Handlungsschauplatz, dessen Unattraktivität die innere Schäbigkeit der unsympathischen Figuren spiegelt, bleibt rätselhaft. "Er kann sich gar nicht losreißen vom Pool", bemerkt Dannys skeptische Mutter. Einem selbst geht es da anders während der kaum 70 Filmminuten, in denen einer der Jugendlichen mit wünscht: "Es sollte immer diese Tageszeit sein." Gefühlt ist es das während des sich quälend in die Länge ziehenden Geplänkels bei Regen, Wind und Sonnenschein.

Machado Quintela inszeniert "La Piscina" als einen Ort außerhalb jedes greifbaren sozialen oder individuellen Kontextes. Die jungen Darsteller können mit ihrem eher linkischen Spiel die Leere der langatmigen Handlungen und sporadischen Wortwechseln, die vor dem monotonen Hintergrund beinahe abstrakt erscheinen, unmöglich füllen. Das leise Gluckern während des Abspanns verweist auf den endlosen Fortgang der Apathie am Titelort. Dass die Protagonisten das durchstehen, erstaunt nicht nur den Kinobesucher. Wie es einmal im Schwimmbad heißt: "Guck mal, die sind immer noch am Pool."  

Lida Bach / Wertung:  0 von 5 
 

Quelle der Fotos: Berlinale

 
Filmdaten 
 
La Piscina (La Piscina) 
 
Kuba / Venezuela 2012
Alternativtitel: The Swimming Pool / Der Pool
Regie: Carlos Machado Quintela;
Darsteller: Raúl Capote (Esteban), Mónica Molinet (Diana), Felipe García (Rodrigo), Carlos Javier Martínez (Oscar), Marcos Costa (Dani) u.a.;
Drehbuch: Abel Arcos; Kamera: Raúl Rodriguez;

Länge: 66 Minuten; deutscher Kinostart: noch nicht bekannt



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der Film im Katalog der Berlinale 2013
<08.02.2013>


Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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