29.10.2019

Jäger des Augenblicks
- Ein Abenteuer am Mount Roraima

Für die befreundeten Profibergsteiger Stefan Glowacz, Holger Heuber und Kurt Albert ist das Erklimmen eines Berges eine wahre Passion. Zu dritt bereisen die Männer Berge auf der ganzen Welt, immer mit dem hehren Anspruch, als erste Bergsteiger eine bislang unerschlossene Route zu bezwingen. Ihr ambitioniertes Projekt, die steil aufragende Felswand des Tafelbergs Roraima im Dreiländereck zwischen Brasilien, Venezuela und Guyana zu erklettern, begleitet der Dokumentarfilm "Jäger des Augenblicks" auf insgesamt schnörkellose, aber dennoch mitreißende Art und Weise.

Im Mittelpunkt stehen freilich die Protagonisten, deren Versuch im ersten Anlauf an Schlechtwetter, schwindenden Vorräten und einer Fußverletzung scheitert. Dass Glowacz, Heuber und Albert ihr Projekt im ersten Versuch abbrechen müssen und erst nach einigen Wochen Aufenthalt in Deutschland einen zweiten Versuch angehen, etabliert den dramaturgischen Rahmen der Dokumentation, die vom Umgang mit dem Scheitern handelt – und davon, dass die Leidenschaft und ein vorwärts drängender Wille die Grundlage zum Weitermachen bilden. Während sich die Freunde in Deutschland auf den zweiten Anlauf einstellen, geschieht zudem ein tragisches Unglück: Bei einer Routineübung in Österreich stürzt Kurt Albert ab und verunglückt tödlich. Dass seine Freunde Stefan Glowacz und Holger Heuber das Vorhaben in Südamerika ohne ihren Freund erneut angehen und ihrem verstorbenen Kollegen gedenken, verleiht "Jäger des Augenblicks" eine menschliche Seite, die über den Themenkomplex Scheitern und Weitermachen hinausgeht.

Was "Jäger des Augenblicks" neben den aufrichtigen Einblicken in die Gefühlswelt der Protagonisten interessant macht, sind vor allem die einnehmenden Landschaftsaufnahmen. So verschwindet der Gipfel des Tafelbergs wie in einem romantischen Kunstwerk majestätisch im Nebel und die starken Regenfälle im südamerikanischen Dschungel bilden einen Schauwert für sich. Wenn die Kamera ganz dicht bei den Bergsteigern verharrt und diese in ihrem Nachtlager auf einem schmalen Felsvorsprung oder beim Klettern in schwindelerregenden Höhen zeigt, fragt man sich bisweilen, wie diese spektakulären Aufnahmen wohl entstanden sind. So ist "Jäger des Augenblicks" ein visuell wie erzählerisch lohnender Dokumentarfilm, der anhand der Bergsteiger-Thematik ganz grundlegende menschliche Wesenzüge ins Blickfeld rückt – und damit eine umfassende Allgemeingültigkeit entwickelt.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * * (4 von 5)



Filmdaten

Jäger des Augenblicks - Ein Abenteuer am Mount Roraima


Österreich 2013
Regie & Drehbuch: Christian Lonk, Philipp Manderla, Malte Roeper;
Ausführender Produzent: Philipp Manderla; Kamera: Kolja Brandt, Franz Hinterbrandner; Musik: Antoni Lazarkiewicz; Schnitt: Christian Lonk;

Länge: 102,27 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; deutscher Kinostart: 25. April 2013



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"Es erscheint mir albern, dass etwas so Richtiges und Einfaches erkämpft werden muss."

("It just seems silly to me that something so right and simple has to be fought for at all.")

Schauspieler Gregory Peck (1916 - 2003) über die Rechte von Homosexuellen

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