01.04.2017

Jack und Jill

Am "Phänomen" Adam Sandler scheiden sich die Geister: Das eine Lager erklärt Sandler zum Symbol der typischen Mainstream-Hollywood-Komödie und schließt den erfolgreichen Star von vornherein aus, das andere Lager freut sich über jeden neuen Film des Schauspielers. In "Jack und Jill" von Regisseur Dennis Dugan spielt der Mime nun eine Doppelrolle, nämlich sowohl den männlichen als auch den weiblichen Part eines auch sonst ungleichen Zwillingspärchens, das im Verlauf der Geschichte Gemeinsamkeiten und damit die Liebe füreinander entdeckt.

Zwar legt auch die neue Adam-Sandler-Komödie ein gehöriges Tempo vor und verzichtet nicht auf derben Humor mit Furzen und so, bekommt aber immer wieder rechtzeitig die Kurve. Wichtiger als der oberflächliche Klamauk ist die Entwicklung der Geschwister Jack und Jill Sadelstein. Während Jill etwas zu rund geraten ist und wie ein Wirbelwind durch den Film rast, ist der von seiner Arbeit als Werbefuzzi sichtlich gestresste Jack vor allem daran interessiert, dass seine Schwester den Thanksgiving-Besuch bei seiner Familie möglichst bald abbricht. Das wesentliche Problem zwischen den beiden ist letztlich, dass der Bruder der Schwester nicht zuhört.

Weil die Ironie recht trocken unter der Oberfläche brodelt, ist "Jack und Jill" durchaus kein gefälliger Fast-Food-Film. Die kleinen Seitenhiebe auf Deutsche und Juden, auf den Schönheitswahn, Luxusdampfer und ähnliches können leicht übersehen werden, wenn man der Komödie keine Chance gibt. Nach der Pressevorführung erklärte ich der Dame vom Verleih, dass die Oldtimer unter den Kritikern zwar während der Vorstellung wie kleine Jungs kichern, doch hinterher ganz routiniert mäkeln – man kennt das Prinzip. Schön, dass wenigstens einige vereinzelte Kollegen das ironische Fundament von "Jack und Jill" guten Gewissens durchwinken. Und seit wann ist Adam Sandler eigentlich dafür verantwortlich, wenn andere seine Ironie nicht verstehen?



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * * (4 von 5)



Filmdaten

Jack und Jill
(Jack and Jill)

USA 2011
Regie: Dennis Dugan;
Darsteller: Adam Sandler (Jack / Jill), Al Pacino als er selbst, Katie Holmes (Erin), Elodie Tougne (Sofia), Rohan Chand (Gary), Eugenio Derbez (Felipe / Felipes Großmutter), David Spade (Monica), Shaquille O'Neal als er selbst, John McEnroe als er selbst u.a.;
Drehbuch: Allen Covert, Steven Koren, Adam Sandler, Robert Smigel, Ben Zook; Produzenten: Todd Garner, Jack Giarraputo, Adam Sandler; Kamera: Dean Cundey; Musik: Rupert Gregson-Williams, Waddy Wachtel; Schnitt: Tom Costain;

Länge: 90,56 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; deutscher Kinostart: 26. Januar 2012



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Zitat

"Du bist kein Star, solange sie Deinen Namen in Wladiwostok nicht richtig schreiben können."

("You're not a star till they can spell your name in Vladivostok.")

Schauspieler Roger Moore (14.10.1927 - 23.05.2017)

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