22.01.2013
Ein Nichtschwimmer als Abenteurer auf dem Pazifik

Kon-Tiki


4300 Seemeilen, 8000 Kilometer, 101 Tage. Das sind die Fakten, aus denen der neue Film des Regisseuren-Duos Joachim Rønning und Espen Sandberg gemacht ist – und der eine der unglaublichsten Expeditionen des 20. Jahrhunderts nacherzählt:

Kon-Tiki: Thor Heyerdahl, gespielt von Pål Sverre Valheim HagenAls der Norweger Thor Heyerdahl 1947 von Callao, Peru aus auf einem primitiven Holz-Floß in See stach, um den Pazifik zu überqueren, hielten ihn manche seiner Zeitgenossen für wagemutig, die meisten jedoch für schlichtweg verrückt. Heyerdahl wollte eine These belegen, mit der er zuvor in der ethnologischen Fachwelt auf vernichtende Ablehnung gestoßen war: Statt an die Besiedlung der Polynesischen Inseln von Asien aus zu glauben, vertrat Heyerdahl die Meinung, dass die Gründungsväter Polynesiens auf Flößen aus Südamerika über den Pazifik gesegelt seien. Von seiner Annahme überzeugen konnte Heyerdahl zunächst jedoch nur den Peruanischen Präsidenten José Luis Bustamante als Financé seiner Reise und einer fünfköpfigen Crew. Deren Unerfahrenheit auf dem Wasser wurde nur noch vom Expeditionsführer selbst übertroffen: Heyerdahl war Nichtschwimmer.

Um die Reise so historisch korrekt wie möglich zu gestalten, verbat sich Heyerdahl die Verwendung moderner Materialien wie Stahlseile oder Navigationsgeräte. Navigiert wurde nach den Sternen wie 1500 Jahre zuvor. Einzige moderne Ausrüstung an Bord war ein Funkgerät, mit dem die Mannschaft phasenweise Kontakt zur Außenwelt hielt.

Kon-Tiki Als die Kon-Tiki nach knappen drei Monaten schließlich vor Raroira im polynesischen Tuamotu-Archipel strandete, bestätigte sich Heyerdahls These von der Besiedlung Polynesiens. Und seine Reise wurde schnell zur Legende: In 67 Sprachen übersetzt avancierte Heyerdahls Reisebericht KON-TIKI zum echten Bestseller, dessen Erfolg von dem gleichnamigen Dokumentarfilm 1952 als Oscar-Gewinner flankiert wurde.

Dementsprechend hoch waren die Erwartungen an die Fiktionalisierung des Abenteuer-Stoffes. Mehrmals drohte das Projekt am alternden Heyerdahl selbst zu scheitern, dessen Vetorecht den Drehbuchprozess wiederholt ins Stocken brachte und schließlich zu einem Film führte, der zwar der Legende Heyerdahl gerecht wird, doch dessen Person im Dunklen lässt: So wird Heyerdahl als unverwüstlicher Optimist dargestellt, den Naturgewalten, Haiangriffe und gefährliche Strömungen genauso unangefochten lassen, wie die Trennung von seiner Ehefrau Liv. Ähnlich flach bleiben die Auseinandersetzungen der auf engstem Raum zusammenlebenden Crew. Das ist bedauernswert vor allem deshalb, da die Anlage für psychologischen Tiefgang durchaus vorhanden ist. So macht den Männern ein drohender Expeditionskoller genauso zu schaffen wie ihre durch Kriegserlebnisse entstandene Traumatisierung.

Kon-Tiki: Anders Baasmo Christiansen als Herman Watzinger Dennoch ist "Kon-Tiki" kein Film, der unberührt lässt. So verstehen es die beiden Filmemacher gekonnt, selbst die vorhersehbarsten Ereignisse in einer Weise zu inszenieren, die diese aufregend neu und hochgradig spannend machen. Als Norwegens erfolgreichste Werbefilmer nutzt das Duo gekonnt eine Bildästhetik, die dem Ozean als vorwiegendem Handlungsort in seiner Perfektion und Mächtigkeit mehr als gerecht wird. Actionreich erzählt, entführt der Film in die atemberaubende Weite des Pazifiks, der in seiner gefährlichen Schönheit als heimlicher Hauptdarsteller des Films alles andere als enttäuscht.  

Antje Kuschpel     
 

Quelle der Fotos: DCM

 
Filmdaten 
 
Kon-Tiki (Kon Tiki) 
 
GB, Norwegen, Dänemark 2012
Regie: Joachim Rønning, Espen Sandberg;
Darsteller: Pål Sverre Valheim Hagen (Thor Heyerdahl), Anders Baasmo Christiansen (Herman Watzinger), Gustaf Skarsgård (Bengt Danielsson), Odd Magnus Williamson (Eric Hesselberg), Tobias Santelmann (Knut Haugland), Jakob Oftebro (Torstein Raaby), Agnes Kittelsen (Liv Heyerdahl) u.a.;
Drehbuch: Petter Skavlan, Allan Scott; Produzenten: Aage Aaberge, Jeremy Thomas; Kamera: Geir Hartly Andreassen; Musik: Johan Söderqvist; Schnitt: Per-Erik Eriksen, Martin Stoltz;

Länge: 113,49 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih der DCM Film Distribution GmbH; deutscher Kinostart: 21. März 2013



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Zitat

"Feigheit macht jede Staatsform zur Diktatur."

Regisseur Wolfgang Staudte

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