21.03.2017

Kein Sex ist auch keine Lösung

"Die erfolgreichsten deutschen Filme sind entweder Bestsellerverfilmungen oder Komödien. Wie erfolgreich müssen dann erst die Verfilmungen komischer Bestseller sein?" Mit dieser Frage verweist Georg Seeßlen in einem Essay über deutsche Komödien auf einen Trend, der spätestens seit "Herr Lehmann" zum routinierten Geschäft geworden ist. Mit der Romanverfilmung "Kein Sex ist auch keine Lösung" von Mia Morgowski schlägt Regisseur Torsten Wacker ("Süperseks") in dieselbe Kerbe und liefert letztlich genau das, was der Titel verspricht: eine harmlose romantische Komödie mit frivolen Spitzen.

Tom Moreno (Stephan Luca) brilliert bei einer Hamburger Werbeagentur und zieht als Don Juan durchs Leben. Die Frauen, das lässt er das Publikum gleich zu Beginn per Kommentar wissen, liebt er – und die Frauen lieben ihn. Seine zur Vermeidung von Ernsthaftigkeit aufgestellte Regel, höchstens dreimal mit derselben Eroberung zu schlafen, wird dem Beau zum Verhängnis, als er eine Affäre mit seiner reizenden Kollegin Elisa (Marleen Lohse) eingeht... Um diesen Handlungskern herum entfaltet Torsten Wacker kleinere und größere Verstrickungen und Verwirrungen, die etwa vom Aufkeimen der Weiblichkeit bei Toms Mitbewohnerin Paule (Anna Thalbach) handeln oder um dessen aufreizende Mutter Theresa (Corinna Harfouch) kreisen.

Eigentlich könnte Torsten Wackers Film auch "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit" heißen und damit auf seine enge Verwandtschaft zu den belanglosen deutschen (Beziehungs-)Komödien der 1990er-Jahre verweisen. Kurzweilig und oberflächlich konstruiert die mit deutschen Stars gespickte Komödie einige "Es ist nicht so wie es aussieht!"-Momente, setzt pikante Highlights in Form von Stephan Lucas Hintern oder schönen Frauen in Spitzenunterwäsche und führt beim raschen Happy End alle glücklich zusammen.

Dass die Komödie über die halbnackten Tatsachen hinaus einen gewissen Unterhaltungswert besitzt, liegt an den sympathischen Darstellern. Ob Armin Rohde als crazy Chef, eine glänzende Anna Thalbach oder ein markanter Gastauftritt von Stefan Kretzschmar – das bis in die Nebenrollen tolle Ensemble ist eindeutig das Beste an dieser höchst mittelmäßigen Bestsellerverfilmung.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * (2 von 5)



Filmdaten

Kein Sex ist auch keine Lösung


Deutschland 2011
Regie: Torsten Wacker;
Darsteller: Stephan Luca (Tom Moreno), Marleen Lohse (Elisa), Armin Rohde (Rolf), Felicitas Woll (Susanne), Corinna Harfouch (Theresa), Anna Thalbach (Paule), Johannes Allmayer (Luke), Oliver Fleischer (Vince), Janin Reinhardt (Lydia Cremand), Michael Lott (Ronald), Tetje Mierendorf (Klaus), Carolin Spiess (Kirsten), Daniel Wiemer (Marc), Hannelore Elsner (Friederike Cremand), Stefan Kretzschmar (Leon), Collien Ulmen-Fernandes (Linda), Michael Kessler (Urs Cremand), Mia Morgowski (Zimmermädchen; Gastrolle der Autorin der Vorlage) u.a.;
Drehbuch: Hartmut Block, Michael Gantenberg nach dem Roman von Mia Morgowski; Produzenten: Julia Gerhardt, Annette Reeker, Philip Reuter; Kamera: Andre Lex; Musik: Florian Tessloff; Schnitt: Darius Simaifar;

Länge: 109,06 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; deutscher Kinostart: 1. Dezember 2011



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