12.02.2018
Fragwürdige Moralvorstellungen

Königin von Niendorf


Königin von Niendorf: Lisa Moell Sind die doof. Die anderen Mädchen. Lea (Lisa Moell) kommt noch nicht in die Pubertät, wie es die Gleichaltrigen gerade tun. Sonst fährt die Zehnjährige immer mit ihren Freundinnen ins Ferienlager, wenn die Sommerferien beginnen. Sie bleibt allein in der brandenburgischen Dorfidylle zurück. Dort entdeckt sie eines Tages Jungs, die eine Bande bilden. Gerne würde Lea in diese aufgenommen werden, aber: Mädchen sind doof, sagen die Jungs. Da bleibt nur eins übrig: eine Mutprobe bestehen.
Die Regisseurin des Films, Joya Thome, hat einen einst berühmten Vater, den Filmemacher Rudolf Thome ("Rote Sonne"). Ihm macht sie aber mit ihrem Langfilmdebüt keine Ehre. Ganz im Gegenteil: Joya Thome hat fragwürdige Moralvorstellungen, mit denen sie in ihrem Kinderfilm die kleinen Zuschauer zum Nachahmen animiert. Als Entschuldigung kann nicht dienen, dass der Film schnell mit geringem Budget gedreht wurde.

Königin von Niendorf "Königin von Niendorf" feierte seine Weltpremiere beim Filmfestival Max Ophüls Preis 2017 in Saarbrücken. Das Kinopublikum war vom Film und seiner kleinen Heldin angetan. Es fragt sich nur, warum? Er ist mit 67 Minuten ein recht kurzer Kinderfilm, der nicht in den Wettbewerb gehört, da er die Botschaft mitbringt, dass alles, was Lea macht, nicht so schlimm ist. Lisa Moell als Lea hat den immer gleichen gelangweilten Gesichtsausdruck drauf, wenn sie die anderen Mädchen zu verachten beginnt. Wenn sie zur Bande bestehend nur aus Jungs will. Wenn sie eine erste Mutprobe macht: Sie legt sich zwischen Gleise und wartet einen über sie hinweg fahrenden Zug ab. Wenn sie bald darauf in ein Haus einbricht. Weil der Besitzer ein Geheimnis zu haben scheint. Ja, er hat eins. Sie verspricht dem Mann, ihn nicht als homosexuell zu outen. Sie tut es dennoch. So wie dies für sie und für den Mann folgenlos bleibt, bleibt alles, was Lea anstellt, ohne Konsequenzen. Zum Glück für sie – aber zum Nachahmen strikt nicht geeignet! Thome sieht das alles nicht so arg. Mutproben unter Zügen. In Häuser einbrechen. Outen.

"Bei 'Königin von Niendorf' war es für mich besonders reizvoll, den Kindern dabei zuzusehen, wie sie in all ihrer Natürlichkeit in einem verträumten Brandenburger Dorf ihren Sommer erleben. So haben wir bewusst viele Szenen nur grob formuliert und vor Ort mit den Kindern durch Improvisation entwickelt", erläutert Regisseurin Joya Thome. Die "Natürlichkeit" und die "Improvisation" führen im Film dazu, dass ein Mädchen aus Langeweile für die Bandenmitgliedschaft ziemlich viel Mist baut. Lea macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt. Aber für einen Vergleich mit Pippi Langstrumpf möchte der Film zu nah an der Realität dranbleiben. Ein Film, der daher nicht funktioniert.  

Michael Dlugosch / Wertung:  0 von 5 Punkten 
 

Quelle der Fotos: daredo media / Darling Berlin

 
Filmdaten 
 
Königin von Niendorf  
 
Deutschland 2017
Regie: Joya Thome;
Darsteller: Lisa Moell, Mex Schlüpfer, Denny Moritz Sonnenschein, Salim Fazzani, Elias Sebastian, Moritz Riek, Tino Mewes u.a.;
Drehbuch: Joya Thome, Philipp Wunderlich; Produzenten: Felix von Boehm, Joya Thome; Kamera: Lydia Richter; Musik: Conrad Oleak; Schnitt: Carola Sultan Bauermeister, Joya Thome;

Länge: 67,20 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih von daredo media; deutscher Kinostart: 15. Februar 2018



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<12.02.2018>


Zitat

"Gerade durch die digitale Revolution, bei der jeder Mensch in der Lage ist, seine Meinung überall öffentlich kundzutun, ohne dafür geradestehen zu müssen, neigen viele Menschen wieder dazu, sich für das Zentrum des Universums zu halten."

Schauspieler Christoph Waltz

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