29.11.2012

The Devil told me to

Jersey Devil

Stille liegt über den Pine Barrens im Süden von New Jersey, doch sie hat nichts Beruhigendes für das Wandererpaar, das die mythenumrankten Wälder durchstreift. Es ist Totenstille, die jeden natürlichen Laut erstickt und von einem Haufen verstümmelter Leiber auszugehen scheint. Die Kadaver, die das Pärchen zu einem grausigen Hügel aufgetürmt findet, gehören Rehen. Doch es wartet noch mehr Totes in der Tiefe des Waldes. Dort geht etwas um, das Menschen weit lieber jagt als Tiere und das Paar ist bei weitem nicht sein erstes Opfer. Der Flügelschlag, den die verstörten Wanderer vernehmen, stammt von den Schwingen des Todes. Er beschließt unheilvoll den Prolog, der das titulare Böse von Darren Lynn Bousmans Horrorthriller vorstellt: "Jersey Devil".

Lebhaftigkeit liegt über den Pine Barrens, doch sie hat nichts Aufmunterndes für Richard Vineyard. Der angespannte Familienvater (Stephen Moyer) ist mit seiner Frau Cynthia (Mia Kirshner) und den beiden Kindern zu einem Zeltausflug in die Campinggegend aufgebrochen. Der Ort, den er früher mit seinem Vater zum Fischen aufsuchte, findet Richard überlaufen von jugendlichen Touristen. Mit einem von ihnen (Eric Knudsen) freundet sich Richards jugendliche Tochter Sadie (Allie MacDonald) an, während ihr kleiner Bruder Danny (Peter DaCunha) dem vor der Abreise verschwundene Familienhund nachtrauert. Was könnte besser Dannys Kummer zerstreuen als eine Lagerfeuergeschichte? Eine gute, alte Horrorstory, erzählt vor dem Szenario der im Feuerschein flackernden und zuckenden Waldschatten. Die Legende, die der Regisseur und Drehbuchautor an sein Publikum weitergibt, reicht fast so lange zurück wie die Besiedlung des Handlungsortes. "Es heißt, der Teufel persönlich lebt in diesen Wäldern", berichtet einer der Jugendlichen über das gespenstische Setting, dem das effektive kleine Dämonenmärchen seinen Originaltitel verdankt.

"The Barrens" geben die allegorische Rahmenszenerie, in der sich eine düstere Fabelwelt und das Reich des Unterbewusstseins überschneiden. Die Legende vom Jersey Devil, der das 13. Kind einer Hexe mit dem Teufel sein soll und den angebliche Augenzeugen als gehörntes Flügelwesen beschreiben, wurzelt in der amerikanischen Folklore und der Familienbiografie des gereizten Hauptcharakters. Den ängstigt die Spukgeschichte mehr als Danny, der ahnt, dass die eigentliche Bedrohung nicht ein höllisches Monster ist, sondern sein Vater. Richard zieht es weiter in das Dickicht des überwucherten Kindheitsorts, an den er nicht nur gute Erinnerungen knüpft. Um ein nie vollends enthülltes Trauma zu exorzieren, will er während des Ausflugs die Asche seines Vaters verstreuen. Dessen kürzlicher Tod beschäftigt Richard mehr als der seiner ersten Frau, um deren Platz Cynthia bei den Kindern kämpft. Der Campingtrip soll die Konflikte schlichten.

Sie sind ein immer heftiger pulsierender Infektionsherd, symbolisiert durch die eitrige Bisswunde, die Richard der Familienhund zugefügt hat. Auf dessen brutales Ende verweist ein Hundekadaver auf einem verlassenen Zeltplatz, zu dem Richard mit seiner Familie weiterzieht. Je länger sie dort sind, desto mehr fürchtet Richard den Teufel in den Wäldern – und seine Familie den Teufel in ihm. Das Bedrohliche an dem Monster der Sagen-Adaption ist, dass es vielleicht nur in Richards zunehmend wirrem Geist existiert. Die exzessive Grausamkeit, die Bousman im zweiten, dritten und vierten Teil von "Saw" bemühte, ersetzt in "Jersey Devil" subtilere Gewalt. Sie hinterlässt in Form von Tierleichen und Überresten menschlichen Lebens eine Spur des Todes, der die Figuren bis zum Schluss folgen. Dort erwartet sie wahrhaftig der Teufel – und er kommt vielleicht aus ihnen selbst.  

Lida Bach / Wertung: * * (2 von 5)



Filmdaten

Jersey Devil
(The Barrens)

USA / Kanada 2012
Regie & Drehbuch: Darren Lynn Bousman;
Darsteller: Mia Kirshner (Cynthia Vineyard), Stephen Moyer (Richard Vineyard), Shawn Ashmore (Dale), Erik Knudsen (Ryan), Athena Karkanis (Erica), Max Topplin (Zach), Allie MacDonald (Sadie Vineyard), Demore Barnes (Deputy Ranger), Peter DaCunha (Danny Vineyard), Naomi Snieckus (Monica), J. LaRose (Ranger Bob), Chantelle Chung (Laura), David Keeley (Sheriff Winters), Marty Adams (Peter Luther), Matt Baram (Kyle) u.a.;
Produktion: The Genre Co., Empire Film & Entertainment Group; Kamera: Joseph White; Musik: Bobby Johnston; Schnitt: Erin Deck;

Länge: 94 Minuten; FSK: keine Jugendfreigabe; DVD-Start: 30. November 2012



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Zitat

"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

"Ich schaue die Welt mit Kinderaugen an." (über die Bewahrung seiner Kindlichkeit)

US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

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