18.01.2011
Ein Lied geht auf die Reise

Kent Nagano
– Montréal Symphony


Kent Nagano und Bettina Ehrhardt gehen auf Filmreise mit der "Montréal Symphony". Unsere Autorin Lida Bach hat das Zusammenspiel von Klang, Kunst und Natur in Ehrhardts Dokumentarfilm "Kent Nagano – Montréal Symphony" beobachtet.

Kent Nagano – Montréal Symphony Ankommen. Das ist was zählt. Wie das Ziel erreicht wird ist dabei sekundär. Das Transportmittel muss sich nach den äußeren Bedingungen richten, die Reisenden nach dem Transportmittel. Das kleine Propellerflugzeug auf dem Weg nach Neufundland fasst nur ein Dutzend Passagiere und einen Kontrabass. Kent Nagano ist der Dreizehnte an Bord. Nur auf dem Luftweg lässt sich sein nächster Auftrittsort erreichen. Der entlegenste Flecken von Kanadas Arktis ist die letzte Spielstätte der musikalischen Reise, auf der die Dokumentarfilmerin Bettina Ehrhardt Kent Nagano und die "Montréal Symphony" begleitet.

Nunavik nennen die Eskimos den äußersten Norden Quebecs. Manche der fünfzehn Dörfer in der abweisenden Schneewüste von der Größe Deutschlands haben weniger als 1000 Einwohner. Die Inuit nehmen den Hundeschlitten, wenn sie durch Kälte und Eis reisen. "Take the dog sledge" ist der Name, den die kanadische Komponistin Alexina Louie der Komposition gab, die sie eigens für den Auftritt vor den Inuit verfasste. Die kanadischen Ureinwohner werden das Publikum sein, vor dem der musikalische Direktor des Orchestre symphonique de Montréal sein Ensemble dirigieren wird. Die Musik Strawinskys musste Louie so umschreiben, dass sie mit Trompete, Posaune, Klarinette, Fagott, Violine und Schlagzeug vorgetragen werden kann. Nicht zu vergessen der Kontrabass. Sieben Instrumente, sieben Musiker. Eine größere Besetzung umfasst das Orchestre symphonique de Montréal an diesem Tag nicht. Eine größere Besetzung konnte das Flugzeug nicht umfassen.

Kent Nagano – Montréal Symphony Zwei Sängerinnen der Inuit und ein Rezitator locken aus den vertrauten Tönen der "Geschichte vom Soldaten" ein Klangkunstwerk von ungeahnter Tiefe und Schönheit hervor. Die einzigartige Vereinigung von uralter musikalischer Tradition und klassischer Moderne ist der Höhepunkt der Dokumentation. In den Szenen dieses letzten Auftritts der Konzertreise wird die Einheit von Natur, Geist und Musik greifbar, die Bettina Ehrhardt in "Kent Nagano – Montréal Symphony" beschwört. Es ist nur eine der beiden Reisen, auf welche die Kamera Nagano und das Orchester begleitet. Das zweite Großereignis zur Feier der 75. Saison des Orchesters ist eine Symphonik von Bruckner, Mahler, Debussy und der Oper "Saint Francoise d'Assise" von Messiaen in Paris. Aus Zusammenspiel und Kontrast der gegensätzlichen Orte, Konzertumstände und Aufführungen entsteht der Reiz der auf Montréals Festival of Films on Art 2010 ausgezeichneten Reportage.

Der unkonventionelle Konzertfilm erzählt keine klassische Dirigentenbiografie, sondern von der musikalischen Vision eines Künstlers. "Ich träume von einer Welt, in der jeder Mensch die Möglichkeit hat, seinen Weg zur Kunst zu finden", sagt Nagano. In Bettina Ehrhardts cineastischer "Montréal Symphony" ist er seinem Ziel ein Stück näher gekommen.  

Lida Bach / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Zorro Film

 
Filmdaten 
 
Kent Nagano - Montréal Symphony  
 
Deutschland / Kanada 2010
Regie & Drehbuch: Bettina Ehrhardt;
Produktion: Produziert von Bettina Ehrhardt und Michel Ouellette. Eine bce films & more und Ciné Qua Non Média Produktion, in Koproduktion mit dem National Film Board of Canada, in Zusammenarbeit mit ZDFtheaterkanal, Radio-Canada, Mezzo, und ARTV; Kamera: Bill Kerrigan, Philippe Lavalette, Hans Albrecht Lusznat, Daniel Vincelette; Musikaufnahme und Mischung: Markus Heiland, Martin Léveillé, Andreas Neubronner, Carl Talbot; Musikberatung: Henri Chalet, Dina Gilbert, Martina Killmayer, Sylvia Tabor; Schnitt: Carolle Alain;

englisch und französisch mit deutschen Untertiteln; Länge: 101,36 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih von Zorro Film; deutscher Kinostart: 13. Januar 2011



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Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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